Fachthema

Trachealkanülenmanagement

Was so eine Trachealkanüle alles kann

Jatros, 15.03.2018

Autor:
Andreas Lettner
Dipl. Gesundheits- und Krankenpfleger
Medizinproduktberater und Niederlassungsleiter
Andreas Fahl Medizintechnik Vertrieb GmbH
E-Mail: info@fahl.at

Pneumologie

Das große Angebot an Trachealkanülen und Hilfsmitteln rund um die Tracheostomaversorgung ist Ursache dafür, dass die Auswahl der passenden Trachealkanülen für Ärzte, Logopäden und Pflegepersonal ein sehr komplexes Thema geworden ist. Nur durch interdisziplinäre Zusammenarbeit kann eine optimale Versorgung von tracheotomierten Patienten sichergestellt werden.

Keypoints

  • Die Art der Stomaanlage sowie die Länge und der Winkel sind entscheidende Faktoren für die Wahl der am besten geeigneten Trachealkanüle.
  • Es ist immer der für den Patienten größtmögliche Durchmesser zu wählen.
  • Bei intakter Glottisfunktion und ausreichendem subglottischem Druck sollten gesiebte Trachealkanülen bevorzugt verwendet werden.

Wenn wir uns die Neuerungen in der Trachealkanülenversorgung der Neuzeit ansehen, ist es so, dass wir heute mit einer schier unglaublichen Anzahl von Trachealkanülen konfrontiert sind. Die individuelle Versorgungsmöglichkeit ist unser Ziel. Um dies sicherzustellen, halten wir im Hauptlager der Firma Andreas Fahl Medizintechnik Vertrieb GmbH in Köln, Deutschland, Eigen- und Vertriebsprodukte im Umfang von ca. 1,7 Mio. Lagerartikeln, dies entspricht etwa 2800 unterschiedlichen Produkten, ständig verfügbar. Pro Monat werden zusätzlich durchschnittlich 350 kundenspezifische Trachealkanülenanpassungen durchgeführt. Auch die eigenen Erfahrungen aus 25 Jahren sind bei der Entwicklung und Herstellung von Vorteil.

Bei der Anpassung und Suche nach der „richtigen“ Trachealkanüle ist es notwendig, dass produktentscheidende Faktoren abgefragt werden. Als wesentlicher Punkt gilt, immer die Art der Stomaanlage zu hinterfragen (Punktionstracheotomie oder chirurgische Tracheotomie). Da bei einer Punktionstracheotomie bei Dekanülierung rasches Schrumpfen mit einem schnellen Verschluss einhergeht, ist die Stomaanlage immer eng mit der Indikation verbunden. So ist z.B. bei invasiver außerklinischer Beatmung und bei neurogener Dysphagie ein epithelisiertes (operatives) Tracheostoma indiziert.

Für jeden Patienten den größtmöglichen Durchmesser

Der Außendurchmesser (AD) ist je nach Material der Trachealkanüle und Optionen (z.B. subglottische Absaugung) sehr unterschiedlich. Der Innendurchmesser (ID) wird immer gemessen an der engsten Stelle der Trachealkanüle (Kanülenspitze). Es ist zu beachten, dass Innenkanülen den Durchmesser wesentlich verringern (Richtwerte zur Orientierung: Frauen 7,0–9,0mm ID; Männer 8,0–10,5mm ID).

Bei der Auswahl der „richtigen“ Trachealkanüle spielen auch die Faktoren Länge und Winkel eine entscheidende Rolle. Je nach Zustand des Tracheostomas und/ oder der Länge des Stomakanals (ggf. Fettgewebe) sollte eine individuelle Anpassung erfolgen. Bei den sogenannten Spiralkanülen mit verstellbarem Kanülenschild besteht die Möglichkeit, die Länge der Trachealkanüle individuell einzustellen (Skalierung am Kanülenrohr, Abb. 1). Bei Spiralkanülen handelt es sich um eine Silikonkanüle mit eingearbeiteter Edelstahlspirale, wodurch ausreichend Flexibilität bei guter Materialstabilität sichergestellt wird. Aufgrund des verarbeiteten Metalls im Produkt besteht eine absolute Kontraindikation bei MRT-Untersuchungen. Es gibt, aufgrund der Notwendigkeit, heute auch schon (MRT-taugliche) Spiralkanülen mit Kunststoffspiralen.

Durch den Einsatz von Trachealkanülen mit Kugelgelenk (Abb. 2) am Kanülenschild kann eine wesentliche Reizminderung (v.a. bei Mobilisation von Patienten, Winkelanpassung am Kanülenschild) erreicht werden.

Trachealkanülen mit Cuff: Die Manschette dient der Abdichtung des Kanülenrohrs gegen die Trachealwand. Sie lässt sich mit einem Cuffmanometer blocken. Man unterscheidet Trachealkanülen mit Niederdruck-Cuff, um die Druckbelastung auf die Trachealschleimhaut so gering wie möglich zu halten, und „high-pressure cuffs“, bei denen ein höherer Druck im Cuff aufgebaut wird (diese werden heute so gut wie nicht mehr verwendet). Bei geblockten Kanülen ist regelmäßig eine Cuffdruckkontrolle durchzuführen und zu dokumentieren. Zu empfehlen ist dies bei jedem Lagewechsel des Patienten.

Eine Variante einer Trachealkanüle mit Cuff ist die Kanüle mit subglottischer Absaugung (Abb. 3). Diese Trachealkanülen werden vor allem bei Patienten mit hoher Aspirationsgefahr durch Hypersalivation eingesetzt, um das gestaute Sekret über den Cuffballon bei liegender Trachealkanüle kontrolliert mit einer Spritze absaugen zu können.

Eine der häufigsten Komplikation auf Intensivstationen ist die Ventilator-assoziierte Pneumonie (VAP). Zu den Risikofaktoren zählen etwa Aspiration, Immunsuppression, COPD, Alter über 65 Jahre oder unter 1 Jahr, neurologische Beeinträchtigung und fehlende Schutzreflexe. Durch einen Maßnahmenpool bestehend aus regelmäßiger Cuffdruckkontrolle, Mundpflege mit antiseptischen Substanzen (z.B. Chlorhexidin), kontinuierlicher Oberkörperhochlagerung sowie der Möglichkeit einer subglottischen Absaugung kann hier eine wesentliche Risikominimierung erfolgen.

Um den Teufelskreislauf bei Patienten mit neurogener Dysphagie (Aspirationsneigung ? geblockte Trachealkanüle ? fehlender Luftstrom zum Larynx/Pharynx ? reduzierte Schleimhautsensibilität ? gestörter Triggermechanismus ? Aspirationsneigung usw.) zu durchbrechen, ist nach Möglichkeit der rasche Einsatz von gesiebten Trachealkanülen (Sprechkanülen) sinnvoll.
Die Phonation und somit Ventilation des Larynx/Pharynx sollten so rasch wie möglich ermöglicht werden.

Gesiebte Trachealkanülen („Sprechkanülen“)

Bei tracheotomierten Patienten mit intakter Glottisfunktion und ausreichendem subglottischem Druck sollte nach Möglichkeit immer die Versorgung mit gesiebten Trachealkanülen angestrebt werden. Die Siebung der Trachealkanüle sollte nicht in direkten Kontakt mit der Trachealmukosa kommen. Dadurch wird die Infiltration von Gewebe in die Siebung vermieden.

Besonders bei Kindern sollte darauf geachtet werden, nach Möglichkeit auf ein Sieb in der Außenkanüle zu verzichten und stattdessen eine ungesiebte Trachealkanüle in einer kleineren Größe zu verwenden.

Durch dachziegelartige Siebungen an der Außenkanüle wird das Eintreten von Sekret in das Tracheobronchialsystem verringert und das spezielle Siebungsverfahren führt zu einer Reduktion der Granulationsbildung. Auf eine durchgehende Fensterung von Trachealkanülen sollte nach Möglichkeit verzichtet werden (Gefahr massiver Gewebeinfiltrationen). Es gibt hier inzwischen auch Optionen, den maschinell beatmeten Patienten (bei entblockter Trachealkanüle) das Sprechen durch Einbau spezieller Sprechventile mit maschineller Beatmung zu ermöglichen. Gerade bei langzeitbeatmeten Patienten können wir hiermit eine zeitweise Kommunikation gewährleisten, mithilfe des Entblockens der Trachealkanüle eine Oralisierung anstreben und somit wesentlich zu einer höheren Lebensqualität beitragen.

Die Blom®-Trachealkanüle mit Cuff ist eine innovative Lösung für alle invasiv beatmungspflichtigen und tracheotomierten Patienten. Durch diese speziell entwickelte Sprechkanüle kann der beatmete, wache und reaktionsfähige Patient selbst bei geblockter Trachealkanüle und maschineller Beatmung phonieren. Durch das Kollabieren einer speziellen Innenkanüle mit Klappenmechanismus erfolgt die Luftstromumleitung in der Exspirationsphase zum Larynx. Während der Inspiration öffnet sich das Klappenventil und das Druckventil verlegt die Phonationsöffnung der Trachealkanüle. Eine volumenund/ oder druckkontrollierte Beatmung ist somit möglich. Zu Beginn der Exspiration schließt sich das Klappenventil, das Druckventil kollabiert und gibt das Phonationsfenster frei. Nun kann die gesamte Exspirationsdauer zur Phonation genutzt werden.

Literatur: