Fachthema

Schwangerschaft und Geburtshilfe

Schwangerschaft im 5. Lebensjahrzehnt

Jatros, 25.05.2017

Autor:
Dr. Alexandra Perricos
Universitätsklinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien
E-Mail: alexandra.perricos@meduniwien.ac.at
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Martin Langer
Universitätsklinik für Frauenheilkunde
Medizinische Universität Wien

Gynäkologie & Geburtshilfe

Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der ersten Geburt stieg in den letzten Jahrzehnten stetig an. Aufgrund der damit verbundenen erschwerten spontanen Konzeption wird vermehrt auf die ver­schie­denen Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung zurückgegriffen, sei es In-vitro-Fertilisation mit autologen Eizellen oder Eizellspende. Wir haben in einer retrospektiven Studie den Einfluss des Konzep­tionsmodus auf den Verlauf der Schwanger­schaft und auf das neo­natale Outcome bei Frauen im Alter über 40 Jahre untersucht.

Keypoints

  • Schwangerschaften im 5. Lebensjahrzehnt sind per se Risikoschwangerschaften, die nur in einem Perinatalzentrum betreut werden sollten.
  • Der Konzeptionsmodus hatte in unserem Kollektiv deutlichen Einfluss auf wesentliche geburtshilfliche Parameter, und zwar sowohl die mütterliche als auch die kindliche Morbidität betreffend.
  • Patientinnen sollten vor einer Eizellspende über mögliche Risiken aufgeklärt werden. Eine klinisch-psychologische Begleitung ist integrierender Bestandteil des Betreuungskonzeptes.

Hintergrund

Das durchschnittliche Alter von Frauen bei der ersten Geburt stieg in den letzten Jahrzehnten stetig an und liegt bereits bei über 30 Jahren. Patientinnen zwischen 35 und 39 Jahren und jene zwischen 40 und 50 Jahren sind darunter die am stärksten zunehmende Gruppe, der Anteil der Frauen im 5. Lebensjahrzehnt an allen Gebärenden beträgt derzeit knapp 5%. Viele Berufsgruppen sind durch die erhöhte Morbidität dieser Frauen herausgefordert: Reproduktionsmediziner, Pränataldiagnostiker, Internisten, Geburtshelfer, Hebammen und Neonatologen. Die Belastungen der Konzeption, der Schwangerschaft und vor allem der Elternschaft bei Paaren über 40 Jahre werden von den Betroffenen häufig unterschätzt und führen zu akuten Belastungsreaktionen, die durch klinische Psychologen betreut werden müssen.

Eigene Daten

Wie schon in mehreren Studien gezeigt wurde, sind ein erhöhtes mütterliches Alter sowie auch die verschiedenen Methoden der künstlichen Befruchtung mit erhöhter Morbidität in der Schwangerschaft verbunden. Insbesondere daraus resultierende Mehrlingsschwangerschaften bedeuten eine massive Belastung für die betroffenen Frauen. Wir haben daher den Einfluss des Konzeptionsmodus auf den Verlauf der Schwangerschaft und auf das neonatale Outcome untersucht.

Material und Methoden

In einer retrospektiven Studie haben wir die Daten von Schwangeren, die bei der Geburt ≥40 Jahre alt waren, analysiert. Die Patientinnen wurden im Zeitraum von 1/1/2011 bis 31/12/2013 an der Universitätsfrauenklinik Wien betreut. Es wurden drei Gruppen gebildet: Eizellspende (EZ), IVF mit autologen Eizellen (IVF) und Spontankonzeption (SK).
Zielparameter waren unter anderem Präeklampsie, Gestationsdiabetes, Mehrlingsrate, Hospitalisierung, Geburtsmodus und das fetale Outcome.

Ergebnisse

263 Patientinnen wurden in unsere Studie eingeschlossen (EZ 47, IVF 72, SK 144). Zwischen der EZ-Gruppe und den beiden anderen Gruppen zeigten sich in mehreren relevanten Parametern deutliche Unterschiede: Alter (44,9 vs. 41,6 vs. 41,3 Jahre), Mehrlingsrate (48,9% vs. 36,1% vs. 3,5%; p<0,001) und Präeklampsie- (21,3% vs. 10,1% vs. 4,6%; p=0,004) sowie Sectiofrequenz (91,5% vs. 72,3% vs. 56,3%; p<0,001) waren signifikant höher, Gestationsalter (34,04 vs. 35,31 vs. 37,5 SSW; p<0,001), Geburtsgewicht (2320g vs. 2566g vs. 3007g; p=0,001), aber auch das Vorkommen von Aborten/IUFT und Chromosomenanomalien waren signifikant niedriger in der EZ-Gruppe. Wir beobachteten keine mütterliche Mortalität und keine perinatale Mortalität bei Kindern >SSW 28. Von der begleitenden psychologischen Betreuung wissen wir, dass mehrere Patientinnen akute Belastungsreaktionen auf die Anforderungen von Schwangerschaft, Geburt und Elternschaft hatten.

 

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Literatur: