JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

K. Mayer-Pickel, Graz OEGGG-JaHrestagung Kongress Adipositas, Präeklampsie und Gestationsdiabetes Das metabolische Syndrom in der Betreuung von Hochrisikoschwangerschaften Das metabolische Syndrom, bisher meist als entscheidender Risikofaktor für Erkrankungen arterieller Gefäße, insbesondere der koronaren Gefäße, bekannt, ist mittlerweile ein vielbeschriebenes Problem in der Schwangerschaft. D efiniert wird das metabolische Syn- drom durch Adipositas, arterielle Hy- pertonie, Hypercholesterinämie bzw. Hy- pertriglyzeridämie sowie eine Insulinre- sistenz bzw. gestörte Glukosetoleranz. 1 Ursachen sind primär eine hyperkalori- sche Ernährung sowie Bewegungsmangel. Insbesondere ein präkonzeptionell erhöh- ter BMI ist mit schwerwiegenden Kompli- kationen der Schwangerschaft assoziiert. So erhöht sich das Risiko für eine Präek­ lampsie um das Sechsfache, eine schwan- gerschaftsinduzierte Hypertonie (SIH) um das Dreifache und einen Gestationsdiabe- tes um das Fünffache. Eine bereits präkon- zeptionell bestehende Adipositas geht weitaus häufiger mit Komplikationen in der Schwangerschaft einher als eine starke Gewichtszunahme während der Schwangerschaft. 2 Das metabolische Syndrom in der Schwangerschaft Es ist bereits seit längerer Zeit bekannt, dass hypertensive Erkrankungen der Schwangerschaft, u.a. Präeklampsie, mit einer Adipositas assoziiert sind. Robinson et al. haben anhand einer retrospektiven Arbeit normalgewichtige Frauen mit Frau- en mit „moderater“ Adipositas (90–120kg) und Frauen mit schwerer Adipositas (>120kg) verglichen und eine signifikante Assoziation zwischen Adipositas und schwangerschaftsinduzierter Hypertonie, Präeklampsie und HELLP-Syndrom nach- weisen können. 3 Im Rahmen einer großen retrospekti- ven Analyse wurde bei 287 213 Einlings- schwangerschaften – 176 923 (61,6%) normalgewichtig (BMI 20–24,9), 79 014 (27,5%) moderat adipös (BMI 25–29,9) und 1276 (10,9%) ausgeprägt adipös (BMI >30) – das maternale und fetale Schwan- gerschaftsoutcome analysiert. Die Autoren fanden heraus, dass u.a. ein Gestationsdi- abetes sowie eine Präeklampsie bei schwangeren Frauen mit einem BMI >25 signifikant häufiger auftreten. 4 Eine rezente Metaanalyse von 92 Stu- dien mit insgesamt 25 356 688 Schwan- gerschaften hat unterschiedliche Risiko- faktoren für das Auftreten einer Präek­ lampsie untersucht. Neben einer Präek­ lampsie in einer vorherigen Schwanger- schaft sowie einer chronischen Hypertonie hatten Frauen mit einem präexistenten Diabetes mellitus bzw. einem präkonzep- tionellen BMI >30 das höchste Risiko, eine Präeklampsie zu entwickeln. 5 Die Arbeitsgruppe von Lei Q et al. hat einen Cluster an metabolischen Risiko­ faktoren (präkonzeptionelle Adipositas, Hypercholesterinämie, Hypertriglyzeridä- mie, Hyperglykämie und Hypertonie) er- stellt und den Zusammenhang zu unter- schiedlichen Komplikationen der Schwan- gerschaft untersucht. Die Autoren fanden heraus, dass es bereits ab einem metabo- lischen Risikofaktor zum vermehrten Auf- treten von u.a. Präeklampsie oder Gesta- tionsdiabetes kommt. Bei zwei oder mehr metabolischen Risikofaktoren erhöht sich naturgemäß das Risiko für diese Erkran- kungen. 6 Zusammenhang zwischen metabolischem Syndrom und Präeklampsie Präeklampsie, Diabetes mellitus und Adipositas haben ähnliche zugrunde liegen- de pathophysiologische Mechanismen. Da- zu gehören u.a. die Endotheldysfunktion, oxidativer Stress und die vermehrte Freiset- zung proinflammatorischer Zytokine. Die Entstehung des metabolischen Syn- droms kann am ehesten durch drei we- sentliche Effekte erklärt werden: 7 1. den „mechanischen“ Effekt durch die Akkumulation des viszeralen Fettgewe- bes mit einem daraus resultierenden Anstieg des intraabdominellen Drucks und einer Aktivierung des Renin-An- giotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) mit sekundärer Hypertonie, 2. den „metabolischen“ Effekt durch die periphere Insulinresistenz und Hyper- insulinismus, welcher zu einer ver- mehrten Sekretion von proinflammato- rischen Substanzen, u.a. IL-6, IL-18, TNF-α, Angiotensin II und Leptin, führt. Diese systemischen inflammato- rischen Prozesse nehmen Einfluss auf die Gefäßreaktivität, die Thromboge- nese, die Angiogenese sowie auf die Insulinsensitivität. 8 Leptin hemmt zu- sätzlich die Insulinsekretion und ist durch seine Zytokin-ähnliche Wirkung auch an der Endothelzellaktivierung sowie an der Aktivierung des vegetati- ven Nervensystems mit einer daraus resultierenden Erhöhung des Blut- drucks beteiligt. 9, 10 Gleichzeitig kommt es zu einer verminderten Konzentrati- on von Adiponektin, welches u.a. anti- Keypoints ●● Schwangerschaften von Frauen mit metabolischem Syndrom sind als Risikoschwangerschaf- ten zu betrachten und dement- sprechend zu betreuen. ●● Eine präkonzeptionelle Gewichtsreduktion verbessert das Schwangerschaftsoutcome. ●● Aufgrund seines großen Wir- kungsfeldes ist der Einsatz von Metformin bei Frauen mit meta- bolischem Syndrom anzudenken. 18 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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