Fachthema

ERS 2016

Infektiöse Pneumonie: weniger Mortalität durch Statine

Jatros, 06.10.2016

Bericht:
Quelle: ERS International Congress, 3.–7. September 2016, London
Pneumologie

Pneumonien („community-acquired pneumonia“, CAP) sind im Krankenhaus häufige Erkrankungen mit nicht zu unterschätzender Morbidität und Mortalität. Häufig eingenommene Medikamente scheinen den Verlauf zu beeinflussen.

Patienten, die wegen einer Lungenentzündung hospitalisiert werden, zeigen bessere Chancen, zu überleben, wenn sie vor Ausbruch der Erkrankung ein Statin und einen Angiotensinrezeptorblocker (ARB) eingenommen haben. Zu diesem überraschenden Ergebnis gelangte eine vom amerikanischen National Institute of Health finanzierte Studie. „Statine und ARB werden häufig zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse eingesetzt. Sie haben unter anderem auch immunmodulatorische Wirkungen und es gibt Hinweise darauf, dass sie im Zusammenhang mit Infektionskrankheiten die Mortalität senken könnten“, sagt Prof. Dr. Eric Mortensen vom UT South­western Medical Center. Dieser Hypothese wurde nun mit einer retrospektiven Studie zu hospitalisierten Veteranen in den USA nachgegangen.1 Eingeschlossen waren Patienten, die seit mindestens einem Jahr im Veteran- Affairs-Versorgungsprogramm waren, ein Alter von mindestens 65 Jahren hatten, mit einer Pneumoniediagnose nach ICD-9 hospitalisiert worden waren und innerhalb von 48 Stunden Antibiotika erhalten hatten. Erhoben wurden auch wichtige klinische und demografische Fakten wie unter anderem Komorbiditäten, die Einnahme anderer Medikamente, Rauchen, Aufnahme in die Intensivstation. Endpunkte der Studie waren Mortalität, Behandlung auf der Intensivstation und mechanische Beatmung. Von den über 50.000 Patienten in der Kohorte nahmen 30,8% ein Statin, aber nur 2,2% ein Statin und einen ARB ein. Die Auswertung zeigte, dass Patienten, die Statin und ARB einnahmen, im Falle einer Hospitalisierung wegen Pneumonie signifikant bessere Chancen hatten zu überleben als Patienten, die diese Kombination nicht einnahmen. Sowohl Statin alleine (OR: 0,63; 95% CI: 0,57–0,69) als auch ARB alleine (OR: 0,69; 95% CI: 0,54–0,88) und die Kombination (OR: 0,40; 95% CI: 0,31–0,52) waren mit reduzierter Mortalität assoziiert. Die Effekte waren noch deutlicher, wenn die Medikamente nicht nur vor der Hospitalisierung, sondern auch im Krankenhaus eingenommen wurden.

Komplikationen infolge von NSAR-Einnahme in Diskussion

Im Gegensatz zu Statinen und ARB könnten sich nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) ungünstig auf den Verlauf einer CAP auswirken. Viele Patienten nehmen vor ihrer Spitalseinlieferung wegen CAP NSAR ein – zum Teil als OTC-Produkte, zum Teil aber auch auf ärztlichen Rat. Dass das negative Konsequenzen haben könnte, wird seit einiger Zeit diskutiert. Eine französische Kohortenstudie ging nun der Assoziation von NSAR-Einnahme mit den Endpunkten komplizierter parapneumonischer Erguss, Empyem und Lungenabszess nach.2 Analysiert wurden die Daten von 244 Patienten, von denen 25 NSAR eingenommen hatten. Die Auswertung ergab bei diesen Patienten eine Komplikationsrate von 36%, was deutlich über der Komplikationsrate von 17,1% liegt, die bei Patienten festgestellt wurde, die keine NSAR eingenommen hatten. Allerdings zeigten sich zahlreiche Störfaktoren. So war beispielsweise bei den NSAR-Patienten die Krankheitsdauer vor der Hospitalisierung deutlich länger, die Patienten waren im Schnitt jünger und hatten weniger Komorbiditäten. In bivariaten und multivariaten Analysen blieben allerdings NSAR-Einnahme und Alkoholabusus als Risikofaktoren für einen komplizierten Verlauf der Pneumonie signifikant. Einflüsse auf die Mortalität wurden jedoch nicht gefunden. In einer Subgruppenanalyse wurden Patienten ausgeschlossen, die bereits bei Krankenhausaufnahme eine komplizierte CAP zeigten. In der verbleibenden Population war die Assoziation von NSAR-Einnahme mit Komplikationen im Verlauf noch deutlicher.

Literatur: