Fachthema

Impfungen in der Schwangerschaft

Wer schwanger ist, sollte gegen Influenza und Pertussis geimpft werden

Leading Opinions, 28.02.2019

Bericht:
Regina Scharf
Quelle:
Symposium «Impfungen in der Schwangerschaft» am 10. Schweizer Impfkongress, 28. und 29. November 2018, Basel

Gynäkologie & Geburtshilfe

Alle zwei Jahre findet in der Schweiz der Impfkongress statt: Am 28. und 29. November 2018 war es wieder so weit. Ein wichtiges Thema war die Impfempfehlung für Influenza und Pertussis bei schwangeren Frauen.

Frauen, die während der Schwangerschaft (SS) an Grippe erkranken, haben ein 2-fach erhöhtes Risiko, aufgrund einer Komplikation hospitalisiert zu werden. Doch nicht nur die Mutter, auch das Leben der Kinder wird durch die Grippe gefährdet: Wie eine Studie zeigte, nahmen die perinatalen Todesfälle und Frühgeburten um das 4-Fache zu. Dabei war die Wahrscheinlichkeit einer Frühgeburt höher, wenn die Frauen sich nach der 24. Schwangerschaftswoche (SSW) infiziert hatten und auf der Intensivstation behandelt werden mussten.
«Die Grippeimpfung kann bis zu 70% der mütterlichen und bis zu 60% der kindlichen Erkrankungen verhindern», sagte Prof. Nicole Ochsenbein-Kölble vom Universitätsspital Zürich am 10. Schweizer Impfkongress in Basel. Die Grippeimpfung der Frauen wird ab dem ersten Trimenon empfohlen. In der Schweiz stehen dafür je zwei inaktive trivalente (Influvac®, Mutagrip ®) und quadrivalente (Fluarix Tetra®, Vaxigrip®) Impfstoffe zur Verfügung. Die Impfung führt zu einer vermehrten Produktion der spezifischen Influenzaantikörper (AK) bei der Mutter, die dann auf das Kind übertragen werden. «Bei den geimpften Frauen finden sich zusätzlich erhöhte AK-Konzentrationen in der Muttermilch», sagte die Gynäkologin.
Eine wichtige Rolle spielt im Gespräch mit den schwangeren Frauen die Besorgnis bezüglich der Sicherheit der Impfstoffe. Eine grosse Beobachtungsstudie, die im Zeitraum zwischen 2004 und 2013 über 50 000 Kinder von Frauen, die während des ersten Trimesters eine Grippeimpfung erhalten hatten, bis zu ihrem ersten Lebensjahr nachverfolgt hatte, konnte keine Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko finden. «Die Impfung selbst wird üblicherweise von den Frauen gut vertragen.»

Pertussis gefährdet vor allem Säuglinge bis zu 6 Monaten

In den Jahren zwischen 2012 und 2015 ist die Inzidenz der klinischen Keuchhustenfälle in der Schweiz angestiegen. Das grösste Risiko für eine Pertussiserkrankung und -komplikation haben Säuglinge unter 6 Monaten. Die Impfung ist die wichtigste Präventionsmassnahme zum Schutz vor Pertussis. Studien zeigen, dass die Impfung in der Schwangerschaft mehr als 90% der Pertussiserkrankungen in den ersten zwei Lebensmonaten und schätzungsweise 95% der Pertussis-bedingten Todesfälle verhindern kann.5, 6
Optimal ist die Impfung der schwangeren Frauen im zweiten Trimester. «Durch die Impfung zwischen der 13. und 26. SSW wird auch ein ausreichender Schutz von Frühgeborenen erzielt», erklärte Prof. Ochsenbein- Kölble. Verpasse man die frühzeitige Impfung, sollte man diese auf jeden Fall im dritten Trimester nachholen.
Der einzige verfügbare Impfstoff gegen Pertussis in der Schweiz enthält zusätzlich Antigene gegen Diphterie und Tetanus (Boostrix®). Ein systematischer Review von Studien zur Sicherheit von Pertussis-haltigen Impfstoffen in der Schwangerschaft fand keine Hinweise auf ein erhöhtes Risiko.7
Wissenswert im Zusammenhang mit den Impfungen ist, dass der «Nestschutz» der Neugeborenen auf höchstens 6 Monate begrenzt ist. «Damit anschliessend ein aktiver Schutz aufgebaut werden kann, müssen die Kinder rechtzeitig geimpft werden », sagte Prof. Ochsenbein-Kölble.

Literatur: