Fachthema

Viszerales Fett: die Gefahr lauert im Bauch

Jatros, 01.03.2010
Diabetologie & Endokrinologie

Der Hauptanteil der österreichischen Bevölkerung ernährt sich zu fett und zu zuckerreich. Schnell resorbierbare und in Fett umwandelbare Nährstoffe wie Fette und Zucker begünstigen die Entwicklung des „Wohlstandsbauches“ und des viszeralen Fettes. Dieses viszerale Fett ist, anders als das von außen sichtbare Fett, tief im Körper versteckt und lagert sich dort um die lebenswichtigen Organe im Bauchraum ab.

„Viszerales Fett ist nicht einfach nur passiv im Körper vorhanden, sondern kann zur Entstehung ernsthafter Gesundheitsprobleme wie zum Beispiel Typ‐2‐Diabetes, Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen und Schlaganfälle beitragen“, erklärt Univ.‐Prof. Dr. Hermann Toplak die unterschätzte Gefahr. In der heutigen Zeit ist Bewegungsmangel, bedingt durch „sitzende“ Berufe und den Trend zu erhöhtem TV‐ und Computerkonsum, in Kombination mit zu fettreicher Ernährung auch bereits bei Jugendlichen ein wachsendes Problem. Toplak warnt deshalb vor den gesundheitlichen Auswirkungen des viszeralen Fettes: „Je mehr viszerales Fett in nahrungsfreien Perioden zur Verfügung steht, desto stärker ist die Bildung freier Fettsäuren. Die freien Fettsäuren stören die Insulinwirkung am Muskel selbst, fördern damit eine bereits bestehende Insulinresistenz und erhöhen weiter den Insulinbedarf. Das fördert die Entstehung von Glukosetoleranzstörungen und Diabetes.“

Viszerales Fett gab es schon immer

Wir tragen das viszerale Fett evolutionsbiologisch bedingt mit uns herum. Unsere Vorfahren, die als Jäger und Sammler über lange Zeit ohne Nahrung auskommen mussten, entwickelten die Fähigkeit, inneres Bauchfett zu speichern. Dieses Fett kann schneller abgebaut werden als andere Fettarten und ist damit zur raschen Energiefreisetzung geeignet. Diese in Urzeiten entwickelten Stoffwechselmechanismen sollen uns auch heute noch davor bewahren, zu stark abzumagern.

Da wir in unserer heutigen Gesellschaft aber wesentlich weniger körperlich für unser Essen arbeiten müssen, lagern sich gefährliche Mengen viszeralen Fettes in unserem Körper ab. Die bisher unterschätzte Gefahr im Bauchraum liegt in der erhöhten Stoffwechselaktivität der viszeralen Fettzellen.

Auch das Geschlecht hat einen Einfluss auf die Einlagerung von viszeralem Fett. Männer haben ein wesentlich höheres Risiko als Frauen. Vor allem der sogenannte „Wohlstandsbauch“ ist ein Indikator für eingelagertes viszerales Fett. Das Alter begünstigt ebenso die Bildung von viszeralem Fett, da der Stoffwechsel mit zunehmender Anzahl von Lebensjahren träger wird und damit auch der Fettabbau verlangsamt wird. Nach den Wechseljahren erhöht sich bei Frauen das Risiko für inneres Bauchfett.

Äußerlich schlanke Menschen ohne sichtbaren Bauchansatz können auch viszerales Fett in sich tragen. Ursache dafür kann ein Zuviel an Zucker und Fett in der Nahrung wie auch mangelnde Bewegung sein.

„Der Bauch“ ist Risikofaktor Nummer 1

Toplak erklärt: „Fettgewebe ist stoffwechselaktiv und produziert Hormone. Das heißt, viszerales Fett ist nicht einfach nur passiv im Körper vorhanden, sondern es ist aktiv und kann zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Fettstoffwechselstörungen sagen epidemiologisch gesehen sehr viel über die Lebenserwartung aus.“ Die Gesamtcholesterinwerte allein können etwa 2/3 der Gesamtinformation über die Lebenserwartung einer Population vermitteln. Berücksichtigt man eventuelle Adipositas und die Fettverteilung, so kann die Aussagekraft noch verbessert werden. Selbst wenn die sogenannte hüftbetonte Adipositas (Birnenform) vorliegt, die als etwas günstiger betrachtet wird und bei der kardiovaskuläre Folgen weniger schwerwiegend sind, können die Patienten nicht als gesund bezeichnet werden. Bei der bauchbetonten viszeralen Adipositas (Apfelform) ist allerdings eine deutlich höhere Morbidität gegeben. Zudem erhöht die bauchbetonte Fettverteilung das Risiko für Herz‐Kreislauf‐Erkrankungen etwa auf das Zweifache.

