JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

E. F. Karpf, Graz M. Häusler, Graz Referat Pathologie in Schwangerschaft und Perinatalperiode Das Zusammenwirken der drei Faktoren „Mutter, Plazenta und Kind“ macht die Zeit der Schwangerschaft und Geburt zu einer höchst vulnerablen Periode im Leben des Menschen und bei pathologischen Veränderungen zu einer interdisziplinären Herausforderung. Die klinischen Spezialdisziplinen wie Pränataldiagnostik, insbesondere pränatale Bildgebung, Humangenetik, Neonatologie, ggf. Kinderchirurgie und die Pathologie arbeiten zusammen, um eine bestmögliche Diagnostik, Therapie und weiterführende Beratung zu ermöglichen. I n der folgenden Zusammenstellung wer- den die Aufgaben und die Zielsetzung dieses Spezialgebietes der Pathologie an- hand von Beispielfällen von frühen Abor- ten bis zum Wochenbett präsentiert 1. Trimenon Bei Aborten des 1. Trimenons gelangt Curettagematerial zur Einsendung, das nur in Ausnahmefällen einen erhaltenen Embryo und häufig keinerlei Fruchtantei- le aufweist. Die pathologische Untersuchung dient dem Nachweis der intrauterinen Gravidi- tät, kann einen Hinweis auf chromosoma- le Anomalien des Kindes geben und soll die Mutter gefährdende Pathologien wie Partialmole („partial hydatidiform mole“), Blasenmole („complete hydatidiform mo- le“) oder Chorionkarzinom ausschließen. Eine Molenplazenta ist sonografisch be- reits im ersten Trimenon sichtbar und im voll entwickelten Stadium auch am Mak- ropräparat (Abb. 1). Zur weiteren Diffe- renzierung ist die histologische Untersu- chung nötig, die durch Flowzytometrie oder FISH-Untersuchung eine Partialmole nachweisen kann und durch eine immun- histochemische Untersuchung mit Anti- körpern gegen p57Kip2 die Blasenmole. Beide Molen zeigen im Gegensatz zum Chorionkarzinom eine Wahrscheinlichkeit von unter 20%, eine persistierende tro- phoblastäre Erkrankung nach sich zu zie- hen. Dennoch sind von klinischer Seite bei dieser Diagnose regelmäßige Nachkontrol- len des postabortalen β-HCG-Spiegels nö- tig, um eine „gestational trophoblastic disease“ (GTD) auszuschließen. Die Pränataldiagnostik unterzieht das Kind bereits im ersten Trimenon einer in- tensiven sonografischen Untersuchung, dem „Ersttrimesterscreening“, das von Prof. K. Nicolaides in London entwickelt, standardisiert und erweitert wurde. Die Untersuchung der Nasenbeinossifikation und die Messung der Nackendichte/-trans- parenz geben erste Hinweise z.B. auf eine Trisomie 21 (Abb. 2). Durch eine Chori- onzottenbiopsie kann diese genetisch ve- rifiziert werden. Auch ein häufig mit Trisomie 21 ein- hergehender Herzfehler kann sonogra- Schwangerschaft Abb. 1: Molenplazenta Abb. 2: Dorsonuchales Ödem, 13. Schwangerschaftswoche Abb. 3: Exenzephalie, Sagittal- schnitt, 14. Schwangerschaftswoche Abb. 4: Anencephalus, 15. Schwangerschaftswoche Keypoints ●● Die Schwangerschaftspatholo- gie hat als Aufgabe, Aborte best- möglich abzuklären, die Ursache eines intrauterinen Fruchttodes herauszufinden und Fehlbildun- gen zu diagnostizieren. ●● Nach medizinisch indizierten Abruptiones/Fetoziden ist die Obduktion von Fehl- und Totge- borenen als Qualitätskontrolle zur Verifikation und Präzisierung von Fehlbildungen unerlässlich. ●● Die pathologische Aufarbeitung der Plazenta ist bei mütterlichen Erkrankungen wie Diabetes mellitus und kindlichen Erkran- kungen wie intrauteriner Wachs- tumsretardierung bedeutsam. ●● Die Perinatalpathologie beschäf- tigt sich mit Frühgeburtlichkeit und der Analyse bei subpartalem Exitus. Dies und die Aufarbeitung von postpartalen Hysterekto- mien bilden ein Grenzgebiet zur Forensik, besonders in heutiger Zeit. 32 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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