JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

OEGGG-JaHrestagung Kongress Pharmakologische Therapie: Insulin oder/und Metformin Insulin galt über Jahrzehnte als Stan- dardtherapeutikum beim Schwanger- schaftsdiabetes. Das Biguanidpräparat Metformin ist ein orales Antidiabetikum und wird zunehmend im klinischen Alltag eingesetzt. Es fördert die Insulinsensitivi- tät von Leber und Muskeln, hemmt die hepatische Glukoneogenese sowie die in- testinale Glukoseresorption und gilt als Mittel erster Wahl bei der Behandlung des Typ-2-Diabetes. 2016 ist Metformin erstmalig als First- Line-Medikation zur Therapie des GDM in die Leitlinie des National Institute for Health and Care Excellence eingegangen (NICE, 2016). Dahingegen äußert sich das American College of Obstetricians and Gynecologists zurückhaltender und emp- fiehlt Metformin als Medikament der 2. Wahl bzw. jenen Patientinnen, die eine Insulintherapie ablehnen oder die zur si- cheren Anwendung von Insulin nicht in der Lage sind (ACOG, 2017). Bei Patientinnen mit polyzystischem Ovarsyndrom, die Metformin im Rahmen der Kinderwunschbehandlung zur Fertili- tätsverbesserung erhalten haben, soll die- se Therapie in der Schwangerschaft wei- tergeführt werden. Einige Studien zeigten, dass ca. 15-20% der Gestationsdiabetikerinnen Insulin zu- sätzlich zur Therapie mit Metformin benö- tigen. Nebenwirkungen und Kontraindikationen Das Spektrum der Kontraindikationen ist schmal, erwähnenswert sind eine ein- geschränkte Nierenfunktion (Laktatazi­ dose) sowie schwere Leberfunktions­ störungen (z.B. HELLP-Syndrom). Im All- gemeinen sind keine schweren Nebenwir- kungen zu erwarten, bei ca. 10% wurden gastrointestinale Beschwerden verzeichnet. Darüber hinaus ist die Anwendung in der Stillzeit möglich. Metformin: Vor- und Nachteile Nach wie vor handelt es sich in Öster- reich bei der Anwendung von Metformin um eine sogenannte „Off-label“-Verord- nung, über die die Patientin gesondert aufgeklärt werden muss. Metformin ist plazentagängig, bisher wurden jedoch keine negativen Auswir- kungen auf die fetale Entwicklung und das fetale Wachstum beschrieben. Im Ge- genteil: Die bisher größte Studie über das Langzeitoutcome bei Kindern beschreibt eine günstigere Fettverteilung zugunsten des subkutanen Fettanteils, welcher eine positive Prädisposition bzgl. des Risikos für die Entwicklung einer Insulinresis- tenz im weiteren Leben haben könnte. Metformin bietet im Vergleich zu Insu- lin durch die orale Verabreichung, die am- bulante Therapieeinstellung und das Aus- bleiben von möglichen Hypoglykämien sowie einer ausgeprägten Gewichtszunah- me ein vielversprechendes Profil bzgl. der Patientinnenzufriedenheit und damit der Therapiecompliance. Weitere Studien zur Evaluierung der Wirksamkeit, der Anwendungssicherheit und insbesondere zum Langzeitoutcome sind noch ausständig. Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass gemäß der Empfehlung der Österreichischen Gesellschaft für Gynäko- logie und Geburtshilfe (ÖGGG) und ande- rer internationaler Fachgesellschaften derzeit unter Berücksichtigung der Kont- raindikationen und nach entsprechender Aufklärung der Patientin kein Einwand gegen den Einsatz von Metformin in der Schwangerschaft besteht. n Autorin: Dr. Christina Stern Medizinische Universität Graz Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe E-Mail: christina.stern@medunigraz.at n 1213 Literatur: bei der Verfasserin Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018 Felix im Kopf, Madonella in der Tasche! Pillen von Kwizda Fachkurzinformation siehe Seite 17

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