JATROS Gynäkologie & Geburtshilfe 2018/2

M. G. Mörtl, Klagenfurt H. K. Lackner, Graz Kongress Hypertensive erkrankungen in der Schwangerschaft ist die lebenslange nachsorge ein thema? Es gilt aktuell als gesichert, dass Mütter mit definierten Schwangerschafts- komplikationen (z.B. „hypertensive disorder in pregnancy“, HDP) einem deutlich erhöhten Risiko ausgesetzt sind, im späteren Leben eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen. Daraus ist abzuleiten, dass den betroffenen Frauen eine entsprechende Beratung mit Nachsorgekonzept angeboten werden soll. B irgit Arabin und Ahmet A. Baschat prägten im Titel ihrer Übersichtsarbeit 2017 die folgende Forderung: „[…] die Schwangerschaft als ein Zeitfenster zu se- hen, in dem die Möglichkeit eröffnet wird, die Gesundheit von Müttern und deren Kindern langfristig zu verbessern […]“ Es ist erwiesen, dass Frauen nach einer Kom- plikation in der Schwangerschaft, wie z.B. einer HDP, 3- bis 3,7-mal häufiger im Lau- fe ihres Lebens an Bluthochdruck und Di- abetes erkranken. Ihr Risiko, nach 10–12 Jahren einen Schlaganfall oder Herzin- farkt zu erleiden, ist 1,8- bis 2,2-fach höher verglichen mit Frauen ohne diese Schwan- gerschaftskomplikationen. Dramatisch ist der Anstieg des Risikos, später an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben (8- bis 10-fach), wenn in der aktuellen Schwangerschaft die Trias Frühgeburt, niedriges Geburtsgewicht und Präeklamp- sie vorlag. Dem „Schwangerschaftsfenster“ als Ausblick auf die Gesundheitssituation im späteren Leben liegt der folgende Me- chanismus zugrunde: Die Schwanger- schaft per se ist ein „Stresstest“ für den Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel sowie das Herz-Kreislauf-System. In der Schwan- gerschaft auftretende Erkrankungen wie HDP können demnach so verstanden wer- den, dass sie bereits bestehende Störungen in diversen Regelkreisen vorübergehend „demaskieren“, welche außerhalb dieser „Schwangerschaftsbelastung“ unerkannt bleiben. nachsorgeprogramm nach HDP Zur aktuellen Definition der HDP gehört unter anderem die Symptomfreiheit nach der 12. Schwangerschaftswoche. Nach ei- Abb. 1: Herzfrequenzänderung bei mildem Stressor (Gedächtnisleistungstest: Vorbereitung auf bzw. Wiedergabe einer vorgelesenen Wortliste) 16 Wochen nach der Geburt des Kindes (Datenbasis: „Schwangerschaftskomplikationen: eine Chance zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankun- gen?“, gefördert durch den Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank, Projekt-Nr.: 16426) Abb. 2: Nachsorgeprogramm nach hypertensiven Erkrankungen in der Schwangerschaft OEGGG-JaHrEstaGunG 16 Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2018

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