Fachthema

Telemonitoring bei Herzinsuffizienz
9. Konsensusmeeting Herzinsuffizienz, 26. 11. 2016, Innsbruck

Herzinsuffizienz – eine chronische Erkrankung

Jatros, 31.05.2017

Autor:
Prim. Priv.-Doz. Dr. Matthias Frick
Innere Medizin I, Akademisches Lehrkrankenhaus Feldkirch
E-Mail: matthias.frick@vlkh.net

Kardiologie & Gefäßmedizin

Die Herzinsuffizienz erfüllt alle Kriterien einer chronischen Erkrankung und ist mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität assoziiert. Zudem kommt die Herzinsuffizienz häufig vor und wird in Anbetracht der Inzidenzzunahme im Alter und der Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahrzehnten das Gesundheitssystem vor enorme Herausforderungen stellen. Umso wichtiger ist es, neben der Prävention der Herzinsuffizienz eine frühzeitige Diagnose und optimale Therapie zu gewährleisten. Dafür ist die Etablierung eines Herzinsuffizienznetzwerkes entscheidend.

Key Points

  • Die chronische ­Herzinsuffizienz ist verbunden mit einer erheblichen ­Morbidität und Mortalität.
  • Aufgrund des demografischen Wandels wird die Inzidenz in den nächsten Jahren deutlich steigen.
  • Eine frühe Diagnose und eine optimale Therapie sind entscheidend.
  • Durch Herzinsuffizienznetzwerke sollen einerseits die Behandlung der Patienten optimiert und andererseits die Rehospitalisierungsraten minimiert werden.

Allgemeine Aspekte

Eine chronische Erkrankung ist definiert als eine Störung, die dauernde somatische oder psychische Schäden oder Behinderung zur Folge hat. Zudem ist ein zentraler Bestandteil einer chronischen Erkrankung die Tatsache, dass die Krankheit nicht ausheilt oder deren Ursache nicht beseitigt werden kann. Derzeit gelten ca. 20% der Bevölkerung als chronisch krank. Im Vergleich dazu starben im 19. Jahrhundert noch 80% der Menschen an Infektionskrankheiten.
Die Herzinsuffizienz erfüllt alle Kriterien einer chronischen Erkrankung. Sie ist definiert als ein Syndrom, bei welchem Symptome (z.B. Dyspnoe) bestehen, die auf eine Abnormalität der kardialen Struktur oder Funktion zurückzuführen sind. Häufig bestehen auch Zeichen einer Herzinsuffizienz (z.B. Beinödeme, Halsvenenstauung etc.), die aber zu Beginn der Erkrankung oder infolge guter medikamentöser Therapie für eine Definition einer Herzinsuffizienz nicht zwingend vorhanden sein müssen. Die ESC-Leitlinien von 2016 unterscheiden 3 Arten der Herzinsuffizienz (Tab. 1). Neben der Herzinsuffizienz mit reduzierter Linksventrikelfunktion (HFrEF) und der Herzinsuffizienz mit erhaltener Linksventrikelfunktion (HFpEF) wird nun auch eine Herzinsuffizienz mit gering reduzierter Linksventrikelfunktion (HFmrEF) unterschieden.
Ca. 1–2% der erwachsenen Bevölkerung leiden an einer Herzinsuffizienz. Die Neuerkrankungen an Herzinsuffizienz haben in den letzten Jahrzehnten zugenommen. Eine von drei Personen im Alter von 55 Jahren entwickelt in ihrem weiteren Leben eine Herzinsuffizienz. Sowohl Inzidenz als auch Prävalenz der Herzinsuffizienz nehmen im Alter deutlich zu. Wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung in Österreich vor Augen hält, ist von einer deutlichen Zunahme von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz über die nächsten Jahrzehnte auszugehen. Alarmierend ist auch, dass die 3-Jahres-Mortalitätsrate gerade bei älteren Patienten mit Herzinsuffizienz extrem hoch ist (ca. 57% bei >80-Jährigen). Damit ist die ­Mortalitätsrate der chronischen Herzinsuffizienz leider noch höher als die des Mammakarzinoms oder des Prostatakarzinoms.
Neben der sehr schlechten Prognose ist aber auch der progressive Verlauf der Erkrankung mit rezidivierenden akuten Dekompensationen und damit verbundenen häufigen stationären Aufnahmen problematisch. Die 30-Tage-Wiederaufnahmerate für Herzinsuffizienz liegt in Europa bei ca. 25%, in Österreich liegt die 6-Monate-Wiederaufnahmerate bei 30–50%. Dieser Umstand wird in Anbetracht der Bevölkerungsentwicklung in den nächsten Jahrzehnten eine große Herausforderung für uns als Ärzte, aber auch für das gesamte Gesundheitssystem darstellen. Bereits jetzt machen die Ausgaben für Herzinsuffizienz in Österreich ca. 2–4% des Gesundheitsbudgets aus. Dazu kommen noch indirekte Kosten durch vorzeitige Mortalität und Produktivitätsverlust oder auch Pflegekosten.

Therapie der Herzinsuffizienz

Wenn man die Behandlungsziele für die chronische Herzinsuffizienz formuliert, ist neben der Prognoseverbesserung vor allem die Reduktion der Morbidität entscheidend. Dies bedeutet in erster Linie eine Verbesserung der Lebensqualität durch Reduktion von Symptomen und Zeichen der Herzinsuffizienz, aber auch eine Senkung der Rehospitalisationsrate. Idealerweise verhindert man überhaupt das Auftreten einer Herzinsuffizienz über Prävention von Myokardschaden beispielsweise nach einem Myokardinfarkt und optimale Behandlung der Risikoerkrankungen für Herzinsuffizienz. Entscheidend ist aber auch die Verhinderung der Progression durch eine stadiengerechte Behandlung. Es konnte eindeutig nachgewiesen werden, dass eine optimale neurohumorale Therapie, bestehend aus ACE-Hemmer, Betablocker und Mineralkortikoidrezeptor-Antagonisten, die Prognose und Morbidität von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz verbessern kann. Die neuen ESC-Richtlinien sprechen deshalb auch erstmals von „disease-modifying drugs“. Eine frühe Diagnose und eine optimale Therapie sind entscheidend, um die formulierten Behandlungsziele bei Herzinsuffizienz überhaupt erreichen zu können. Es konnte auch gezeigt werden, dass die suboptimale Behandlung mit insuffizienten ACE-Hemmer- und Betablocker-Dosierungen mit einer erhöhten Mortalität einhergeht. Da die chronische Herzinsuffizienz eine häufige, mit einer erheblichen Morbidität und Mortalität assoziierte Erkrankung ist und enorme Gesundheitskosten für ihre Behandlung anfallen werden, ist es notwendig, Herzinsuffizienznetzwerke zu bilden. Ziel dieser Netzwerkbildung ist es, die Behandlung von Patienten zu optimieren, damit sowohl die Prognose als auch die Lebensqualität verbessert und die Rehospitalisierungsraten reduziert werden können.

Literatur: