Fachthema

Mammakarzinom

Neue Diagnose- und Therapieoption

Jatros Digital, 14.02.2017

Autor:
Dr. Corina Ringsell
Gynäkologie & Geburtshilfe

Bei der Radionuklidtherapie gibt es eine vielversprechende Therapieoption: Somatostatinrezeptor-Antagonisten. Bislang wurden sie nur bei neuroendokrinen Tumoren eingesetzt, doch sie könnten auch bei anderen Krebsarten wirksam sein.

Somatostatinrezeptoren, besonders SST2, spielten bisher vor allem bei den seltenen neuroendokrinen Tumoren (NET) eine Rolle, da sie auf der Oberfläche dieser Tumorzellen vermehrt exprimiert werden. Daher können Somatostatinanaloga, die mit einem Radionuklid gekoppelt sind, zur Diagnose und Therapie der NET genutzt werden.

Andere Tumoren exprimieren zwar auch Somatostatinrezeptoren, allerdings in so geringer Zahl, dass die Analoga nicht wirksam sind. Eine bessere Option sind Somatostatinrezeptor-Antagonisten, denn sie binden an eine deutlich höhere Zahl von Rezeptoren, wie Wissenschaftler der Universität Bern feststellten. Die Gruppe um Prof. em. Jean Claude Reubi vom Institut für Pathologie konnte erstmals nachweisen, dass die Antagonisten in vitro auch gegen andere Krebsarten wie Brustkrebs wirksam sind. Im Vergleich zu Rezeptor-Agonisten dockten die Antagonisten besser an die Oberflächenrezeptoren von Mammakarzinomzellen an. Ebenfalls erfolgreich waren die Versuche mit Non-Hodgkin-Lymphomen, Nierenzell- und Schilddrüsenkarzinomen. Die Resultate wurden im „Journal of Nuclear Medicine“ publiziert.

In einer Presseerklärung der Universität Bern sagt Reubi: „Dies ist die erste quantitative Studie, die in vitro belegt, dass Somatostatinrezeptor-Antagonisten bei nicht endokrinen Tumoren – wie Brust- oder Nierenzellkrebs – besser wirken als Agonisten. Wir können davon ausgehen, dass diese häufigen Krebsarten, für deren Therapie die Agonisten bisher nicht als geeignet betrachtet wurden, nun mittels Antagonisten in vivo erfolgreich bekämpft werden könnten.“


Das Bild zeigt die von einem Antagonisten gemessene Menge an SST2-Rezeptoren (A) in einem Brustkrebstumor (I) und einem Nierenzellkarzinom (II) im Vergleich zum Agonisten (B)

Literatur: