Fachthema

Tumornachsorge bei uterinen Sarkomen

Jatros, 29.05.2010
Onkologie | Hämatologie

Die Diagnostik uteriner Sarkome erfolgte in der Vergangenheit zumeist durch eine schematisierte und einheitliche Abfolge verschiedener diagnostischer Verfahren. In den letzten Jahren entwickelte sich die Nachsorge von Tumorleiden allgemein wie auch speziell bei den uterinen Sarkomen mehr hin zu einer individualisierten Betreuung, die sich zunehmend an der individuellen Tumorbiologie und an der klinischen Symptomatik der Patientinnen orientiert.


Das wesentliche Ziel der Tumornachsorge ist die Früherkennung der Tumorpersistenz oder eines Rezidivs. Dabei wird der apparative Aufwand der Bildgebung reduziert.

Die malignen mesenchymalen Tumoren des Corpus uteri werden nach der histopathologischen Klassifikation der WHO in niedrig maligne endometriale Stromasarkome (ESS), undifferenzierte endometriale Sarkome (UES) und Leiomyosarkome (LMS) unterteilt.1 Die ESS treten im Gegensatz zu anderen Uterustumoren bevorzugt bei jüngeren Frauen auf und sind mit einer mittleren Überlebensrate von 67% nach 5 Jahren verbunden.2 Charakteristisch für diese Tumoren sind indolentes Wachstum und ausgesprochene Spätrezidive, nahezu jede zweite primär operierte Frau entwickelt ein Rezidiv im Becken bzw. im Abdomen.1 Die UES sind hingegen zum Zeitpunkt der Erstdiagnose aufgrund des aggressiven Wachstums zumeist bereits metastasiert und führen in der Regel innerhalb von drei Jahren nach Primäroperation zum Tod.3, 4 Die Inzidenz der LMS ist ähnlich niedrig wie die der ESS und wird mit 0,4/100.000 Frauen angegeben.1, 5 Im Gegensatz zum Endometriumkarzinom besteht bei Nulliparität, Fettleibigkeit, Diabetes mellitus oder arterieller Hypertension kein erhöhtes Risiko für LMS. Die durchschnittliche 5-Jahres-Überlebensrate beträgt bei dieser Entität nur 15–25%.6, 7 Am häufigsten treten Rezidive in den ersten beiden Jahren nach Diagnosestellung auf.6–9

Differenzierung der Tumornachsorge begründet?

Aufgrund der stark differenten biologischen Wertigkeit der einzelnen Entitäten uteriner Sarkome stellt sich die Frage, ob eine Differenzierung der Tumornachsorge begründet ist. In unserer Studie untersuchten wir retrospektiv die Zeitintervalle zwischen Primäroperation und Rezidiv sowie die Lokalisation von Metastasen von ESS, UES und LMS im Zeitraum von 1984 bis 2009. In diesem Zeitraum wurden 8 Frauen mit ESS und 16 Frauen mit LMS behandelt, es fand sich keine Patientin mit UES. Von den 8 primär operierten Patientinnen mit ESS hatten 4 Frauen Rezidive. Bei 2 Frauen fanden sich pelvine bzw. paraortale Lymphknotenmetastasen nach 25 bzw. 38 Monaten. 2 weitere Frauen hatten Lokalrezidive nach 96 bzw. 104 Monaten. Das ergibt ein durchschnittliches Rezidivintervall von 65 Monaten, also knapp 5,5 Jahren bei den ESS. Bei den LMS kam es im Mittel nach 8,3 (2–24) Monaten, also nach weniger als 1 Jahr, zu einem Rezidiv. Die Rezidive traten bei den LMS sowohl lokal im Bereich des Beckens als auch am Scheidengrund auf.

Heterogenität des biologischen Verhaltens

In Übereinstimmung mit den Angaben in der Literatur ist das biologische Verhalten uteriner Sarkome nach Primäroperation different. Während die Rezidivdiagnostik der LMS und der UES vom zeitlichen Aspekt her auf die ersten 2 postoperativen Jahre fokussiert werden sollte, erscheint die Konzentration von Maßnahmen der Nachsorge für R0-resezierte ESS erst ab 2 Jahren nach Operation begründet. Ausgesprochene Spätrezidive können bei den ESS vorkommen.

Es gibt nach wie vor keine einheitlichen Angaben über die Tumornachsorge bei Uterussarkomen. Eine Individualisierung der Nachsorge uteriner Sarkome erscheint allerdings angebracht und könnte neben medizinökonomischen Aspekten auch wichtige psychoonkologische Implikationen haben.

Referenzen:

1 D'Angelo E, Prat J: Uterine sarcomas: a review. Gynecol Oncol 2010; 116(1): 131-9

2 Bartosch C, Exposito MI, Lopes JM: Low-grade endometrial stromal sarcoma and undifferentiated endometrial sarcoma: a comparative analysis emphasizing the importance of distinguishing between these two groups. Int J Surg Pathol 2010; 18(4): 286-91

3 Berchuck A, Rubin SC, Hoskins WJ, Saigo PE, Pierce VK, Lewis JL Jr: Treatment of endometrial stromal tumors. Gynecol Oncol 1990; 36(1): 60-5

4 Moinfar F, Azodi M, Tavassoli FA: Uterine sarcomas. Pathology 2007; 39(1): 55-71

5 Lin JF, Slomovitz BM: Uterine sarcoma 2008. Curr Oncol Rep 2008; 10(6): 512-8

6 Berchuck A, Rubin SC, Hoskins WJ, Saigo PE, Pierce VK, Lewis JL Jr: Treatment of uterine leiomyosarcoma. Obstet Gynecol 1988; 71: 845-50

7 Burns B, Curry RH, Bell ME: Morphologic features of prognostic significance in uterine smooth muscle tumors: a review of eighty-four cases. Am J Obstet Gynecol 1979; 1; 135(1): 109-14

8 Hart WR, Billman JK Jr: A reassessment of uterine neoplasms originally diagnosed as leiomyosarcomas. Cancer 1978; 41(5): 1902-10

9 Kahanpää KV, Wahlström T, Gröhn P, Heinonen E, Nieminen U, Widholm O: Sarcomas of the uterus: a clinicopathologic study of 119 patients. Obstet Gynecol 1986; 67(3): 417-24


 

Autor: Dr. Daniela Ulrich, Dr. Olaf Reich, Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Medizinische Universität Graz