Fachthema

Adjuvante Therapie des Endometriumkarzinoms

Jatros, 26.12.2017

Autor:
OÄ Dr. Alina Emiliana Sturdza, FRCPC
Univ.-Klinik für Strahlentherapie, AKH
Gruppenleitung Gynäkologische Tumoren
Medizinische Universität Wien
Comprehensive Cancer Center Vienna
E-Mail: alina.sturdza@akhwien.at
Autor:
Dr. Johannes Knoth
Univ.-Klinik für Strahlentherapie, AKH
Medizinische Universität Wien

Onkologie | Gynäkologie & Geburtshilfe

Das Endometriumkarzinom ist in Industrieländern die häufigste bösartige Neubildung im gynäkologischen Bereich, mit einer Inzidenz von 13,6/100 000 Frauen in Europa.1 Bei der Mehrheit (80%) wird die Erkrankung im Stadium I diagnostiziert, sodass für diese Fälle eine exzellente Überlebensrate von 95% nach fünf Jahren ausgewiesen ist. In weiter fortgeschrittenen Stadien mit regionaler Ausbreitung oder Fernmetastasierung sinkt die 5-Jahres-Überlebensrate auf 68% bzw. 17%.2

Klinische Praxis

In der klinischen Praxis gibt es ein breit gefächertes Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten. Während die chirurgische Sanierung im Sinne einer Hysterektomie verbunden mit Adnexektomie +/– Lymphadenektomie den Grundpfeiler der Behandlung bildet, variiert die adjuvante Therapie teils beträchtlich, insbesondere in Fällen von lokal fortgeschrittenem Endometriumkarzinom vom Typ II (nicht endometrioide Subtypen wie seröse, klarzellige und undifferenzierte Karzinome oder auch Müller’sche Mischtumoren).

Leitlinien zur adjuvanten Therapie des Endometriumkarzinoms

In der Vergangenheit basierte die (adjuvante) Therapie des Endometriumkarzinoms häufig auf klinikinternen Konzepten. 2014 wurden im amerikanischen Raum die ersten ASTRO-Leitlinien herausgegeben und 2015 von der ASCO bestätigt, 3 während in Europa ein erster gemeinsamer Behandlungsleitfaden im Rahmen der Empfehlung der ESMO ESGO ESTRO Consensus Conference on Endometrial Cancer 2016 veröffentlicht wurde. All diese Empfehlungen basieren auf existierenden Therapieprotokollen, retrospektiven und prospektiven Fallserien sowie Expertenmeinungen.3–5
Um den möglichen Benefit einer adjuvanten Therapie besser herauszuarbeiten, wurden im Zuge der Leitlinienerstellung zunächst Risikogruppen basierend auf klinischen und pathologischen Risikofaktoren gebildet, um Patientinnen mit einem erhöhten Rezidivrisiko zu identifizieren. Für jede Risikogruppe wurde dann eine Empfehlung bezüglich der adjuvanten Therapie erstellt (Tab. 1).
Den Therapiestandard in Hinblick auf eine systemische Therapie bildet die Verabreichung von sechs Zyklen Carboplatin und Paclitaxel im Abstand von jeweils drei Wochen.

Adjuvante Brachytherapie

Den Standard der adjuvanten Brachytherapie bildet eine Bestrahlung mittels eines der Vaginalgröße angepassten Zylinders, wobei Dosis und intravaginale Ausdehnung des Zielgebietes teils von Klinik zu Klinik variieren (Abb. 1). Die häufigsten Behandlungsschemata umfassen 3x 7Gy bzw. 4x 5Gy dosiert auf 5mm Gewebetiefe im Bereich des proximalen Vaginaldrittels.

Adjuvante Teletherapie

Teletherapie wird mittels 4-Felder-Technik, in den letzten 10 Jahren zunehmend auch mittels modernerer Techniken wie intensitätsmodulierter Radiotherapie (IMRT) oder volumenmodulierter Strahlentherapie (VMAT) appliziert, wodurch die Risikoorgane teils besser geschont werden können (Abb. 1). Beckenfelder umschließen das proximale Vaginaldrittel sowie die Beckenlymphabflusswege bis hinauf zur Aortenbifurkation. Im Falle einer „Extended- field“-Bestrahlung sollte die kraniale Feldgrenze zumindest drei Zentimeter oberhalb des am weitesten kranial gelegenen befallenen Lymphknotens liegen. Die Gesamtdosis beträgt 45–50,4Gy bei 1,8Gy Einzeldosis. Die Sequenz aus Radiotherapie und Chemotherapie sollte in spezialisierten Tumorboards für jede Patientin individuell festgelegt werden.

Literatur: