JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

B. Bodner-Adler, Wien OEGGG-JaHrEstaGunG Kongress Urogynäkologie und Hormone Bei 40% der postmenopausalen Frauen tritt eine Beckenboden- funktionsstörung (z.B. Harninkontinenz, Beckenorganprolaps etc.) auf, zusätzlich leidet die Hälfte aller postmenopausalen Frauen unter den Symptomen einer vaginalen Atrophie. i mmunhistochemische Studien konnten Östrogenrezeptoren im kleinen Becken, speziell im Gewebe der Scheide, der Blase, der Urethra und der Beckenbodenmusku- latur, nachweisen. Die Funktion der Öst- rogene im kleinen Becken ist im Wesent- lichen eine unterstützende, indem sie die Synthese und den Abbau von Kollagen regulieren. Weiters ist der weibliche Kon- tinenzmechanismus östrogensensitiv. Ös- trogene verbessern den urethralen Wider- stand durch einen Anstieg der Anzahl an periurethralen Gefäßen, außerdem führen sie zu einer Reduktion der Frequenz und Amplitude von Detrusorkontraktionen und begünstigen somit die Detrusorrela- xation. Aus all diesen Gründen ist die Ver- ringerung der Östrogene nach der Meno- pause ein wichtiger ätiologischer Faktor für das Auftreten von Beckenboden(BB)- Funktionsstörungen. Zirkulierende endogene sexualsteroide und BB- Funktionsstörungen Der Zusammenhang zwischen zirkulie- renden endogenen Sexualsteroiden im Blut und dem Auftreten einer Beckenbo- denfunktionsstörung ist nach wie vor un- klar. In der Literatur liegen unterschiedli- che Ergebnisse vor, ob und wenn ja, wel- chen Einfluss endogen zirkulierende Se- xualsteroide auf die Erkrankungsbilder Belastungsinkontinenz (SUI) und Becken- organprolaps (BOP, Abb. 1) ausüben. So- wohl negative als auch positive Korrelati- onen zwischen Hormonparametern im Blut und den Erkrankungsbildern SUI und BOP wurden in verschiedenen Studien be- schrieben. Lokale Östrogengabe in der therapie von BB-Funktionsstörungen Ein systematischer Review (SR) von Weber et al. mit über 50 RCT untersuchte die lokale Östrogengabe bei der Behand- lung von Beckenbodenfunktionsstörun- gen (Vaginalatrophie, Harninkontinenz, Beckenorganprolaps). Zusammenfassend konnten die Autoren zeigen, dass die lo- kale Östrogengabe effektiv und sicher in Abb. 1: Totalprolaps KeyPointS ●● Lokales E2 in Form von Cre- men, Pessaren, vaginalen Tab- letten, Ringen etc. ist effektiv und sicher in der Behandlung der Symptome der Vaginalatro- phie in einer Dosierung von 10mcg und mehr. ●● Sinnvoll auch bei HI mit subjek- tiv weniger Inkontinenzbe- schwerden bei Patientinnen mit OAB und SUI (kombinierte The- rapie mit BBT +/– Anticholiner- gika empfohlen) ●● Präoperative lokale Östrogen- gabe vor einer Deszensus-OP sinnvoll – weniger frühe post- operative HWI ●● Lokale postoperative E2-Gabe nach TVT-OP sinnvoll – vermin- derter Harndrang und vermin- derte Miktionsfrequenz ●● Keine Evidenz für lokale Östro- gene in Therapie und Präven- tion von BOP ●● Bestmögliche Dosierung und Langzeiteffekt unklar ●● Systemische HRT verschlech- tert Inkontinenzsymptome oder Neuentwicklung tritt auf – Aufklärung! Lokale Östrogengabe bei der Behandlung von Beckenbodenfunktionsstörungen © iStockphoto/artenex 22 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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