JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

SABCS 2017: Pathologie From bench to bedside: neue Therapie­ ansätze auf molekularbiologischer Basis Beim letztjährigen San Antonio Breast Cancer Symposium wurden zahlreiche neue Therapieansätze im Rahmen von präklinischen und klinischen Studien präsentiert. Bei vielen konnte man die Entwicklung der Behandlungskonzepte von der Laborbank bis zum Patientenbett nachvollziehen. SUCCESS A: Negativstudie zur verlängerten Gabe von Zoledronsäure Einen der meisterwarteten Beiträge hat Wolfgang Janni aus Ulm über die SUC- CESS-A-Studie präsentiert. Die Phase-III- Studie ging der Frage nach, ob nach adju- vanter Chemotherapie bei Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko die verlängerte Gabe von Zoledronsäure über 5 anstatt 2 Jahren die Prognose verbessern kann. Für die Studie war ein 2x2-Design gewählt worden: Zur chemotherapeutischen Be- handlung wurden die Patientinnen in zwei Arme randomisiert. Im Kontrollarm wurde standardmäßig mit einem Anthrazyklin- und Taxan-haltigen Schema behandelt, ergänzt durch Gemcitabin im experimen- tellen Arm. Nach Beendigung der Chemo- therapie wurden die Teilnehmerinnen erneut randomisiert und erhielten für 2 bzw. 5 Jahre Zoledronsäure. Obwohl die Studie einzelne Schwach- stellen, wie z.B. die insgesamt niedrige Rezidivrate, aufwies, konnten wertvolle Konklusionen aus den Ergebnissen gezo- gen werden: Die Verlängerung der Zole­ dronsäure-Therapie brachte in allen ana- lysierten Subgruppen keine Verlängerung des krankheitsfreien oder Gesamtüberle- bens. Im experimentellen Arm traten zu- dem mehr unerwünschte Medikamenten- nebenwirkungen auf. So verdoppelte sich die Rate an Kieferosteonekrosen nach 5 Jahren Zoledronsäure-Gabe. Ein experi- menteller sekundärer Endpunkt der Studie war der Nachweis zirkulierender Tumor- zellen 5 Jahre nach Chemotherapie. Auch in dieser Hinsicht war das Ergebnis der Studie negativ, es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen den beiden Thera- piearmen. Multigenomische Assays Nach etlichen Forschungsbeiträgen in den vergangenen Jahren wurde es beim 40. San Antonio Breast Cancer Symposi- um still um multigenomische Assays. Ein einziger Beitrag dazu wurde in einer der Plenarsitzungen präsentiert; in diesem berichtete Peter Dubsky über die Effizienz des EndoPredict-Tests zur Vorhersage des Therapieansprechens im Rahmen der neo- adjuvanten ABCSG-34-Studie. In seiner Analyse waren alle Patientinnen mit Östrogenrezeptor(ER)-positiven Tumoren erfasst, die im Rahmen der ABCSG- 34-Studie eine neoadjuvante endokrine Therapie oder Chemotherapie erhalten hatten. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass der EndoPredict-Test in der Lage ist, das Therapieansprechen nach der „Residual cancer burden“-Methode vorher- zusagen. Bei Patientinnen mit Luminal-A- Keypoints ●● Die Verlängerung einer adjuvan- ten Gabe von Zoledronsäure von 2 auf 5 Jahre nach adjuvanter Chemotherapie brachte keine Ver- längerung des krankheitsfreien und des Gesamtüberlebens; es kam zu einer erhöhten Toxizität und infolgedessen zu Kieferosteo- nekrosen im experimentellen Arm. ●● Der multigenomische Assay Endo- Predict war in der Lage, die Effizi- enz einer neoadjuvanten endokri- nen Therapie und einer Chemothe- rapie bei Patientinnen mit lumina- len Tumoren in der ABCSG-34-Stu- die vorherzusagen. Sowohl im Arm mit der endokrinen Therapie als auch im Chemotherapie-Arm konn- ten Patientinnen identifiziert wer- den, die kein adäquates Anspre- chen auf die Therapie zeigten. ●● „Selective estrogen receptor cova- lent antagonists“ (SERCAs) könnten eine durch ER-Mutationen verur- sachte Resistenz gegen Aroma- tase-Inhibitoren überwinden. ●● Der zellbasierte „homology- directed repair assay“, entwickelt durch die Mayo Clinic, ist in der Lage, BRCA2-Mutationen mit bis- her unbekannter Signifikanz in Hinblick auf ihr Risiko für die Karzi- nogenese genau einzustufen. ●● Die lobuläre Neoplasie/Carcinoma lobulare in situ (LCIS) konnte auch molekulargenetisch als eine Vor- stufe invasiv-lobulärer Mammakar- zinome identifiziert werden. ●● Die intratumorale Heterogenität betrifft einen Teil der Mammakar- zinome, wobei alle Subtypen ver- treten sind. Punktmutationen ent- wickeln sich schrittweise, während Veränderungen der Genkopienan- zahl schubweise auftreten. Dr. Zsuzsanna Bago-Horvath © Nicole Heiling Kongress Post-SABCS 50 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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