JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

Kongress Post-SABCS Neues vom SABCS 2017 Fokus metastasiertes ER + -Mamma­ karzinom, „liquid biopsy“ und Prädiktion Wie jedes Jahr ist die San Antonio Breast Cancer Conference (SABCS) ein Höhepunkt in der Brustkrebsforschung. Im folgenden Artikel werden die aus meiner Sicht wichtigsten Präsentationen aus dem Bereich der Lebensstilfaktoren des metastasierten hormon­ rezeptorpositiven Mammakarzinoms, der zirkulierenden Marker sowie aus Prognose und Prädiktion vorgestellt. Lebensstilfaktoren Übergewicht ist ein nachgewiesener Risikofaktor für die Entstehung von Mam- makarzinomen bei postmenopausalen Frauen. Die bisherige Studienlage zum Einfluss einer Gewichtsreduktion und dem Brustkrebsrisiko ist inkonsistent. In San Antonio wurde eine Analyse der „Women ’ s Health Initiative“(WHI)-Obser- vationsstudie präsentiert. 1 In diese Aus- wertung wurden insgesamt 61 335 Frauen inkludiert, 3061 davon erkrankten an ei- nem Brustkrebs. Der Body-Mass-Index (BMI) wurde zu Beginn der Observation sowie nach 3 Jahren erfasst. Als Gewichts- zunahme war eine Zunahme von mind. 5% des BMI definiert, als Gewichtsabnah- me eine Reduktion des BMI um mind. 5%. Verglichen mit Frauen mit stabilem BMI hatten Frauen mit einer Gewichtsabnahme ein statistisch signifikant reduziertes Brustkrebsrisiko in der Multivariatanalyse (HR: 0,77; 95% CI: 0,78–0,98), unabhän- gig davon, ob die Gewichtsabnahme ge- wollt oder ungewollt auftrat. In der Grup- pe der Frauen mit einer Gewichtszunahme traten statistisch signifikant mehr tripel- negative Mammakarzinome auf (HR: 1,54; 95% CI: 1,16–2,05), das Gesamtrisi- ko für Mammakarzinome war in dieser Gruppe jedoch vergleichbar mit Frauen mit einem stabilen Gewicht. Metastasiertes hormonrezeptor­ positives Mammakarzinom Des Weiteren wurden beim SABCS 2017 die Resultate der MONALEESA- 7-Studie präsentiert. 2 In dieser randomi- sierten Phase-III-Studie wurden Ribociclib oder Placebo in Kombination mit einer endokrinen Therapie bei prämenopausa- len Frauen mit einem metastasierten HER2-negativen hormonrezeptorpositiven Mammakarzinom getestet. Als endokrine Therapie konnte zwischen Tamoxifen oder einem nichtsteroidalen Aromatasehem- mer, jeweils in Kombination mit Goserelin, gewählt werden. Insgesamt wurden 627 Patientinnen in diese Studie inkludiert. Die Frauen konnten mit bis zu einer Che- motherapielinie vorbehandelt sein, muss- ten jedoch für die metastasierte Erkran- kung endokrin naiv sein. Durch die Hin- zugabe des CDK4/6-Inhibitors wurde das progressionsfreie Überleben (PFS), der primäre Endpunkt dieser Studie, von 13,0 auf 23,8 Monate verlängert (HR: 0,55; p<0,001) (Abb. 1). Dieser positive Effekt zeigte sich in allen vordefinierten Sub- gruppen, unabhängig vom endokrinen Kombinationspartner. Auch die Ansprech- rate war mit 51% höher im Vergleich zur Kontrollgruppe mit 36%. In der Toxizitäts- analyse gab es keine neuen Sicherheitshin- weise. Diese Ergebnisse bestätigen den klaren Stellenwert von CDK4/6-Inhibito- Keypoints ●● Eine Gewichtsreduktion redu- zierte das Brustkrebsrisiko bei postmenopausalen Frauen in der „Women ’ s Health Initiative“- Observationsstudie signifikant. ●● Die Wirksamkeit von Ribociclib (CDK4/6-Inhibitor) in Kombina- tion mit einer endokrinen Erst­ linientherapie wurde bei prä- und perimenopausalen Patien- tinnen in der MONALEESA- 7-Studie gezeigt. ●● Der klinische Therapiescore CTS5 erlaubt mit einfachen ver- fügbaren Parametern das Spät- rezidivrisiko bei Frauen mit einem adjuvant endokrin behandelten Hormonrezeptor- positiven Brustkrebs abzu­ schätzen. Abb. 1: Progressionsfreies Überleben in der MONALEESA-7-Studie (nach Tripathy D et al.) 2 PFS (%) 100 80 60 40 20 0 ©UNIVERSIMED ® Zeit (Monate) 0 2 4 6 8 10 12 14 16 18 20 22 24 26 28 30 HR: 0,553 (95% CI: 0,441–0,694) p=0,0000000983 Medianes PFS, Monate (95% CI) Ribociclib + tam/NSAI (n=335) 23,8 Placebo + tam/NSAI (n=337) 13,0 52 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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