JATROS Pneumologie & HNO 2018/2

Referat Funktion wird auf den Baustellen streng überprüft. Selbst Schiffe und Dieselloks der Schweiz wurden nachgerüstet. So kann unser Nachbar den PM 2,5 -Grenzwert von 12,5µg/m³ vermutlich bald einhalten, während wir bei doppelt so hohen Grenz­ werten Überschreitungen verzeichnen müssen. Die WHO hat 2017 darauf hinge­ wiesen, dass selbst ihr Grenzwertvor­ schlag von 10µg/m³ die Gesundheit nicht ausreichend schützt. Israel wird ab 10/2018 Lkw ohne Filter bei den jähr­ lichen Kontrollen aus dem Verkehr ziehen, auch in anderen Ländern wurden insge­ samt bereits bald zwei Millionen Partikel­ filter nachgerüstet. Die bei uns mangelnde Nachrüstung al­ ler viel und noch lange im Betrieb stehen­ den Schwerfahrzeuge etc. führt zu einem direkten Gesundheitsschaden von mindes­ tens 10 Cent pro Liter und dem Doppelten durch Produktionsverlust in der Wirt­ schaft. Ein zweiter Aspekt ist beim Diesel besonders ärgerlich: die steuerliche Be­ günstigung (in Österreich 8 Cent pro Liter). Würden wir CO 2 -Steuern wie in Schweden oder British Columbia einführen (was den momentanen Klimaschaden von 80 Euro pro Tonne abbildet), müssten pro Liter Diesel 21 Cent zusätzlich abgeführt wer­ den, da pro Liter 2,6kg CO 2 entstehen. Sehr langfristig wird mit bis zu 500 Euro Schaden pro Tonne CO 2 gerechnet. Weitere Dieselskandale sind die größe­ re Lärmerregung im Bereich von Wohn­ straßen und der Zusatz von Palmöl, der in Österreich die Menge erreicht, die in Le­ bensmitteln verarbeitet wird. Palmöl ist das Fett mit dem geringsten Bodenver­ brauch und kann nachhaltig gewonnen werden, auch wenn das in der Praxis heu­ te noch selten erfolgt. Für eine kaum sau­ berere Verbrennung in Motoren und Kraft­ werken sind unsere Lebensmittel viel zu schade (von der Menge Mais, die eine Tank­ füllung Ethanol ergibt, kann man ein Jahr lang leben) und zukünftig zu knapp. Ein weiterer Skandal sind die Zerstörung von Partikelfiltern und der Einbau von sogenannten Emulatoren, die den Harn­ stoffverbrauch stark reduzieren und damit die Stickoxidbelastung vervielfachen. Den eingesparten Kosten steht ein Vielfaches an Schäden an der Allgemeinheit gegen­ über. Mit Benzin, Kerosin, Heizöl und ande­ ren Ölprodukten teilt Diesel auch die mi­ litärischen Kosten. Der Großteil der außer­ halb der USA positionierten Streitkräfte ist in und um die Öllieferländer statio­ niert, die USA importieren immer noch die Hälfte ihres Bedarfes. Das soll zu Kosten von 10 bis 100 Cent pro Liter führen. Arbeitsmediziner sind gewohnt, Rat­ schläge an Kosten-Nutzen-Überlegungen auszurichten. In diesem Fall bedeutet das eine Nachrüstung intensiv genutzter Schwerfahrzeuge mit Filtern – evtl. durch eine Anpassung der Mineralölsteuer auf Diesel finanziert. Die Elektromobilität ist als Teil der Energiewende zu bejahen, der Schwerpunkt sollte zunächst auf Zweirä­ dern liegen, da hier mit wenig Geld auch Lärm eingespart werden kann. Natürlich wissen wir um die Bedeutung von Hausbrand und die Wichtigkeit von Alltagsbewegung. Prävention kommuni­ ziert jedoch dann besonders effektiv, wenn sie Bewusstseinsfenster nutzt wie die Dieseldiskussion, die derzeit an der Gesundheit vorbeigeführt wird. Eine Software, die niedrige Werte vor­ täuscht, ist ein schwerer Betrug. Kaum ein Hersteller kann die NO 2 -Grenzwerte ohne teure Technik zur Stickstoffminimierung (selektive katalytische Reduktion, SCR) einhalten. Die Stickoxide sind problema­ tisch wegen ihres Beitrags zur Überdün­ gung, zur Entstehung von Ozon in trocke­ ner Hitze, wie sie in kommenden heißen, niederschlagsarmen Sommern wieder zum Problem werden könnte – besonders für Lungenkranke, die die Hitze schlecht vertragen. Aber die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP) forderte auf ihrer Pressekonfe­ renz am 7. März 2018 ein, sich dem ge­ fährlicheren Feinstaub zu widmen. Es ist Unsinn, viel Geld in die Reduktion eines gesundheitlich wenig relevanten Stoffes zu investieren, wenn hocheffizient der Hauptschädiger beseitigt werden kann. n Autor: Dr. Heinz Fuchsig Arbeits- und Umweltmedizin, Baubiologe (IBO) Wissenschaftlicher Leiter des Kurses Umweltmedizin der ÖÄK, Innsbruck E-Mail: h.fuchsig@ikbnet.at n 07 Abb. 1: Vergleichsmessungen NO x , Dresden, Schleswiger Platz (29. 1. bis 5. 2. 2007) Abb. 2: : Mutagenität der Abgaspartikulate von Euro-III-, -V- und -VI-Pkw (Quelle: IPA, Prof. Bünger) Partikelanzahl cm 3 Partikelanzahl cm 3 NO x inµg m –3 NO x inµg m –3 Mutationen 30000 25000 20000 15000 10000 5000 0 30000 25000 20000 15000 10000 5000 0 350 300 250 200 150 100 50 0 100 90 80 70 60 50 40 30 20 10 0 © UNIVERSIMED ® © UNIVERSIMED ® Eingangsmessung Eingangsmessung Eingangsmessung Euro-III Euro-V Euro-VI Mo. 29. 1. 0 100 200 300 y = 87,43x R 2 = 0,83 Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. Mo. 29. 1. DFB5 DFB5 DFB5 R33 R33 R33 UFP 20–500nm NO x TA98 TA98 +59 Umweltmedizin 38 Pneumologie & HNO 2 /2018

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