JATROS Kardiologie & Gefäßmedizin 2018/2

Kardiologie & Gefäßmedizin 2 /2018 23 Kardiologie-Kongress Innsbruck Herzinsuffizienz Unterschiedliche Patientenkollektive Um die Umstellung auf den ARNI vor- nehmen zu können, sollte der Patient laut den aktuellen Guidelines den ACE-Hem- mer toleriert haben, eine Herzinsuffizienz im Stadium NYHA II oder höher vorliegen, das NT-proBNP über 600pg/ml bzw. bei vorangegangener Hospitalisierung aufgrund der Herzinsuffizienz über 400pg/ml sein. Diese Kriterien orientieren sich an den Einschlusskriterien der PARADIGM-HF- Studie, die zur Zulassung von Sacubitril/ Valsartan geführt hat. 3 Die Studie hat ge- zeigt, dass Sacubitril/Valsartan die kar- diovaskuläre und die Gesamtmortalität sowie das Risiko für Hospitalisierung we- gen Herzinsuffizienz im Vergleich zu Enalapril signifikant reduziert. Dass Sacubitril/Valsartan auch eine Option für die mittlerweile 74-jährige Frau S. ist, zeigt eine Subgruppenanalyse der PARADIGM-HF-Studie, wonach Pati- enten in allen Altersstufen von der Um- stellung profitieren. 4 Patienten über 65 Jahre haben unter Sacubitril/Valsartan im Vergleich zu Enalapril eine um 1,3 Jahre höhere Lebenserwartung. 5 PARADIGM-HF hat darüber hinaus ge- zeigt, dass Patienten mit gering ausge- prägter Symptomatik (NYHA I oder II) besonders von der Behandlung mit Sacu- bitril/Valsartan profitieren. 6 Die Autoren schließen daraus, dass die Empfehlung, mit der Umstellung von einer konventio- nellen RAS-Blockade auf den ARNI bis zur klinisch manifesten Dekompensation oder Instabilität zu warten, aufgrund dieser Daten nicht gerechtfertigt ist. In Bezug auf Rehospitalisierung haben Subgruppenanalysen gezeigt, dass in der Gruppe mit Sacubitril/Valsartan sowohl nach 30 als auch nach 60 Tagen weniger Wiederaufnahmen erforderlich waren als im Enalapril-Arm. 7 „Die signifikant niedri- gere Rehospitalisierungsrate nach 30 Ta- gen zeigt, dass die Wirkung von Sacubitril/ Valsartan rasch einsetzt“, so Goliasch. Praktische Aspekte Die Startdosis von Sacubitril/Valsartan (Entresto®) beträgt 49/51mg zweimal täg- lich (1–0–1). Bei Umstellung von einem ACE-Hemmer ist eine 36 Stunden dauern- de Wash-out-Phase zu beachten. Nach zwei Wochen sind eine klinische Kontrol- le sowie Blutdruck- und Laborkontrolle (Nierenfunktion, Kalium) erforderlich, worauf die Steigerung auf die Zieldosis von 97/103mg zweimal täglich erfolgen kann. Nach vier bis sechs Wochen sollte eine neuerliche Kontrolluntersuchung durchgeführt werden. Die Analyse der PARADIGM-HF-Daten hat auch ergeben, dass das Hyperkaliä- mierisiko von mit einem MRA behandel- ten Patienten unter Sacubitril/Valsartan geringer als unter Enalapril ist. 8 „Bei grenzwertigen Kaliumwerten reduzieren wir die MRA-Dosis und wechseln von ei- nem RAS-Blocker auf Sacubitril/Valsar- tan, um unter Ausnutzung des günstigen Kaliumprofils die MRA-Dosis wieder erhö- hen zu können“, berichtet Goliasch. 0,9% der Patienten unter Sacubitril/ Valsartan und 0,7% im Enalapril-Arm ent- wickelten eine Hypotension, die zum The- rapieabbruch führte. 3 Goliasch betont, dass er dieses Problem in der klinischen Praxis noch nicht beobachtet hat. Seit kur- zem gibt es eine Subgruppenanalyse der PARADIGM-HF-Studie, die einen deutli- chen Benefit hinsichtlich der Nierenfunk- tion zeigt. 9 Letztlich konnte auch gezeigt werden, dass Sacubitril/Valsartan bei Patienten mit ventrikulären Arrhythmien das Risiko für plötzlichen Herztod im Vergleich zu Enalapril senkt. 10 So fand die Empfehlung, Herzinsuffizienzpatienten mit ventrikulä- rer Tachyarrhythmie mit einem Betablo- cker, MRA und Sacubitril/Valsartan zu behandeln, Eingang in die aktuellen ESC- Guidelines. 3 n Bericht: Mag. Harald Leitner Quelle: 20. Kardiologie-Kongress Innsbruck, Symposium „Frau Stadler lebt. War Entresto im Spiel?“ der Firma Novartis, 9. März 2018, Innsbruck Literatur: 1 Ponikowski P et al.: Eur Heart J 2016; 37(27): 2129-200 2 McMurray JJ et al.: Eur J Heart Fail 2012; 14(8): 803-69 3 McMurray JJ et al.: N Engl J Med 2014; 371(11): 993-1004 4 Jhund PS et al.: Eur Heart J 2015; 36(38): 2576-84 5 Claggett B et al.: N Engl J Med 2015; 373(23): 2289-90 6 Solomon SD et al.: JACC Heart Fail 2016; 4(10): 816-22 7 Desai AS et al.: J Am Coll Cardiol 2016; 68(3): 241-8 8 Desai AS et al.: JAMA Cardiol 2017; 2(1): 79-85 9 Dam- man K et al.: JACC Heart Fail 2018; pii: S2213-1779(18) 30134-3 10 Desai AS et al.: Eur Heart J 2015; 36(30): 1990-7 Entgeltliche Einschaltung der Firma Novartis Pharma GmbH 05/2018, AT1805825005 | Fachkurzinformation siehe Seite 36 Dr. Christian Ebner mit der Patientin Frau S. (dargestellt durch eine Schauspielerin): Angeschwollene Beine sind eines der Kriterien für eine Herzinsuffizienz

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