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Die Handkraft ist ein unabhängiger Prädiktor für die gesamte und die kardiovaskuläre Mortalität

Jatros, 09.11.2017

Autor:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernd Eber
Ärztlicher Leiter Klinik Wilhering GmbH
E-Mail: bernd.eber@klinik-wilhering.at

Kardiologie & Gefäßmedizin

In die PURE-Studie wurden vom Jänner 2003 bis zum Dezember 2009 fast 143 000 Probanden rekrutiert, bei denen die individuelle Handkraft mit einem Dynamometer standardisiert gemessen wurde. Die Studienteilnehmer wurden 4 Jahre prospektiv beobachtet, knapp 3400 Menschen starben in diesem Beobachtungszeitraum, das entspricht 2% aller Probanden. Die Handkraft, gemessen in 5-Kilogramm-Schritten, war invers assoziiert mit der Gesamtsterblichkeit, aber auch mit der kardiovaskulären Mortalität sowie dem Auftreten eines Myokardinfarkts oder eines Schlaganfalls. Die Handkraft war in diesem Trial sogar ein stärkerer Prädiktor für die Mortalität (gesamt und kardiovaskulär) als der systolische Blutdruck. Kein Zusammenhang fand sich in der Beziehung zwischen Handkraft und Diabetesentstehung, Spitalsaufnahme wegen einer Pneumonie oder COPD oder dem Auftreten einer Verletzung und eines Knochenbruchs. Nur in Ländern mit hohem Bruttosozialprodukt fand sich außerdem eine signifikante Assoziation zwischen Krebsrisiko und Handkraft.

Kommentar:
Diese zwar schon etwas ältere Studie sollte bei zukünftigen Präventionsstudien Berücksichtigung finden. Die Handkraft ist mit dem Dynamometer einfach und schnell zu messen, es existieren bereits sehr valide Normalwerte von Männern und Frauen in den verschiedenen Altersgruppen. Aber auch in der täglichen Praxis kann diese Methodik eine gute Orientierung bieten. Der Händedruck sollte zumindest ein erstes Diagnostikum beim betreuenden Arzt sein. Dies wurde in diesem Satz zum Ausdruck gebracht:
„Perhaps the first thing we should do in our assessment is to shake the patient’s hand.“

Literatur: