JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

Update Chemotherapie, zielgerichtete Therapien und Immuntherapie bei metastasiertem Brustkrebs Im Rahmen des San Antonio Breast Cancer Symposium 2017 wurden auf den Gebieten der Chemotherapie, der zielgerichteten Therapien sowie der Immuntherapie Ergebnisse einer Reihe von klinisch relevanten Studien präsentiert. Diese Daten wurden am 5. Post-SABCS in Wien referiert und eine Auswahl davon soll im Rahmen dieses Artikels vorgestellt werden. Dosisdichte und/oder sequenzielle Verabreichung der adjuvanten Chemotherapie Bereits mehrere Studien konnten zei- gen, dass die Verabreichung einer adju- vanten Chemotherapie in Standarddosie- rung, aber engeren Intervallen (dosis- dicht) mit einer Verbesserung der Wirk- samkeit gegenüber konventioneller drei- wöchentlicher Therapie verbunden ist. Auch scheint es von Vorteil, wenn die einzelnen Medikamente sequenziell in maximaler Dosierung statt parallel in niedriger Dosierung verabreicht werden. 1 Die Early Breast Cancer Trialists’ Colla- borative Group (EBCTCG) präsentierte nunmehr Daten einer Metaanalyse von 25 Studien, die dosisdichte und/oder sequen- zielle Chemotherapieregime mit einer konventionellen Behandlung verglichen. 2 Insgesamt wurden Daten von 34 122 Pati- enten in die Analyse aufgenommen. Kon- sistent zeigte sich eine signifikante Ver- minderung der Rückfallrate und der Brustkrebs-spezifischen Mortalität in den experimentellen Armen. In einer gepool- ten Analyse aller 25 Studien fand sich da- rüber hinaus eine Verminderung der Ge- samtmortalität in einem vergleichbaren Ausmaß (RR: 0,87; 95% CI: 0,82–0,91; 10-Jahres-Verbesserung 3,0% absolut). Dies impliziert, dass trotz einer aggressi- veren Therapie kein Anstieg an alternati- ver Mortalität zu erwarten ist. Somit stellen dosisdichte und sequen- zielle Konzepte einen möglichen Behand- lungsstandard dar, die Frage nach der generellen Übertragbarkeit dieser Daten auf alle adjuvanten Regime muss jedoch offenbleiben, weshalb speziell bei Einsatz von Docetaxel statt Paclitaxel auch weiter- hin konventionellen Therapiekonzepten eine wesentliche Bedeutung zukommt. GeparSepto Wiederholt konnte gezeigt werden, dass das Erreichen einer pathologischen Kom- plettremission nach neoadjuvanter Chemo- therapie auf individueller Patienten- ebene mit einer verbesserten Langzeit- überlebensrate korreliert. Ein vergleichba- rer Zusammenhang auf Studienebene konnte jedoch bislang nicht schlüssig be- wiesen werden. Die GeparSepto-Studie der German Breast Group (GBG) unter- suchte den Ersatz von konventionellem Paclitaxel durch Nanopartikel-Albumin- gebundenes (nab) Paclitaxel als Teil einer neoadjuvanten Chemotherapie. Wie schon berichtet, war im nab-Paclitaxel-Arm eine signifikante Steigerung der pCR-Rate zu beobachten, wobei der Effekt bei tripelne- gativen Tumoren besonders deutlich war. 3 Nunmehr wurden Daten zum erkran- kungsfreien Überleben präsentiert. 4 Dabei zeigte sich im nab-Paclitaxel-Arm in Ana- logie zur höheren pCR-Rate eine Vermin- derung des Rückfallrisikos um absolut 6,4% (HR: 0,69; 95% CI: 0,54–0,89). Der Vorteil für nab-Paclitaxel war in allen Sub- gruppen zu beobachten, fiel jedoch beson- ders deutlich bei Tumoren mit niedriger Proliferationsrate aus, sodass hier ein Ef- fekt der überlegenen Chemotherapie auch jenseits der pCR zu vermuten ist. In Summe suggerieren diese Daten so- mit auch, dass Patientinnen mit hormon- rezeptorpositiver Erkrankung nicht per se von Studien zur neoadjuvanten Chemothe- rapie ausgeschlossen werden sollten. HER2-positiver Brustkrebs SOLD ist mittlerweile die dritte Studie, die untersuchte, ob eine verkürzte adju- Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Rupert Bartsch © Nicole Heiling Kongress Post-SABCS 48 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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