Bester Indikator für überschüssiges viszerales Fett ist die Messung des Bauchumfangs: Ab einem Bauchumfang von 100cm bei Männern und 90cm bei Frauen erhöht sich das Risiko für Herz‐Kreislauf-Erkrankungen um fünf Prozent pro cm. Ab einem Bauchumfang von 94cm bei Männern und 80cm bei Frauen besteht bereits ein leicht erhöhtes Risiko. Deutlich erhöht ist das Risiko ab 102cm bei Männern und ab 88cm bei Frauen. Daher sollte ab 94 bzw. 80cm eine Lebensstiländerung vorgenommen werden, um das Risiko für Folgeerkrankungen zu verringern. Denn für das kardiovaskuläre Risiko ist weniger das Ausmaß des Übergewichts als vielmehr die Fettverteilung von Bedeutung. Besonders nachteilig wirken sich hier Fettdepots im Bauchraum und an den inneren Organen aus.

Evolution rückwärts?

„Die medizinischen Errungenschaften der letzten Jahrzehnte lassen die Menschen älter und älter werden. Diese positive Entwicklung wird aber ein abruptes Ende finden, wenn wir unseren ungesunden Lebensstil nicht ändern“, warnt Univ.‐Prof. Dr. Michael Kunze vor den Langzeitfolgen von Übergewicht. Im Kontext der Übergewichtsproblematik sind die Folgeerkrankungen die größte Gefahr für die Patienten selbst und eine enorme Belastung für das Gesundheitssystem.

Gewichts- und Fettreduktion als dringliche Maßnahmen

Viszerales Fett produziert auch in der körperlichen Ruhephase Fettsäuren, welche rund um die Uhr in die Blutzirkulation gelangen und langfristig die Muskulatur insulinresistent machen können. Deshalb haben die Gewichts‐ und die Fettreduktion oberste Priorität, um Erkrankungen zu vermeiden. Einzig zielführende Methode dafür ist eine Kombination aus täglicher körperlicher Aktivität und einem geänderten Essverhalten. Studien der vergangenen Jahre belegen nach Toplak die Gefahr des metabolischen Syndroms und die Notwendigkeit, den Lebensstil zu ändern. „Keine andere Therapie beeinflusst den Stoffwechsel so positiv wie eine Lebensstilintervention“, so Toplak. Die Senkung von Blutzucker, Blutdruck, Blutfetten, LDL‐ und Gesamtcholesterin und die Erhöhung des guten HDL‐Cholesterins sind ebenso festzustellen wie die Senkung von Entzündungsparametern. Waage und Maßband sowie die Körperfettmessung sind integrale Bestandteile einer vernünftigen Gesundheitsvorsorge bzw. einer nachhaltigen Therapie.

Auch Univ.‐Prof. Dr. Bernhard Ludvik ermahnt: „Die Zunahme von übergewichtigen Personen in Österreich ist dramatisch. Wir haben über zehn Jahre hindurch eine Zunahme der krankhaft übergewichtigen, adipösen Patienten um 30%. Wir müssen befürchten, dass auf diese Welle der Zunahme des Übergewichts auch eine Diabetes‐Epidemie folgt. Das wäre auch für das Gesundheitssystem eine Katastrophe, da wir es aufgrund der Folgeerkrankungen nicht mehr finanzieren könnten. Schon eine geringe Gewichtsabnahme und Reduzierung des viszeralen Fettes bringen große Vorteile für die Gesundheit.“

Das Mantra aller Gesundheitsexperten für eine langfristige und dauerhafte Gewichtsreduktion lautet seit Jahren: den Lebensstil ändern! – sowohl das Ernährungsverhalten als auch den Zugang zu Bewegung.

Verringerung von innerem Bauchfett

Die medikamentöse Unterstützung durch die Abnehmpille alli® mit dem Wirkstoff Orlistat (60mg) hilft auch beim Abbau des viszeralen Fetts. Teilnehmer einer Studie nahmen in drei Monaten rund 5% ihres Körpergewichts ab und verloren so durchschnittlich 10% des gefährlichen viszeralen Fetts. Erfreulicherweise hatte sich bei den Teilnehmern auch der Bauchumfang um durchschnittlich 4,7cm signifikant verringert. Schon eine geringe Gewichtsabnahme von 5–10% reduziert Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck, Typ‐2‐Diabetes und Fettstoffwechselstörungen.

Die Einnahme von alli in Verbindung mit einer kalorien‐ und fettreduzierten Diät ermöglicht Anwendern, bis zu 50% mehr abzunehmen als mit einer Diät allein und gleichzeitig dem gefährlichen Bauchfett zu Leibe zu rücken.

Dabei ist alli keine „Wunderpille“, sondern unterstützt effektiv die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Erwachsenen mit einem BMI von 28kg/m2 oder darüber. alli blockiert im Darm die Aufnahme von ungefähr einem Viertel der mit der Nahrung zugeführten Fette in den Körper. Das unverdaute Fett wird einfach mit dem Stuhl wieder ausgeschieden. Grundsätzlich wird alli dreimal täglich zu fettreduzierten (aber fetthaltigen) Mahlzeiten bzw. bis spätestens eine Stunde danach in Kapselform unzerkaut eingenommen.

Quelle: Pressekonferenz „Echt Fett! Viszerales Fett: Die unterschätzte Gefahr im Bauch“

Fotos: © alli / anna rauchenberger