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Kongress

Behandlungsmethoden wie Phytothera-

peutika (Tee) und Akupunktur können

ebenfalls hilfreich sein.

Senkungen treten meistens

kombiniert auf

Welche Form des Deszensus vorliegt, ist

davon abhängig, ob das vordere, mittlere

oder hintere Beckenbodenkompartiment

betroffen ist. In der Regel handelt es sich

um kombinierte, selten um isolierte De-

szensussituationen. Typische Deszensus-

symptome sind Druck- und Senkungsge-

fühl, ziehende Unterbauch- und Rücken-

schmerzen, Reizblase, Blasen- und Darm-

entleerungsstörungen und Stuhl- und

Harninkontinenz. Etwa 7–23% der Frauen

sind von einem symptomatischen Prolaps

betroffen. In der Schweiz werden pro Jahr

etwa 4000 Prolaps-Operationen durchge-

führt, davon ein Drittel aufgrund von Re-

zidiven. Die konservative Therapie besteht

aus Physiotherapie mit Beckenbodentrai-

ning und Pessartherapie, gegebenenfalls

in Kombination mit lokaler Östrogeni­

sierung.

Prophylaktische Massnahmen

bei Harnwegsinfekten

Die Infektion der Harnwege erfolgt

durch aszendierende Keime aus dem End-

darm. Per definitionem liegt eine Harn­

wegsinfektion (HWI) vor, wenn folgende

Bedingungen erfüllt sind: >10

5

Keime/ml

im Mittelstrahlurin oder 10

3

–10

4

Keime/

ml im Mittelstrahlurin bei klinischen Sym-

ptomen und Reinkultur oder eine Kolonie

im Katheterurin oder nach Blasenpunk­

tion. Von einem rezidivierenden HWI

spricht man bei mehr als zwei HWI inner-

halb von sechs Monaten oder mehr als

drei HWI pro Jahr. Die Mittel der ersten

Wahl zur kurzzeitigen Antibiotikatherapie

bei unkomplizierter Zystitis sind gemäss

Guidelines Fosfomycin (Monuril®), Nitro-

furantoin (Uvamin® retard) oder Trime-

thoprim-Sulfamethoxazol (Bactrim® for-

te). Die Wahl erfolgt bei akuten Sym-

ptomen blind, muss aber gegebenenfalls

nach Bestimmung der Keimresistenzen

angepasst werden.

Viereck forderte angesichts der welt-

weiten Zunahme von Resistenzen einen

verantwortungsvollen Umgang mit Anti-

biotika und eine Ausschöpfung von pro-

phylaktischen Massnahmen. Zur Vorbeu-

gung rezidivierender HWI ist die Einnah-

me von Preiselbeerprodukten (z.B. Biot-

ta® Preiselbeersaft, Alpinamed® Preisel-

beer-Granulat), D-Mannose (Hänseler

D-Mannose) oder Substanzen zum Auf-

bau der Blasenwand (Glycosaminoglycan-

Schicht) empfohlen, unter anderem Ialu-

ril® oder Gepan® instill. A-Typ-Proantho-

cyanidin, der Wirkstoff der Preiselbeere,

resp. die D-Mannose verhindern das An-

docken der Bakterien an die Blasenwand.

Gegen rezidivierende HWI mit Escheri-

chia coli gibt es auch eine Schluckimp-

fung (Uro-Vaxom®), die für Kinder ab

vier Jahren zugelassen ist und in Kombi-

nation mit Antibiotika angewendet wer-

den kann. Weitere Impfungen mit gene-

tisch modifizierten, nicht pathogenen

Escherichia-coli-Stämmen befinden sich

in Entwicklung.

Präoperative Abklärung und

Vorbereitung urogynäkologischer

Patientinnen

Die präoperative Basisdiagnostik um-

fasst neben der vaginalen Untersuchung

und ausführlichen Anamnese die Auswer-

tung des Miktionskalenders, die Infektab-

klärung und die Perinealsonografie. Die

Anamnese mit Fragen, unter anderem zu

vorhergehenden Therapien und aktuellen

Beschwerden, ist oft richtungsweisend

für die Diagnose. Wichtig ist zudem die

Medikamentenanamnese: «Viele Blasen-

beschwerden treten in Zusammenhang

mit Medikamenteneinnahmen, beispiels-

weise von Diuretika oder Psychopharma-

ka, auf», sagte Dr. Gloria Ryu vom Be-

ckenbodenzentrum des Kantonsspitals

Aarau. Nicht wegzudenken sei der stan-

dardisierte Beckenbodenfragebogen mit

42 Fragen zu Blasen- und Darmfunktion,

Senkungsbeschwerden und Sexualität.

Dieser wird den Patientinnen im Vorfeld

der gynäkologischen Abklärung, zusam-

men mit dem Miktionskalender, zuge-

stellt.

Bei der vaginalen Inspektion von Pati-

entinnen mit urogynäkologischen Be-

Update Refresher Gynäkologie

symptomatisch

idiopathisch

blasenbedingt

nicht blasenbedingt

neurogen

?

Harnwegsinfekt

Kolpitis

Multiple Sklerose

urogenitale Atrophie

Medikamente

M. Parkinson

Deszensus

psychogen

zerebrovaskuläre

Erkrankungen

Fremdkörper

in der Blase

Diabetes mellitus

Querschnittsyndrom

Blasentumoren

Herzinsuffizienz

senile Demenz

Urethraobstruktion

Adipositas

Alkoholismus

Strahlenzystitis

interstitielle Zystitis

Ursachen identifizieren und gezielt behandeln

Tab. 1:

Ursachen für eine Dranginkontinenz

Gynäkologie & Geburtshilfe 2/2017

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