Fachthema

Möchten Sie einen Anruf vom Rauchfrei Telefon bekommen?

Das Rauchfrei Ticket – die einfache Anmeldung zur Tabakentwöhnung

Jatros, 07.09.2017

Autor:
MMag. Sophie Meingassner
Niederösterreichische Gebietskrankenkasse, St. Pölten
E-Mail: sophie.meingassner@noegkk.at

Pneumologie

„Ich hör auf, wenn ich weniger Stress habe … zu Silvester … wenn ich schwanger bin … wenn ich die Prüfung geschafft habe …“ Der Rauchstopp wird von vielen Rauchern oft jahrelang vor sich hergeschoben, Hilfe wird selten in Anspruch genommen.

Keypoints

  • Das Erfragen des Rauchverhaltens bei jedem Kontakt vermittelt die Wichtigkeit dieses Risikofaktors.
  • Eine klare Empfehlung des Rauchstopps motiviert und hilft, diesen auch tatsächlich umzusetzen.
  • Die unmittelbare Vermittlung zu einem Entwöhnangebot erleichtert den Patienten den Start in einen erfolgreichen Entwöhnprozess bis hin zum Rauchstopp.

Viele Raucher sind unzufrieden mit dem eigenen Rauchverhalten. Den Rauchstopp umzusetzen, dafür ist der Druck oder der Anreiz oft nicht groß genug. Ein Grund dafür ist, dass der Rauchstopp in vielen Fällen keine angenehme Vorstellung ist. Anders als bei anderen medizinischen Behandlungen ist das Therapieziel nicht mit positiven Aspekten wie Schmerzfreiheit, Wohlbefinden und Regeneration verbunden, sondern eher mit Verlust, Verzicht, Angst vor den Entzugserscheinungen und vor Misserfolg, oft auch mit einem schlechten Gewissen, da den meisten Rauchern bekannt ist, dass Rauchen schadet.

Im Kontakt mit Ärzten sprechen Raucher das Thema von sich aus selten an. Viele haben schon mehrere Rauchstoppversuche hinter sich, oft verbunden mit der Erfahrung von Entzugssymptomen und dem Misserfolgserlebnis, wieder rückfällig geworden zu sein. Auch die Sorge vor der Reaktion des Arztes kann eine Rolle dabei spielen, dass das Thema Rauchen nicht angesprochen wird. Viele Raucher schämen sich für ihr eigenes Rauchverhalten, schaffen den Ausstieg aber nicht. Das Wissen um die Schädlichkeit des eigenen Verhaltens („Ich weiß ja eh, ich sollte aufhören, es ist schädlich“), verringert ebenfalls die Motivation, das Thema anzusprechen.

Auch auf der Seite der Ärzte gibt es viele Gründe, warum das Rauchen im Patientenkontakt nicht regelmäßig angesprochen wird. Die Zeitressourcen sind gering, Interventionen zum Rauchen werden eher als Prävention denn als kurative Maßnahme gesehen, fallen also nicht in den unmittelbaren ärztlichen Aufgabenbereich. Zusätzlich werden Diagnostik und Beratung in Zusammenhang mit Tabakabhängigkeit meist nicht als Leistung refundiert. In der Berufsausbildung wird wenig Wissen zu dieser chronischen Suchterkrankung und dem Umgang damit vermittelt. Auch Frustration spielt eine Rolle: „Es bringt ja doch nichts ...“, „Ich hab’s ja schon einmal gesagt und er raucht noch immer ...“, „Sie muss ja wohl selber wissen, dass sie aufhören sollte …“

So bestehen sowohl auf ärztlicher Seite als auch auf der Seite der Patienten nachvollziehbare Gründe, das unangenehme Thema stillschweigend zu übergehen. Dabei ist die kurze ärztliche Ansprache des Rauchens in vielen Fällen bereits eine wirksame Intervention zur Entwöhnung.

Die Kurzansprache wirkt!

Eine einfache und praktikable Möglichkeit, die signifikant wirksam, jedoch stark unterschätzt ist, stellt die ärztliche Kurzansprache zum Rauchstopp dar.1, 2 Allein das Erfragen des Rauchverhaltens und die klare Empfehlung des Rauchstopps erhöhen die Motivation zum Rauchstopp und steigern die Abstinenzraten. Daher gibt es die Empfehlung der fünf As zur Kurzintervention: „Ask – advice – assess – assist –arrange“. Als noch praktikabler und effektiver, um Rauchern ein Entwöhnangebot zu machen, hat sich das Modell „Ask – advice – connect“ erwiesen.3

Ask
„Rauchen Sie?“ Das sachliche Erfragen des Rauchverhaltens braucht nicht viel Zeit. Im Idealfall erfolgt die Frage nach dem Rauchen bzw. nach der Anzahl der Zigaretten bei jedem Kontakt, da das Rauchen ein enorm wechselhaftes Verhalten sein kann. Das Erfragen signalisiert den Zusammenhang von Rauchen mit der körperlichen Situation. Das Nichtansprechen dagegen wird auf Patientenseite oft so interpretiert, dass das Rauchen keine Relevanz für den spezifischen Gesundheitskontext hat. Die Frage ermöglicht in weiterer Folge nicht nur die Empfehlung des Rauchstopps, sondern auch eine positive Rückmeldung bei erfolgtem Rauchstopp und bereichert so die Arzt-Patienten-Beziehung.

Advice
„Ich empfehle Ihnen den Rauchstopp!“ Diese klare und deutliche Empfehlung lässt weder Fragen offen noch Diskussionen um etwaige Zigarettenmengen zu. Damit erleichtert sie beiden Seiten den sachlichen und wertfreien Umgang mit einem wichtigen, vermeidbaren Risikofaktor. Keine Empfehlung zu geben wird gerne als Dulden des Rauchverhaltens interpretiert.

Connect
Die Hürde, Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist bei Rauchern aus oben genannten Gründen hoch. Die unmittelbare, konkrete und einfache Anmeldung bei einem Entwöhnangebot erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass professionelle Unterstützung bei der Behandlung der Sucht genutzt wird. Mit Hilfe gelingt der Rauchstopp eher. International bewährt haben sich für dieses Kooperationsmodell „Quitlines“ (telefonische Beratungsangebote zum Rauchstopp). Das Rauchfrei Telefon bietet dieses Modell seit vielen Jahren an.

Das Rauchfrei Ticket

Seit 2006 bietet das Rauchfrei Telefon – eine Initiative der Sozialversicherung, der Länder und des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen – österreichweit Beratung und Information zum Rauchstopp an. Seit Mai 2016 ist als Folge der Tabakprodukte- Direktive der EU neben den Warnbildern und -hinweisen auch die Nummer des Rauchfrei Telefons auf allen Zigarettenpackungen aufgedruckt. Aufgrund der daraus folgenden verstärkten Nachfrage sind nun drei Telefonleitungen werktags von 10 bis 18 Uhr besetzt. Ein Team von klinischen Psychologen berät umfassend und kompetent am Telefon unter 0800 810 013. Das kostenfreie Angebot beinhaltet neben der Telefonberatung auch eine Homepage (www.rauchfrei.at), die Rauchfrei App (www.rauchfreiapp.at) sowie Broschüren, Poster und Folder, die über die Homepage bestellt werden können.

Speziell für Ärzte gibt es das Kooperationsmodell „Das Rauchfrei Ticket“, mit dem Patienten direkt beim Rauchfrei Telefon angemeldet werden können. Das Modell hat sich seit 2008 unter den Titeln „Rauchfrei werden! Per Fax.“ und „Rauchfrei bleiben! Per Fax.“ bewährt. Nach einer grafischen und formalen Überarbeitung steht es seit Anfang 2017 in einer noch einfacheren und praktikableren Form zur Verfügung. Das Angebot wird sowohl von Institutionen als auch von niedergelassenen Ärzten gut angenommen. Auch Patienten vertrauen der Zuweisung: Rund 80% der angemeldeten Personen erreicht das Beratungsteam telefonisch.

Ablauf

Die Anmeldung zur Beratung der rauchenden und nicht mehr rauchenden Patienten kann mit Name und Telefonnummer über die Homepage, per E-Mail, Fax oder per Post erfolgen. Das Beratungsteam tätigt den Anruf innerhalb der nächsten Werktage und vereinbart einen Termin oder führt, falls vom Patienten gewünscht, sofort ein Beratungsgespräch (Abb. 1).

Die Anmeldung zur Beratung der rauchenden und nicht mehr rauchenden Patienten kann mit Name und Telefonnummer über die Homepage, per E-Mail, Fax oder per Post erfolgen. Das Beratungsteam tätigt den Anruf innerhalb der nächsten Werktage und vereinbart einen Termin oder führt, falls vom Patienten gewünscht, sofort ein Beratungsgespräch (Abb. 1). Erreicht das Beratungsteam die angemeldete Person (maximal drei Anrufversuche unter der bei der Anmeldung angegebenen Nummer, danach wird eine Nachricht hinterlassen), besteht das Angebot in der proaktiven Beratung zum Rauchstopp, die in der Regel nach einem anamnestischen Erstgespräch fünf Folgegespräche beinhaltet (Abb. 2).

Die Beratung zur Rückfallprophylaxe besteht aus zwei bis drei Gesprächen. Bei Bedarf und auf individuellen Wunsch führt das Beratungsteam auch mehrere Gespräche.

Vorteile des Kooperationsmodells

Das Rauchfrei Ticket bietet Ärzten eine einfache Möglichkeit, ihren Patienten eine konkrete, kostenfreie und evidenzbasierte Unterstützung zur Tabakentwöhnung und zur Rückfallprophylaxe anzubieten und damit den Rauchstopp zu erleichtern.

Für Raucher ist es hilfreich, wenn die Anmeldung beim Rauchfrei Telefon über den Arzt erfolgt und sie den Anruf nur mehr entgegennehmen müssen. Die Hürde, selber anzurufen, wird dadurch genommen. Wir erleben am Telefon, dass es für die Motivation und den Erfolg der Entwöhnung nicht unbedingt ausschlaggebend ist, dass Patienten sich selber zur Beratung anmelden. Viel wichtiger erscheinen die Ansprache des Themas Rauchen und die Aufforderung zum Rauchstopp durch die ärztliche Autorität.

Fazit

Obwohl die Diagnostik und die Behandlung der chronischen Tabakabhängigkeit in unserem Gesundheitssystem noch keinen entsprechenden Stellenwert haben, zahlt sich die Kurzansprache aus, denkt man an den enormen Nutzen eines Rauchstopps für die individuelle Gesundheit und die der unmittelbaren Umgebung des Patienten. Die Kurzansprache ist wirksam und erhöht die Abstinenzraten. In Verbindung mit der Weitervermittlung zu einem konkreten Entwöhnangebot kann die Wahrscheinlichkeit der Rauchfreiheit deutlich gesteigert werden.
Der Rauchstopp Ihrer Patienten ist eine wichtige Maßnahme in der Behandlung und Prävention vieler verschiedener Erkrankungen. Es gibt wirksame, evidenzbasierte und verfügbare Angebote, die Sie dafür nutzen können. Sprechen Sie das Thema an und empfehlen Sie den Rauchstopp – das allein kann bereits wirken.

Literatur: