Fachthema

„wir sind diabetes“ und die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG)

ÖDG begrüßt das Zusammenrücken der Diabetesselbsthilfe in Österreich

Jatros, 12.11.2019

Autor:
Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Susanne Kaser
stellvertretende Direktorin der Universitätsklinik für Innere Medizin I, Innsbruck
designierte Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
E-Mail: susanne.kaser@i-med.ac.at

Diabetologie & Endokrinologie

Nach Angaben der International Diabetes Federation (IDF), des internationalen Zusammenschlusses von mehr als 200 Diabetesfachgesellschaften, lebten im Jahr 2017 weltweit 451 Millionen Menschen mit Diabetes, der überwiegende Teil davon mit Typ-2- Diabetes. Zum Vergleich: 1980 waren es noch 108 Millionen Menschen. In den nächsten Jahrzehnten ist ein weiterer Anstieg der Zahl der Diabeteserkrankungen zu erwarten. Für das Jahr 2045 prognostiziert die IDF die erschreckende Zahl von 693 Millionen Menschen, die mit Diabetes leben werden.1

Jeder 10. in Österreich betroffen

Auch Österreich bleibt von dieser Entwicklung nicht verschont. Nach Schätzungen des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen liegt die Zahl der Menschen mit Diabetes hierzulande derzeit bei 515 000 bis 809 000 oder 7–11 % der Gesamtpopulation (Österreichischer Diabetesbericht 2017); dies inkludiert geschätzte 150 000–300 000 Menschen, die nicht diagnostiziert sind, von ihrer Erkrankung also noch nichts wissen.2 Genauere Daten sind mangels einer systematischen Erfassung von Diabeteserkrankungen in Österreich nicht verfügbar.

Folgen für das Gesundheitssystem

Diese Zahlen sind von enormer Wichtigkeit, weil Diabetes nach wie vor eine der Hauptursachen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Nierenversagen, Erblindung und Fußamputationen ist und – ganz abgesehen vom damit verbundenen individuellen Leid – erhebliche Gesundheitskosten verursacht. Umgekehrt zeigt die Studienlage ganz klar, dass sehr viele dieser Folgeerkrankungen vermieden werden können, wenn wir eine gesunde Lebensführung forcieren und alle Risikofaktoren (v. a. bezüglich Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten) dem Stand der Medizin entsprechend behandeln. Das setzt voraus, dass wir Diabetes frühzeitig erkennen und kontinuierlich, dem Verlauf dieser chronischen Erkrankung angepasst, behandeln.

Die Rolle der Österreichischen Diabetes Gesellschaft

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetesexperten. Sie unterstützt die Forschung und Verbreitung von wissenschaftlichen Erkenntnissen, mit dem Ziel, die medizinische Betreuung von Menschen mit Diabetes zu verbessern und Neuerkrankungen bestmöglich vorzubeugen. Daneben setzt sich die ÖDG für die Anliegen der Betroffenen ein, indem sie ihre Verantwortung als Kompetenzgeberin in Fragen der Versorgungsplanung wahrnimmt und sich am gesundheitspolitischen Diskurs beteiligt.
Zu diesem Zweck lädt die ÖDG nationale und internationale Gesundheitsexperten und Vertreter von Politik und Gesundheitspartnern zu regelmäßigen Dialogen (Diabetes Enquete, ÖDG-Strategiemeeting) und sie hat vor einigen Jahren die Initiative „Face Diabetes“ gestartet, um dem Thema Diabetes mehr Präsenz in der Öffentlichkeit zu verschaffen.3

Von der „SOKO Diabetes“ zu „wir sind diabetes“

Auf Initiative von Univ.-Prof. Dr. Hermann Toplak (Medizinische Universität Graz; ÖDG-Präsident 2016/17) fand im Frühjahr 2017 das erste Treffen von Vertretern der Fachgesellschaft, der wichtigsten österreichischen Diabetesselbsthilfevereine sowie des Verbandes der DiabetesberaterInnen und weiterer Stakeholder statt. Der Arbeitskreis mit dem Titel „SOKO Diabetes“ steht unter der Schirmherrschaft der ÖDG und trifft sich seither mehrmals jährlich zur Abstimmung der gemeinsamen Ziele und Forderungen.
Die Gründung der Dachorganisation „wir sind diabetes“ ist ein wichtiger nächster Schritt für eine gemeinsame starke Stimme im Interesse der vielen Menschen mit Diabetes in Österreich. Die ÖDG begrüßt diese Entwicklung und knüpft daran die Hoffnung, im Schulterschluss mit einer starken Vertretung der Patientinnen und Patienten noch wirkungsvoller für ihre Anliegen eintreten zu können.


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Literatur: