JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

Stellungnahme inFeKtionen Chlamydien-Screening: Stellungnahme der oeGGG basierend auf der s2k-Leitlinie der aMWF Screening und Diagnose: infektionen mit Chlamydia trachomatis Infektionen mit Chlamydia trachoma- tis (Serovare D–K) gehören zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Infek- tionen weltweit. Bei Frauen finden sich Chlamydien-Infektionen gehäuft bis zum 25. Lebensjahr. Infektionen mit Chlamy- dien werden in 18 EU-Staaten vollständig erfasst. In Österreich besteht keine Mel- depflicht. In Deutschland wird allen unter 25-jährigen Frauen seit 2008 ein Test auf eine genitale Chlamydien-Infektion ange- boten (Chlamydien-Screening). Insgesamt waren 5,0% der Tests des Chlamydien-Screenings bei unter 25-jäh- rigen Frauen positiv. Der Positivenanteil war am höchsten in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen, gefolgt von der Grup- pe der 20- bis 25-Jährigen. Die genitale Chlamydien-Infektion in der Schwanger- schaft erhöht das peripartale Erkran- kungsrisiko für Mutter und Kind (s.u.). Laut Mutterschaftsrichtlinien werden in Deutschland schwangere Frauen seit 1995 auf eine genitale Chlamydien-Infektion getestet (sog. Schwangeren-Screening). Insgesamt waren bei den untersuchten schwangeren Frauen 2,5% der Proben positiv. Der Positivenanteil war am höchs- ten in der Altersgruppe der 15- bis 19-Jäh- rigen. Der Positivenanteil lag bei über 30-jährigen schwangeren Frauen bei un- ter 1%. Abhängig von der Lokalisation der Chlamydien-Infektion verlaufen die Infektionen bei der Frau in bis zu 90% der Fälle ohne Symptome. Neben nachfolgend genannten Krankheitsbildern kommen reaktive Arthritiden und auch die Trias aus Arthritis, Urethritis und Konjunktivi- tis als seltene (1%) Komplikationen vor. Genitale Chlamydia-trachomatis- infektionen bei nicht schwangeren Frauen Chlamydien können bei Frauen zu ei- ner Zervizitis führen. Betroffen sind vor allem die 15- bis 25-Jährigen, die als Hoch- risikogruppe betrachtet werden müssen. Ca. 70–90% der Erkrankungen verlaufen subklinisch, persistieren u.U. über Monate oder sogar Jahre und kön- nen deshalb nur bei einem Screening oder bei durch anamnestische Risiken veranlassten Tests entdeckt werden. Unbehandelt entwickelt sich durch Keimaszension in einem Teil der Fälle eine akute oder chronische Entzündung des inneren Genitales im Sinne einer Pelvic Inflammatory Disease (PID). Dazu gehö- ren anamnestisch Unterbauchschmerzen, untypischer Ausfluss sowie mittzyklische oder postkoitale Blutungen; bei der klini- schen Untersuchung Temperatur >38,3 Grad Celsius, vermehrt Leukozyten im vaginalen Fluor, Portioschiebeschmerz sowie Druckschmerzhaftigkeit des Uterus und der Adnexe bis hin zum Bild des aku- ten Abdomens. Hinzukommen kann eine Perihepatitis, bei der sich laparoskopisch Verwachsungsstränge zwischen der Leber- kapsel und dem Peritoneum zeigen. Das Krankheitsbild kann klinisch mit rechts- seitigen Oberbauchschmerzen und mäßi- gem bis starkem Aszites einhergehen (Fitz-Hugh-Curtis-Syndrom). Weiters kön- nen eine Peritonitis, Aszites und eine Pe- riappendizitis vorkommen. In Abhängigkeit von der Ausprägung der Erkrankung sind gravierende Spätfol- gen möglich: tubare Sterilität, chroni- sche Unterbauchschmerzen und extra- uterine Schwangerschaften. Zervikale Chlamydien-Infektionen werden in einem Teil der Fälle von Ure- thritiden begleitet, die ebenfalls häufig asymptomatisch bleiben. Frequenter Harndrang und Dysurie mit Leukozytose, aber negativem Bakteriennachweis im Urin sollten zu entsprechender Diagnos- tik Anlass geben. Für den mikrobiologischen Nachweis von Chlamydien stellen Nukleinsäure- amplifikationstests (NAAT) die Methode der Wahl dar. Entsprechende Analysen können praktisch an allen klinischen Ma- terialien durchgeführt werden (Vaginal- oder Zervikalabstriche, Erststrahlurin). Antigentests, darunter Point-of-Care- Schnelltests, sind den NAAT deutlich un- terlegen und sollten nicht mehr einge- setzt werden. Serologische Tests sollten nicht angewendet werden. KOMMEntar Während in vielen Ländern bereits ein Chlamydien-Screening bei jungen Frauen etabliert ist, gab es in Österreich bis dato keinen Konsens, obwohl die Deutsche Gesellschaft für Gynä- kologie und Geburtshilfe dies bereits seit einigen Jahren emp- fiehlt. Wir haben uns daher in Österreich zusammengetan und die nebenstehende Stellungnahme verfasst. Ich bin überzeugt, dass dies eine evidenzbasierte (neue) Früh- erkennungs-/Screeninguntersuchung für die uns anvertrauten Frauen/Klientinnen/Patientinnen in unseren Ordinationen ist. Weiters haben wir ein Informationsblatt erstellt, damit Ihnen die Information der Patientinnen leichter fällt. Alle Unterlagen finden Sie auf der Homepage www.oeggg.at unter Leitlinien/ Gynäkologie. Prim. Univ.-Doz. Dr. Lukas hefler Vorstand Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe der Spitalspartner Ordensklinikum Linz und Konventhospital Barmherzige Brüder, Linz 30 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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