Fachthema

Impfmedizin

Das Wiener Impfkonzept

Jatros, 19.12.2019

Interview-Partner:
Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch
Leiter der 4. Medizinischen Abteilung im SMZ Süd, Wien
E-Mail: christoph.wenisch@wienkav.at
Interview geführt von:
Dr. Norbert Hasenöhrl

Infektiologie

Um gute Durchimpfungsraten zu erreichen, sind niederschwellige Umsetzungskonzepte auf Basis des Österreichischen Impfplans notwendig. Diesen Zweck verfolgt das Wiener Impfkonzept, das stufenweise ausgebaut wird, wie Prim. Univ.-Doz. Dr. Christoph Wenisch, Leiter der 4. Medizinischen Abteilung im SMZ Süd, Wien, erläutert.

Was ist das Wiener Impfkonzept und in welchem Verhältnis steht es zum Österreichischen Impfplan?
C. Wenisch: Der Österreichische Impfplan ist natürlich die Grundlage und sozusagen der strategische Plan, der viele Informationen zu den empfohlenen Impfungen enthält. Allerdings klafft in manchen Bereichen eine Lücke zwischen dem Impfplan und der Realität – man denke nur an die Durchimpfungsraten gegen Influenza. Wenn aber solche Impfempfehlungen bei denjenigen Personen, die geschützt werden sollen, nicht ankommen, bedeutet das höhere Morbidität und Mortalität. In Wien hat man erkannt, dass die Gesundheitsbehörde nicht allein für Impfungen zuständig sein kann. Hier ist Kooperation mit der Ärzteschaft notwendig, in erster Linie im niedergelassenen Bereich.
Die Wiener „Impflandschaft“ besteht aus den Impfstellen der MA15, den niedergelassenen Kinderärzten und Allgemeinmedizinern, den Ambulatorien der Gebietskrankenkasse und den reisemedizinischen Ordinationen. Hier gibt es derzeit noch teils erhebliche Preisunterschiede.

Welche Maßnahmen sind in diesem Bereich zu setzen?
C. Wenisch: Zunächst einmal muss die Impfmedizin verpflichtender Bestandteil der medizinischen Ausbildung werden, was leider noch immer nicht der Fall ist. Der Zugang zur Impfung muss niederschwellig und breit sein. Hier muss es entsprechende Internet-basierte Angebote geben. Das Wiener Impfkonzept sieht eine Plattform vor, die in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer, der Apothekerkammer und der MA15 als steuernder Stelle entwickelt wird. Es soll ein Anmeldesystem geschaffen werden, sowohl telefonisch als auch über das Internet. Die Website https://impfservice. wien gibt es bereits, das Angebot wird aber laufend ausgebaut.

Was ist denn die Rolle Ihrer Abteilung?
C. Wenisch: Wir bringen uns über zwei Schienen ein: einerseits über die Reisemedizin, andererseits über die Impfausbildung. Seit Dezember 2019 können über https://impfservice.wien auch bei uns Impftermine eingetragen werden. Und wir beginnen dann auch mit der kontinuierlichen impfmedizinischen Ausbildung von Ärzten.
In der nächsten Phase, die 2020 starten wird, werden auch alle Bezirksgesundheitsämter in dieses zentrale Anmeldesystem einbezogen. Gleichzeitig wird allen niedergelassenen Ärzten auf dem Weg über die Ärztekammer angeboten, sich über dieses System bebuchen zu lassen. Das bedeutet für den niedergelassenen Arzt wenig Aufwand, er muss nur angeben, wie viele Termine er wann zu vergeben hat.
Das System bezieht natürlich auch vorbereitend schon den elektronischen Impfpass ein, der ja demnächst kommen soll und sich in dieses System einpflegen lässt. Da ist auch eine Erinnerungsfunktion vorgesehen, wenn man seine Telefonnummer angibt.

Und ein Fernziel ist, dass eine bestimmte Impfung bei allen Anbietern gleich viel kostet?
C. Wenisch: Ja, daran wird gearbeitet. In Oberösterreich gibt es so ein Modell bereits für die Influenza-Impfung, das wollen wir gern auch so gestalten. Verhandlungen für Wien laufen.

Wir danken für dieses Gespräch!