Fachthema

Fortschritte für Pankreaskarzinom-Patienten mit Keimbahnmutationen

Jatros, 12.09.2019

Bericht:
Dr. Ine Schmale
Quelle:
ESMO 21st World Congress on Gastrointestinal Cancer (WCGC), 3.–6. Juli 2019, Barcelona

Onkologie | Gastroenterologie

Das Pankreaskarzinom ist und bleibt eine schwer behandelbare Entität. Beim World Congress on Gastrointestinal Cancer wurden wieder zwei negative Phase-III-Studien präsentiert. Für Patienten mit BRCA1/2-Keimbahnmutationen hingegen waren Fortschritte zu verzeichnen, eine Erhaltungstherapie mit Olaparib kann das progressionsfreie Intervall deutlich verlängern.

Etwa 4–7 % der Patienten, die sich mit metastasiertem Pankreaskarzinom präsentieren, weisen eine BRCA1- und/oder BRCA2-Keimbahnmutation auf. Diese Patienten profitieren insbesondere von einer Platin-basierten Chemotherapie. Mit einer Erhaltungstherapie können der Krankheitsprogress und der Einsatz einer weiteren Chemotherapie verzögert werden, so die Ergebnisse der Phase-III-Studie POLO.1
154 Patienten in einem medianen Alter von 57 Jahren erhielten 3 : 2-randomisiert den PARP-Inhibitor Olaparib oder Placebo. Eine BRCA1-Mutation wurde bei 31,5 % der Patienten im Olaparib-Arm und 25,8 % im Placebo-Arm nachgewiesen, eine BRCA2-Mutation bei 67,4 % bzw. 74,2 % der Patienten. Die Patienten hatten in der ersten Therapielinie überwiegend FOLFIRINOX erhalten. Etwa die Hälfte der Patienten zeigte ein Ansprechen auf die Erstlinientherapie und ebenfalls die Hälfte zeigte eine Stabilisierung der Erkrankung.
Die POLO-Studie erreichte ihren primären Endpunkt, das mediane PFS wurde durch die Olaparib-Erhaltungstherapie von 3,8 auf 7,4 Monate signifikant verlängert (HR: 0,53; 95 % CI: 0,35–0,82; p = 0,0038). Als sekundärer Endpunkt wurde das PFS der nachfolgenden Therapie untersucht (PFS2) und der Hinweis auf einen Effekt der Olaparib-Therapie über den Progress hinaus gesehen: Patienten des Placebo-Arms profitierten für 9,2 Monate von der nachfolgenden Therapie, Patienten des Olaparib-Arms für 13,2 Monate (HR: 0,76; 95 % CI: 0,46–1,23; p = 0,26). Bezüglich des Gesamtüberlebens (OS) war mit einer Studienreife von 46 % Ereignissen noch kein Unterschied zwischen den beiden Studienarmen zu erkennen (medianes OS: 18,9 versus 18,1 Monate). Es sprachen 23,1 % versus 11,5 % der Patienten auf die Studienmedikation an. Die Dauer des Ansprechens betrug 24,9 versus 3,7 Monate.
Nebenwirkungen aller Grade wurden bei 95,6 % der Patienten unter Olaparib und 93,3 % unter Placebo berichtet, Nebenwirkungen Grad ≥ 3 bei 39,6 % versus 23,3 % der Patienten. 5,5 % versus 1,7 % der Studienteilnehmer beider Studienarme brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab.

Nutzen experimenteller Medikationen noch unklar

Zwei Phase-III-Studien zur Behandlung des Pankreaskarzinoms zeigten keinen Therapieerfolg bezüglich der primären Studienendpunkte. In der APACT-Studie wurde nab-Paclitaxel plus Gemcitabin versus Gemcitabin im adjuvanten Setting und in der RESOLVE-Studie Ibrutinib zusätzlich zu nab-Paclitaxel und Gemcitabin in der Erstlinientherapie untersucht.
866 Patienten wurden in die APACT-Studie eingeschlossen, von denen 66 % die Therapie mit nab-Paclitaxel plus Gemcitabin und 71 % die Gemcitabin-Monotherapie komplettierten.2 Der primäre Endpunkt, eine Verlängerung des krankheitsfreien Überlebens (DFS), wurde nicht erreicht. Mit median 19,4 Monaten versus 18,8 Monate waren die Kaplan- Meier-Kurven in beiden Studienarmen vergleichbar (HR: 0,88; 95 % CI: 0,73– 1,06; p = 0,182). Beim Gesamtüberleben wurde in einer Zwischenanalyse eine Risikoreduktion um 18 % beobachtet. Das mediane OS betrug 40,5 Monate im nab- Paclitacel-haltigen Arm versus 36,2 Monate unter Gemcitabin-Monotherapie (HR: 0,82; CI 95 %: 0,680–0,996; p = 0,045). Um die Rolle der adjuvanten Therapie mit nab-Paclitaxel plus Gemcitabin besser zu verstehen, müssen die finalen OS-Daten abgewartet werden.
Die Phase-III-Studie RESOLVE untersuchte die zusätzliche Gabe des Bruton- Tyrosinkinase-Inhibitors Ibrutinib zu nab- Paclitaxel plus Gemcitabin in der ersten Therapielinie.3 Koprimäre Studienendpunkte waren das OS und das PFS. Bezüglich des OS wurde kein Unterschied zwischen den Studienarmen beobachtet (HR: 1,109; 95 % CI: 0,903–1,363; p = 0,3225). Das PFS war im Ibrutinib-haltigen Arm signifikant gegenüber der Standardtherapie verkürzt (HR: 1,564; 95 % CI: 1,277– 1,916; p = 0,0001). Auch die Ansprechrate war mit 42 % versus 29 % im Kontrollarm höher als im experimentellen Arm (p = 0,0058).

Literatur: