JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

E. Petru, Graz OEGGG-JaHrestagung Kongress Systemische Tumortherapie Die Patientin mit gynäkologischen Problemen Supportivmaßnahmen bei onkologischen Patientinnen mit gynäkologischen Problemen sind essenziell. Wie diese durchgeführt werden können, wird im Folgenden genau beschrieben. Maligner Aszites In vielen Fällen ist nach bzw. unter Ul- traschalldarstellung durch die Punktion von ausgeprägtem Aszites am Übergang des mittleren in das laterale Drittel der Verbindungslinie zwischen dem Nabel und der linken Spina iliaca anterior superior eine effektive Palliation möglich, insbe- sondere auch von Subileusbeschwerden. Thromboembolien Postoperativ sollten Patientinnen mit Genitalkarzinom prophylaktisch eine An- tikoagulation für 4 Wochen erhalten. Da- durch reduziert sich die Thromboembolie- rate signifikant. Zeichen einer Pulmonalarterienembo- lie (PAE) sind v.a. plötzliche Atemnot, Ta- chykardie und evtl. Hämoptoe. Ergänzend sollten eine sorgfältige Inspektion und Palpation der unteren Extremitäten zum Ausschluss bzw. zur Bestätigung einer Bein- bzw. Beckenvenenthrombose erfol- gen. Als Akutdiagnostik sollte D-Dimer bestimmt werden (falls negativ, ist eine PAE auszuschließen; falls positiv, ist eine Pulmonalembolie möglich) sowie eine ar- terielle Blutgasanalyse (Abfall von O 2 und CO 2 ) durchgeführt werden. Im EKG zeigen sich typischerweise eine tachykarde Flim- merarrhythmie, ein P-pulmonale, ein Rechtsschenkelblock sowie SI/QIII. In der Echokardiografie zeigt sich evtl. eine Rechtsherzdilatation. Bei Verdacht auf eine Pulmonalarterien- embolie sollten ein Spiral-CT oder eine Perfusionsszintigrafie der Lungen erfol- gen. Bei Verdacht auf tiefe Bein- bzw. Be- ckenvenenthrombose sollte eine Doppler- sonografie (evtl. Phlebografie) der unte- ren Extremität durchgeführt werden. Nach Diagnosestellung werden als The- rapie ein Kompressionsverband der unte- ren Extremitäten und initial die Gabe von therapeutisch dosiertem niedermolekula- rem Heparin angeschlossen. Meist wird die Thrombosetherapie nach 5–10 Tagen – nach klinischer Kontrolle bzw. Kontrolle der Dopplersonografie – mit reduzierter Dosis eines niedermolekularen Heparins über weitere 6 Monate fortgesetzt. Die über insgesamt 6 Monate verabreichte Ga- be von Dalteparin hat gegenüber der Ver- gleichstherapie mit Warfarin (Marcoumar mit einer Ziel-INR [„international norma- lized ratio“] von 2,5) in einer Studie von Lee et al. 2004 zu einer klinisch relevan- ten Reduktion der Zahl von Rethrombosen bzw. Reembolien ohne vermehrte Blu- tungskomplikationen geführt. Seit Kurzem ist alternativ zur Langzeit- applikation von niedermolekularen Hepa- rinen nach nur 5 Tagen einer initialen s.c. Gabe von niedermolekularem Heparin auch Edoxaban (Lixiana), ein Faktor Xa- Inhibitor, als perorale Therapie für 6 Mo- nate bei tumorassoziierter Thromboembo- lie zugelassen. Die Dosis beträgt 60mg/ Tag bzw. 30mg/Tag, Letzteres bei einem Körpergewicht <60kg und/oder einer Creatinin-Clearance <50ml/min. Lebensbedrohliche Blutung durch einen malignen Vaginaltumor Die Blutung wird zunächst notfallmä- ßig durch vaginale Applikation von Strei- fentamponaden, die mit einem Hämostyp- tikum angereichert sind, versorgt. Je nach prognostischer Gesamtsituation ist auch eine Gabe von Erythrozytenkonzentraten indiziert. Weiters ist eine Beckenarterienemboli- sation möglich. Nach vorhergehender Punktion der A. femoralis einer Seite und Arteriografie der Beckenarterien wird die (Haupt-)Blutungsquelle identifiziert und die ventralen Äste der A. iliaca interna werden selektiv mithilfe von Embolisaten wie Polyvinylalkohol, Silikonpartikeln oder Gelatine verschlossen. Evtl. kommt auch eine Laparotomie mit Ligatur der Aa. iliacae internae beidseits infrage. Bei leichteren vaginalen Dauerblutun- gen ist die hämostyptische Bestrahlung (Brachytherapie oder auch wenige Frakti- onen einer Teletherapie) während mehre- rer Tage (nur wenige Minuten täglich) von großer palliativer Bedeutung. Die palliative perorale Gabe von Vita- min-K-Mischmizellenlösung (Konakion) in der Dosierung 1x 2mg bis maximal 4-mal 10mg/Tag hat sich bewährt. Alternativ ist auch eine Vitamin-K-Infusion (10mg Ko- nakion ad 200ml NaCl 0,9%) möglich. Chronische Diarrhö Als Folge ausgedehnter Darmresektio- nen, einer Radiotherapie des Beckens bzw. Abdomens oder als Folge der Anlage eines Ileostomas bei Ausschaltung der Resorp- tion des Dickdarms tritt oft eine chroni- sche Diarrhö mit flüssigen Stühlen und großem Flüssigkeitsverlust auf. Klinisch handelt es sich um ein Kurzdarmsyndrom. Hier ist Loperamid das Mittel der ersten Wahl. Die Initialdosierung beträgt 2 Kap- seln zu 2mg, gefolgt von jeweils 1 Kapsel zu 2mg typischerweise alle 4–8 Stunden per os. Tinctura opii (z.B. 3x tgl. 10–15 Tropfen) ist bei therapieresistenten Diar- rhöen zu empfehlen. Auch die retardierte Form von Octreotid kann in diesem Fall eingesetzt werden. Fisteln im Genitalbereich Bei gynäkologischen Patientinnen sind insbesondere folgende Fisteln möglich: • Vesikovaginalfistel • Ureterovaginalfistel • Rektovaginalfistel • Bauchdecken-Darm-Fistel Sie können als postoperative Komplika- tion auftreten. Bei diesen Formen ist eine operative Therapie meist möglich. Bei Darmfisteln ist meist ein vorübergehendes Stoma (Kolostoma oder Ileostoma) not- wendig. 28 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

RkJQdWJsaXNoZXIy MTQzNzQ3