JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

W. Arzt, Linz G. Tulzer, Linz OEGGG-JaHrEstaGunG Kongress Fetale kardiale interventionen – Methode, risiko, Outcome Intrauterine Dilatationen von kritisch stenosierten bzw. atretischen Herzklappen des Feten können den natürlichen Verlauf von fetalen Vitien so günstig beeinflussen, dass es durch die pränatale Wiederherstellung von signifikanten Blutflüssen und damit einer (annähernd) normalen Hämodynamik wieder zum Wachstum der Ventrikel kommen kann. Durch diese Interventionen am fetalen Herzen kann der drohende Verlust einer Herzkammer – und damit ein Einkammerherz – verhindert und ein biventrikulärer Kreislauf am Ende der Schwangerschaft ermöglicht werden. natürlicher Verlauf von angeborenen Herzfehlern in utero Die kritische Stenose bzw. Atresie ei- ner Herzklappe kann durch die veränder- te Hämodynamik zum Wachstumsstopp des zugehörigen Ventrikels, der Klappen und der Gefäße führen („no flow, no growth“). In weiterer Folge kommt es zu Sekundärschäden des Myokards und der Lungen, schließlich kann es durch die natürliche Progredienz zum Verlust des Ventrikels im Laufe der Schwangerschaft kommen. In einigen Fällen können zu- sätzlich Herzinsuffizienz und Hydrops auftreten, auch ein intrauteriner Frucht- tod ist möglich. Eine kritische valvuläre Aortenstenose kann während des natürlichen Verlaufs zum Verlust des linken Ventrikels (hypo- plastisches Linksherz-Syndrom, HLHS), eine kritische Pulmonalstenose bzw. -at- resie zum Verlust des rechten Ventrikels (hypoplastisches Rechtsherz-Syndrom, HRHS) führen, sodass das Kind am Ende der Schwangerschaft mit einem monoven- trikulären Herzen mit allen schwerwie- genden Konsequenzen geboren wird. Diese Kaskade der natürlichen Progre- dienz von bestimmten Vitien soll durch eine pränatale Intervention am fetalen Herzen günstig beeinflusst bzw. unterbro- chen werden. Durch intrauterine Dilatation der betrof- fenen Herzklappe soll es durch eine Verbes- serung bzw. annähernde Normalisierung der fetalen Hämodynamik zum neuerlichen Wachstum der Links- bzw. Rechtsherz- strukturen kommen, sodass der Verlust einer Herzkammer verhindert und ein bi- ventrikulärer Kreislauf ermöglicht wird. Diesem Konzept liegt die Vorstellung zugrunde, dass ein neuerliches Wachstum der Herzstrukturen ausschließlich durch Intervention in der Fetalperiode erreicht werden kann, während eine nach der Ge- burt durchgeführte Klappendilatation zu keinem Wachstum des hypoplastischen Ventrikels mehr führen kann. 1 Nach der im Jahr 2000 am Institut für Pränatalmedizin in Linz gemeinsam mit dem Kinderherzzentrum durchgeführten, weltweit ersten erfolgreichen intrauteri- nen Valvuloplastie einer fetalen Pulmona- latresie 2, 3 haben wir am Kepler Universi- tätsklinikum in den darauffolgenden Jah- ren ein europaweites „Zentrum für Fetale Kardiale Interventionen“ etabliert. Bisher haben wir 145 intrauterine kar- diale Interventionen durchgeführt, 130 Eingriffe (bis zum 31. 12. 2017) mit be- reits geborenen Kindern konnten jetzt einer Analyse unterzogen werden (90 Aortenklappen-, 40 Pulmonalklappendi- latationen). Abb. 1: a) Der Ausgangsbefund einer kritischen valvulären Aortenstenose, 30. SSW. b) Die Punk- tionsnadel ist in den linken Ventrikel eingeführt und wird in Richtung Aortenklappe vorgeschoben. c) Katheter und Ballon sind im Ausflusstrakt zu sehen. d) Unmittelbar nach der erfolgreichen Inter- vention zeigt sich ein deutlicher antegrader Fluss über der erfolgreich dilatierten Aortenklappe Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018 25

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