Fachthema

Elektrokardiografische ­Hypertrophiezeichen

Jatros, 17.12.2015

Autor:
Dr. Andrea Zittmayr
Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie,
­Intensivmedizin, Klinikum Wels-Grieskirchen
E-Mail: andrea.zittmayr@klinikum-wegr.at
Autor:
Dr. Markus Suppan
Abteilung für Innere Medizin II, Kardiologie,
­Intensivmedizin, Klinikum Wels-Grieskirchen
E-Mail: markus.suppan@klinikum-wegr.at

Kardiologie & Gefäßmedizin

Zwar ist die Echokardiografie der Goldstandard zur Beurteilung morphologischer Veränderungen des Herzens, dennoch finden sich im 12-Kanal-Oberflächen-EKG oftmals charakteristische Veränderungen, welche mit ­entsprechenden strukturellen Pathologien, wie beispielsweise der Hypertrophie, korrelieren. Pathogenetisch liegt einer Hypertrophie eine chronische Volums- oder Druckbelastung des Myokards zugrunde, wovon beide Ventrikel, also sowohl der linke Ventrikel als auch der rechte Ventrikel, betroffen sein können.

Chronische Druckbelastung
Die häufigsten einer chronischen Druckbelastung des Myokards zugrunde liegenden Krankheitsbilder wären die arterielle Hypertonie für die Linksventrikelhypertrophie oder aber die pulmonale Hypertension für die Rechtsventrikelhypertrophie. Aber auch Klappenvitien, wie beispielsweise eine Aortenklappenstenose, führen über eine chronische Druckbelastung des Myokards zur Ausbildung einer Linksventrikelhypertrophie.

Chronische Volumsbelastung
Im Gegensatz dazu steht die chronische Vo­lumsbe­lastung bei Klappenvitien, wie etwa bei Mitralklap­peninsuffizienz oder Aortenklappen­insuffizienz, wel­che über eine chronische Volums­belastung zur Dila­tation des linken Ventrikels und reflektorisch zur Steigerung der Kontraktilität wiederum zur Hypertrophie führen.

Hypertrophiezeichen im EKG

  • Lagetyp: Form- und Lageänderung des hypertrophierten Herzens führen auch zu einer charakteristischen elektrischen Lageveränderung und damit zu einer Änderung des Lagetyps. Hinweisend für eine Links­­­herzhypertrophie ist das Vorliegen eines Links­lage­typs oder überdrehten Linkslagetyps, im Falle einer Rechtsherzhypertrophie liegt meist ein Steil-, Rechts- oder überdrehter Rechtslagetyp vor.
  • Amplitudenvergrößerung: Durch die Zunahme der Muskelmasse kommt es generell zu einer Zunahme der R-Amplitude.
  • veränderte Reizleitung/Repolarisationsstörungen: Durch Zunahme der myokardialen Masse und Wandstärke kann auch die intraventrikuläre Erregungsausbreitung verändert bzw. gestört sein, wodurch beispielsweise ein Schenkelblock entstehen kann. Damit einhergehend finden sich auch – zumeist unspezifische – Endstreckenveränderungen wie ST-Streckensenkungen oder T-Negativierungen.

Die im klinischen Alltag auch aufgrund der Praktikabilität am häufigsten herangezogene Messgröße zur Quantifizierung der Hypertrophie ist der sogenannte Sokolow-Lyon-Index. Hierbei spricht man von einer Linksventrikelhypertrophie, wenn die Summe der S-Amplitude in V1 oder V2 und der R-Amplitude in V5 oder V6 mehr als 3,5mV beträgt. Im Falle einer Rechtsventrikelhypertrophie ist die Summe der R-Amplitude in V1 oder V2 und der S-Amplitude in V5 oder V6 größer als 1,05mV.

Literatur: