Fachthema

Klassische und moderne Möglichkeiten der Cellulitebehandlung

Jatros, 24.05.2017

Autor:
Katrin Bartsch
Autor:
Benjamin Gehl
Autor:
Dr. Rolf Bartsch
Facharzt für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie, Wien
E-Mail: rolf@drbartsch.at
Quelle:
1 Knobloch K et al: Cellulite and focused extracorporeal shockwave therapy for non-invasive body contouring: a randomized trial. Dermatol Ther (Heidelb) 2013; 3(2): 143- 55 2 Kaminer MS et al: Multicenter pivotal study of vacuum- assisted precise tissue release for the treatment of cellulite. Dermatol Surg 2015; 41(3): 336-47 3 Kaminer MS, Robinson D, Coleman WP 3rd, et al: Multicenter pivotal study of the safety and effectiveness of a tissue stabilized- guided subcision procedure for the treatment of cellulite: 3 year update. Abstract AAD Conference 2016

Plastische Chirurgie | Dermatologie

Dermopanniculosis deformans (Cellulite), oder auch gynoide Lipodystrophie genannt, betrifft fast ausschließlich Frauen. Sie zeichnet sich durch unregelmäßige Reliefveränderungen an der Hautoberfläche der betroffenen Hautareale aus und sorgt somit für die bekannte Dellenbildung an den Oberschenkeln und am Gesäß von Frauen. Cellulite wird zwar als keine Krankheit gewertet, wird aber als ein nicht entzündliches Phänomen mit einer Veränderung in der Subkutis beschrieben.

Ätiologie und Inzidenz

Bei über 80% der weißen weiblichen Bevölkerung tritt Cellulite auf. Ursache dafür ist der unterschiedliche Aufbau der Hautschichten bei Frauen und Männern durch angeborene Bindegewebsschwäche, Adipositas und hormonelle Umstellungen. Bei Frauen verlaufen die Bindegewebsfasern senkrecht zur Hautoberfläche, während sie bei Männern „criss-cross“ verlaufen. In der Folge dringt das Unterhautfettgewebe bis zur Hautoberfläche vor und verursacht die ungeliebten Dellen. Zu weiteren Ursachen für das Auftreten der Dellenbildung zählen die Hautbeschaffenheit, eine verminderte Durchblutung und die Anzahl der Adipozyten.

Bedingt durch die Anordnung der Bindegewebsfasern tritt Cellulite bei Männern sehr selten auf, ausgenommen sind Männer mit Androgendefiziten wie zum Beispiel dem Klinefelter-Syndrom, Patienten mit Hypogonadismus und Patienten, die aufgrund eines Prostatakarzinoms eine Östrogentherapie erhalten haben.

Diagnosestellung

Wichtig ist, die Anamnese exakt zu erheben und die betroffene Patientin nach dem Alter der Erstmanifestation der Cellulite, früheren Traumata, vorausgegangener Fettabsaugung oder Injektionen im betroffenen Hautareal zu befragen. Darüber hinaus sollten chronische vaskuläre oder assoziierte hormonelle Störungen und die Einnahme von Medikamenten, die zur Erhöhung von Fettgewebe im betroffenen Gebiet beitragen können, erhoben werden. Die Diagnose der Cellulite erfolgt während der klinischen Untersuchung des Patienten in stehender Position im sogenannten „twist test“, bei dem die Patientin ihren Oberkörper 90° nach rechts und links dreht. Dadurch können nicht nur statische Cellulitedellen, sondern auch dynamische Veränderungen standardisiert evaluiert werden.

Klassifikation

Die Klassifikation des Cellulitetyps der Patientin sollte vor dem Behandlungsstart erfolgen, um die richtige Wahl des Verfahrens garantieren zu können. Die geläufige Klassifikation von Nürnberger und Müller wurde für die Cellfinabehandlung modifiziert, da dynamische Veränderungen durch Zusammenkneifen der Pobacken nicht behandelt werden sollten.
Die Celluliteklassifikation nach Bartsch beschreibt vier verschiedene Typen von Cellulite, basierend auf den in zwei Situationen beobachteten klinischen Veränderungen.

Cellulite Typ 0: keine Dellenbildung

Cellulite Typ 1:

  • moderate Dellenbildung
  • positiver Dehnungstest: Selbst durch Hochziehen der Haut am Po und Oberschenkel bleiben Dellen bestehen. Es handelt sich um strukturelle Cellulite.



Cellulite Typ 2:

  • starke Dellenbildung
  • positiver Dehnungstest: Selbst durch Hochziehen der Haut am Po und Oberschenkel bleiben Dellen bestehen. Es handelt sich um strukturelle Cellulite.



Cellulite Typ 3

  • moderate Dellenbildung
  • negativer Dehnungstest: Durch Hochziehen der Haut am Po und Oberschenkel verschwinden Dellen teilweise oder ganz. Es handelt sich um nicht strukturelle Cellulite. Die Hauterschlaffung steht hier im Vordergrund.



Cellulite Typ 4

  • starke Dellenbildung
  • negativer Dehnungstest: Durch Hochziehen der Haut am Po und Oberschenkel verschwinden Dellen teilweise oder ganz. Es handelt sich um nicht strukturelle Cellulite. Die Hauterschlaffung steht hier im Vordergrund.

Behandlungsoptionen

Unzählige Cremes und Apparaturen versprechen, die Cellulite zu verringern oder gänzlich zu beseitigen. Doch wer sich schon mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß, dass bisher kein Allheilmittel entwickelt worden ist. Im Folgenden werden die wesentlichsten Behandlungen dargestellt und neue, innovative Behandlungsformen aufgezeigt:

Lymphdrainage und Endermologie

Schlechte Ernährung oder zu wenig Bewegung können dazu führen, dass sich Körperflüssigkeiten subkutan ansammeln und die Cellulitedellen verstärken. Ziel der Lymphdrainage ist eine Verbesserung des lymphatischen Flusses durch Kompression, indem man Lymphe aus dem Gewebe entfernt. Eine Sitzung sollte 30–60 Minuten dauern. Nach 5–6 Wochen mit zwei Behandlungen pro Woche sollte sich das Erscheinungsbild der Cellulite verbessern. Allerdings hält der Therapieeffekt nur an, solange die Lymphdrainage in regelmäßigen Abständen durchgeführt wird. Bei der Endermologie handelt es sich um ein computergestütztes Massageverfahren, vergleichbar mit einer elektrischen Lymphdrainage. Gleich wie die manuelle Lymphdrainage soll das Verfahren Flüssigkeit aus dem Fettgewebe schwemmen und den Stoffwechsel anregen. Auch hier hält der Erfolg nur so lange an, solange man die Behandlung regelmäßig durchführt.

Topische Hautbehandlungen

Es gibt unzählige Cremes, Gels und Salben, die das Erscheinungsbild von Cellulite verbessern sollen. Allerdings fielen bei einer Untersuchung der Stiftung Warentest im Jahr 2009 alle Celluliteprodukte mit dem Urteil „Mangelhaft“ durch. Der Grund hierfür ist, dass die Wirkstoffe in der Epidermis hängen bleiben und die Inhaltsstoffe die tieferen Hautschichten nicht erreichen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen: sogenannte Cosmeceuticals – Kosmetikprodukte mit medizinischer Wirkung. Beispielsweise können Cremen, in denen mindestens 2% Koffein enthalten sind, die Cellulite nachweislich verringern. Allerdings muss hierfür der Wirkstoff in Liposomen verpackt sein, die ihn in die tieferen Hautschichten transportieren.

Stoßwellentherapie

Die Stoßwellenbehandlung stellt eine weitere therapeutische Alternative im Kampf gegen Cellulite dar. In einer randomisiert- kontrollierten Studie von Knobloch et al konnte gezeigt werden, dass die fokussierte extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) in Kombination mit einem glutealen Krafttraining die Dellenbildung um bis zu 30% verringert.1
In der Studie wurde der Storz Duolith , 0,35mJ/mm2, 2 000 Impulse, verwendet, kombiniert mit glutealem Muskelaufbautraining in Form von zwei Übungen mit 3x 15 Wiederholungen. Das Follow- up erfolgte nach 12 Wochen. In der klinischen Praxis wird die fokussierte häufig mit der radialen Stoßwellentherapie kombiniert, um synergistische Effekte zu erzielen. In welcher Form die ESWT die Dellen abschwächt und ob das Verfahren eine langfristige Wirkung hat, bleibt allerdings unklar.

Radiofrequenz

Hochfrequenz hat sich durch die Verwendung von Wärmeenergie für verschiedene ästhetische und dermatologische Anwendungen als sinnvoll erwiesen. Durch die Kollagendenaturierung wird schlaffer Haut entgegengewirkt. Erhitzt man Kollagen, beginnen die empfindlichen Bindungen zu brechen und es kommt zur Kollagenkontraktion. Radiofrequenz ist zur Behandlung von Cellulite nur im geringen Maße geeignet, denn es zielt lediglich auf den Straffungseffekt ab, nicht aber auf die eigentliche Ursache der Cellulite – die Bindegewebsstränge.

Liposuktion – Vaser Smooth®

Die Liposuktion beinhaltet die chirurgische Entfernung von lokalen Ablagerungen des Fettgewebes, um eine ästhetische Körperkontur zu erzielen. Mit dem Verfahren Vaser-Smooth ist es auch möglich, zusätzlich die strukturelle Cellulite zu bekämpfen: Über eine unter die Haut geführte Ultraschallsonde werden die Bindegewebsstränge, die für die Dellenbildung verantwortlich sind, chirurgisch durchtrennt und unförmige Adipozyten entfernt. Der Eingriff dauert rund 1–2 Stunden und wird in der Regel ambulant im Dämmerschlaf durchgeführt. Ein langfristiger Erfolg mit diesem Verfahren ist bei Cellulite Typ 1 und 2 zu erwarten.

Cellfina®

Neu ist die Therapie mit Cellfina®, einer klinisch geprüften, minimal invasiven, ambulanten Behandlung, um das Erscheinungsbild von Cellulite langfristig zu verbessern. Das Besondere daran: Nicht nur die Sicherheit und die Behandlungsmethode selbst, sondern auch die Dauer des Behandlungserfolges sind durch die FDAZulassung und CE-Zertifizierung belegt.

Wirkmechanismus

Die Methode ist minimal invasiv und wirkt gezielt an der strukturellen Ursache der Cellulite, den Bindegewebssträngen, die für die Dellenbildung verantwortlich sind. Mit Cellfina® werden diese Gewebsbänder minimal invasiv durchtrennt, um die strukturellen Ursachen der Cellulite zu beheben.

Behandlungsablauf

Die zu behandelnden Areale werden nach örtlicher Betäubung des Gewebes mittels Vakuum angehoben, sodass die Bindegewebsstränge, welche die Dellen verursachen, minimal invasiv und präzise mit dem Cellfina®-System durchtrennt werden können. Die Behandlung erfolgt ambulant und dauert 60 bis 90 Minuten. Die Patientinnen haben kaum berufliche Ausfallszeiten.

Ergebnisse

Die ersten Behandlungsergebnisse sind nach wenigen Tagen nach der Behandlung sichtbar. Studien belegen, dass 93% der Patientinnen auch 3 Jahre nach der Cellfina®-Behandlung zufrieden sind.3 Dies übersteigt die Patientenzufriedenheit verglichen mit anderen Cellulitebehandlungen deutlich. Die 3-Jahres- Ergebnisse von Cellfina zeigen deutlich, dass bei der richtigen Patientenauswahl lang anhaltende und stabile Ergebnisse erzielt werden können.3

Nebenwirkungen

Es wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen im Zusammenhang mit einer Cellfina®-Behandlung berichtet. Die häufigsten Nebenwirkungen waren leicht und vorübergehend, wie Schmerzhaftigkeit, Druckempfindlichkeit und Hämatome im Behandlungsareal. Bereits drei Tage nach der Behandlung stuften die Patientinnen die Beschwerden als minimal ein; die meisten Patientinnen empfanden Druckschmerz nur bei direkter Berührung oder bei Druck auf die behandelten Areale.2 Über 90% der Patientinnen hatten vier Wochen nach der Behandlung keine Hämatome.2

Conclusio und Ausblick

Cellulite ist ein sehr häufiges Phänomen, das in den letzten Jahrzehnten intensiv untersucht wurde. Cellulite Typ 1 und 2 können mit Verfahren wie Vaser Smooth® oder Cellfina® sehr gut behandelt werden. Bei Typ 3 und 4 steht die Erschlaffung der Haut und des Bindegewebes im Vordergrund und sie sind daher nicht für Verfahren wie Cellfina® oder dem Vaser Smooth® indiziert.
Für die sogenannte weiche Cellulite, Typ 3 und 4, sind neue Kombinationstherapien bereits im Stadium der klinischen Testung und lassen hoffen, dass es auch für diese Patientinnen in absehbarer Zeit eine zufriedenstellende Lösung geben wird.