JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

Stellungnahme Infektionen Genitale Chlamydia- trachomatis-Infektionen in der Schwangerschaft Klinik und Diagnostik der Zervizitis durch Chlamydien in der Schwanger- schaft entsprechen jenen bei Nicht- schwangeren. Die Infektion der Zervix, womöglich auch die chronische präkon- zeptionelle Endometritis, stellt ein nicht unerhebliches Risiko für den Ausgang der Gravidität und für das Neugeborene dar. Auch wenn die Rolle einer Chlamy- dien-Infektion bei der Entstehung einer Frühgeburt nicht restlich geklärt ist, stellt die hohe Übertragungsrate von 2/3 der exponierten Neugeborenen einen nicht unwesentlichen Faktor perinataler Morbidität dar; in 18–50% der Fälle tritt postpartal eine Einschlusskörperchen- konjunktivitis und in 11–18% eine atypi- sche Pneumonie auf. Otitis media und eine Infektion des Nasopharynx wurden ebenfalls beobachtet. Die Übertragungs- rate ist bei vaginaler Geburt am höchs- ten, eine Infektion des Neugeborenen kommt aber auch bei Sectio nach Blasen- sprung und selbst ohne dieses Ereignis vor. Eine erst post partum bekannt ge- wordene Chlamydien-Infektion der Mut- ter sollte den Pädiatern mitgeteilt wer- den. Im Wochenbett oder nach Abort entwickelt ein Teil der mit Chlamydien infizierten Frauen eine späte postpartale Endometritis. Eine in der Schwanger- schaft oder während der Geburt vor­ liegende Chlamydien-Infektion kann darüber hinaus im Verlauf eine tubare Sterilität und eine ektope Gravidität ver- ursachen. Die OEGGG empfiehlt in Überein- stimmung mit der deutschen S2k- Leitlinie (AWMF) eine Testung auf Chlamydien bei: 1. asymptomatischen sexuell aktiven Frauen <25. Geburtstag im Rahmen der jährlichen Früherkennungsuntersu- chung 2. asymptomatischen Frauen mit anam- nestischen Risiken zwischen dem 25. und 30. Geburtstag (neuer bzw. meh- rere Sexualpartner, vordiagnostizierte STD einschließlich behandelter Chla- mydien-Infektion etc.) 3. symptomatischen Frauen mit z.B. mitt- zyklischen oder postkoitalen Blutun- gen, unklaren Unterbauchschmerzen, einem auffälligen Nativpräparat mit Leukozytose, putridem zervikalem Aus- fluss, Zeichen einer Zystitis bzw. Ure- thritis mit Leukozytose im Urin, aber ohne signifikanten Bakteriennachweis 4. schwangeren Frauen im Rahmen der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen im 1. oder 2. Trimenon Bei Diagnose einer Chlamydien-Infek- tion sollte grundsätzlich nach begleiten- den weiteren sexuell übertragbaren Infek- tionen gesucht werden. Vor allem Koinfek- tionen mit Neisseria gonorrhoeae sind häufig. Wird eine Infektion nachgewiesen, sollte zumindest bei den Sexualpart­ nerInnen der letzten 6 Monate eine Dia- gnostik und Therapie durchgeführt wer- den. SexualpartnerInnen, die nicht getes- tet werden können, sollten ebenfalls be- handelt werden. Es muss darauf hingewiesen werden, dass die Kosten für die Testung bei asym- ptomatischen Frauen derzeit nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden und die Testung somit eine Selbst- zahlerleistung darstellt. Therapie bei positivem Chlamydien-Nachweis Therapie bei nicht schwangeren Frauen: Doxycyclin 2x100mg/Tag für 7 Tage oder Azithromycin 1,0g oder 1,5g einmalig. Bei klinischen Zeichen einer Infektion mit komplizierter Zervizitis oder PID ini- tial Kombinationstherapie. Therapie in der Schwangerschaft und während der Zeit des Stillens: Azithromy- cin 1,0g oder 1,5g einmalig. Abklärung des Partners bzw. Partnertherapie empfohlen. n Autoren: Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas Hefler Prim. Univ.-Doz. Dr. Klaus Reisenberger Univ.-Prof. Dr. Herbert Kiss Korrespondenz: Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas Hefler Vorstand Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Spitalspartner Ordensklinikum Linz und Konventhospital Barmherzige Brüder, Linz E-Mail: lukas.helfler@ordensklinikum.at Literatur: 1 059/005 – S2k-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia tracho- matis. Aktueller Stand: 08/2016 2 AWMF-Register Nr. 059/005 Klasse: S2k 3 Infektionenmit Chlamydia trachomatis Impressum Herausgeber: Universimed Cross Media Content GmbH, Markgraf-Rüdiger-Straße 6–8, 1150 Wien. office@universimed.com . Geschäftsführung: Dr. med. Bartosz Chłap, MBA. Tel.: +43/1/876 79 56. Fax: DW 20. Chefredaktion: Mag. Sandra Winter-Toman. E-Mail: sandra.winter-toman@universimed.com. Projektleitung: Mag. René Milich. Grafik: Margit Schmid. Lektorat: DI Gerlinde Hinterhölzl, Dr. Patrizia Maurer, Mag. Sabine Wawerda, Mag. Josef Weilguni. Druck: AV + Astoria Druckzentrum GmbH, 1032 Wien. 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