JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

C. Stern, Graz OEGGG-JaHrestagung Kongress Metformin als Therapie des Gestationsdiabetes Frauen, die einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, und deren Kinder haben ein beträchtliches Risiko, im späteren Leben einen Typ-2-Diabetes und die damit verbundenen kardiovas­ kulären Langzeitkomplikationen zu entwickeln. Metformin – als orale Therapiealternative zu Insulin – wird zunehmend in der Schwangerschaft angewendet und wurde bereits in verschiedene internationale Leitlinien implementiert. D as Screening auf Schwangerschaftsdi- abetes mittels oralen Glukosetoleranz- tests (oGTT) ist im österreichischen Mut- ter-Kind-Pass (zwischen der 25. und der 28. Schwangerschaftswoche) verankert und ermöglicht es, Frauen mit gestörtem Glukosestoffwechsel rechtzeitig zu erken- nen. Dies kann nun entweder eine vorbe- stehende, in der Schwangerschaft erst- mals diagnostizierte Glukosetoleranzstö- rung bzw. ein manifester Diabetes melli- tus oder ein schwangerschaftsassoziierter, also ein Gestationsdiabetes (GDM) sein. Die diagnostischen Grenzwerte des oGTT beruhen auf internationaler Kon- sensusbildung durch Experten (Interna- tional Association of Diabetes and Preg- nancy Study Group [IADPSG], 2010), sodass mittlerweile weltweit überwie- gend einheitliche Diagnosekriterien gel- ten. Die Häufigkeit des GDM internatio- nal beträgt zwischen 9 und 20%. Ätiologie Während der Schwangerschaft entsteht physiologisch durch den Einfluss antiin- sulinär wirkender Hormone der Plazenta eine zunehmende Insulinresistenz, welche sich nach der Entbindung wieder norma- lisiert. Kann dieser Prozess nicht ausrei- chend kompensiert werden, entwickelt sich ein Gestationsdiabetes. Zudem spie- len bei der Genese des GDM auch immu- nologische Komponenten, im Sinne einer vermehrten Expression von Immunmar- kern, die auch bei Diabetes mellitus Typ 1 auftreten, eine Rolle. Risiken und Komplikationen Ziel der Behandlung des GDM ist das Vermeiden von mitunter schweren perina- talen Komplikationen bei der Mutter und dem Kind. Für das Kind sind dies Makro- somie, metabolische Störungen wie neona- tale Hyperinsulinämie, Hypoglykämie und Hyperbilirubinämie sowie insbesondere die nachteilige fetale Stoffwechselpro- grammierung mit späterer Entwicklung von Übergewicht und Diabetes bereits im Jugend- oder frühen Erwachsenenalter. Hinsichtlich der Häufigkeit neonataler Komplikationen besteht ein linearer Zu- sammenhang zu steigenden Bluzuckerwer- ten. Die akuten mütterlichen Risiken sind erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfekti- onen, vorzeitige Wehentätigkeit und somit Frühgeburtlichkeit, erhöhtes Risiko für Präeklampsie und Geburtskomplikationen wie Kaiserschnittentbindung, vaginal-ope- rative Entbindung bzw. Schulterdystokie und schwere Geburtsverletzungen. Poten- zielle Langzeitfolgen für die Mutter sind erneutes Auftreten eines GDM in einer folgenden Schwangerschaft (50%) sowie Manifestation eines Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Erkrankungen 10 Jahre post partum (40–50%). Ein unbehandelter GDM kann zum in- trauterinen Fruchttod führen; in 28% der pränatalen Todesfälle muss ein unerkann- ter GDM als Todesursache angenommen werden. Zahlreiche Studien belegen, dass Komplikationen durch rechtzeitige und optimierte Therapie vermieden werden können. Therapieoptionen Lifestyle-Modifikation Die primäre Intervention nach Diagno- sestellung besteht aus Maßnahmen der Lebensstilmodifikation, i.e. Diabetesdiät und maßvoller, schwangerschaftsadap- tierter regelmäßiger Bewegung. Kann da- mit das Behandlungsziel nicht erreicht werden, ist eine pharmakologische Thera- pie indiziert. Keypoints ●● Die Häufigkeit von Schwanger- schaftsdiabetes steigt weltweit rapide parallel zur Zunahme der Prävalenz von Übergewicht und Typ-2-Diabetes. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes und deren Neugeborene haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Schwangerschafts- bzw. Geburtskomplikationen sowie für Langzeitmorbidität im Sinne der Entwicklung eines manifes- ten Diabetes mellitus bzw. kardiovaskulärer Folgeerkran- kungen. ●● Metformin fördert die Insulin- sensitivität von Leber und Mus- keln, hemmt die hepatische Glukoneogenese sowie die intestinale Glukoseresorption. Es ist plazentagängig, jedoch wurde bisher in keiner Studie ein negativer Effekt auf Ent- wicklung oder Wachstum des Feten beschrieben. ●● Metformin stellt eine gleich­ wertige, kosteneffektive und sichere Alternative zur Thera- pie mit Insulin dar und bietet zudem Vorteile bzgl. Anwend- barkeit und Patientinnenzufrie- denheit, wenngleich Lang­ zeitdaten bisher nur limitiert vorliegen. 20 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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