Fachthema

Update Osteoporose

Bildgebung in der Osteoporosediagnostik

Jatros, 25.05.2017

Autor:
Priv.-Doz. Dr. Jan S. Kirschke
Oberarzt
Abteilung für Neuroradiologie
Klinikum rechts der Isar
Technische Universität München
E-Mail: jan.kirschke@tum.de

Gynäkologie & Geburtshilfe | Orthopädie & Traumatologie

Als häufigste generalisierte Knochenerkrankung tritt die Osteoporose in vielen radiologischen Untersuchungen als „Zufallsbefund“ in Erscheinung und sollte entsprechend erkannt und klassifiziert werden. Im Gegensatz hierzu erfolgt die radiologische Abklärung einer bekannten oder vermuteten Osteoporose mittels Bestimmung der Knochendichte.

Zur Bestimmung der Knochendichte ist momentan die 2-Energien-Röntgen-Absorptiometrie (Dual-energy X-ray absorptiometry, DXA) klinischer Standard. Auch die quantitative Computertomografie (QCT) ist ein in der Routinediagnostik etabliertes Verfahren.

DXA

Durch die Verwendung von Röntgenstrahlen zweier unterschiedlicher Ener­gien gelingt es mit der DXA die Absorption durch den Knochen zu bestimmen und eine Verfälschung durch die Weichteilabsorption weitgehend zu vermeiden. Die Genauigkeit der Methode hat allerdings ihre Grenzen; bei sehr adipösen Menschen wird die Knochendichte über-, bei sehr schlanken Menschen unterschätzt.1 Insbesondere gilt es zu bedenken, dass es sich bei der DXA um ein projektionsradiografisches Verfahren handelt. Es wird daher eine Flächendichte gemessen, die bei degenerativen Wirbelsäulenveränderungen oder Arteriosklerose der Aorta falsch hoch ist.2
Die DXA ist prinzipiell an mehreren Körperregionen einsetzbar, normalerweise werden Messungen an der Wirbelsäule und dem proximalen Femur vorgenommen. Bei der DXA sollte neben der Knochendichte auch der Frakturstatus der Wirbelsäule in einer lateralen Projektion erhoben werden („vertebral fracture assessment“, VFA).3 Mittels DXA wird die Knochendichte in g/cm2 gemessen und bezogen auf ein Normalkollektiv angegeben. Dabei gibt der Z-Score die Anzahl der Standardabweichungen an, um die sich der gemessene Wert von einem altersentsprechenden Normalkollektiv unterscheidet, der T-Score bezieht sich auf ein junges, gesundes Vergleichskollektiv. Die Werte sind zu einem gewissen Grad geräte- bzw. herstellerabhängig, sodass Verlaufsuntersuchungen möglichst am selben Gerät durchgeführt werden sollten.
Während bei älteren Menschen vorwiegend der T-Score verwendet wird (entsprechend ist ja auch die Osteoporose durch die WHO „definiert“), darf bei Patienten unter 30 Jahren nur der Z-Score verwendet werden. Die Knochendichte, bei Erwachsenen als T-Score ausgedrückt, muss stets im Zusammenhang mit anderen klinischen Risikofaktoren interpretiert werden.

QCT

Die quantitative Computertomografie misst im Gegensatz zur DXA eine echte Knochendichte, die in mg/cm3 angegeben wird. Die Messung erfolgt normalerweise an der Lendenwirbelsäule durch Mittelung der Werte von LWK1 bis LWK3. Dabei kann die Messung anhand einzelner Schnittbilder oder anhand eines 3D-Datensatzes erfolgen. Neuere Software erlaubt auch Messungen am proximalen Femur. Durch die dreidimensionalen Messungen bei der QCT werden Fehler durch Überlagerung von Aortenkalk und Spondylarthrosen vermieden. Der Präzisionsfehler der QCT ist mit 3% etwas größer als der der DXA, was allerdings dadurch ausgeglichen wird, dass der Stoffwechsel des trabekulären Knochens deutlich höher ist als der des kortikalen Knochens und so auch der zu erwartende jährliche Knochenverlust höher ausfällt. Daher ist die Zeit zwischen Verlaufsuntersuchungen, innerhalb der signifikante Veränderungen erwartet werden können, ebenso mit etwa zwei bis drei Jahren anzusetzen.
Die QCT sollte als Alternative zur DXA eingesetzt werden, wenn diese bei Überlagerungen, Skoliose oder starken degenerativen Veränderungen nicht durchführbar ist oder wenn ein schneller, trabekulär betonter Knochenverlust zu erwarten ist, zum Beispiel unter Steroid-Therapie. Zur Interpretation der Ergebnisse hat sich eine Einteilung mit festen Dichte-Grenzwerten etabliert: Eine Hydroxylapatit-Dichte über 120mg/cm3 entspricht einem Normalbefund, zwischen 80 und 120mg/cm3 einer Osteopenie und unter 80mg/cm3 Osteoporose. Liegt der Wert unter 50mg/cm3 ist die Frakturgefahr deutlich erhöht. Im Gegensatz zur DXA darf bei der QCT ein eventuell von der Software errechneter T-Score nicht verwendet werden, da dieser den Knochenverlust überschätzt und so die Prävalenz der Osteoporose deutlich höher wäre. Neben der Messung der Knochendichte muss eine QCT-Untersuchung auch immer eine Analyse des Frakturstatus im seitlichen Scout View beinhalten.

 

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Literatur: