Fachthema

Systemische Therapie von Hirnmetastasen – es tut sich was

Jatros, 26.12.2019

Autor:
Prim. Dr. Johannes Andel
Leiter der Abteilung für Innere Medizin II
Klinikum Steyr
E-Mail: johannes.andel@ooeg.at

Onkologie | Neurologie

Metastasen sind die häufigsten Tumoren des Gehirns, sie treten deutlich häufiger als primäre Tumoren des Gehirns auf. Hirnmetastasen sind zudem eine zunehmende klinische Herausforderung.

Die steigende Prävalenz von Hirnmetastasen kann zum Teil dadurch erklärt werden, dass wirksamere Therapien extrakranielle Tumormanifestationen immer besser unter Kontrolle bringen, diese Behandlungsverfahren im Gehirn aber nicht immer optimal wirken. Tumorzellen von Hirnmetastasen weisen unterschiedliche Charakteristika auf, die es ihnen ermöglichen, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, sich im Gehirn zu kolonisieren und im hirneigenen Mikromilieu zu vermehren.
Geeignete Therapiekonzepte sind in interdisziplinären Tumorboards festzulegen, neben chirurgischen und strahlentherapeutischen Optionen gewinnen immer mehr systemische Verfahren an Bedeutung. Zielgerichtete Therapien und zuletzt die Immunonkologie lassen mit ermutigenden Ergebnissen aufhorchen.
Tumorentitäten, die besonders häufig in das Gehirn metastasieren, sind allen voran, mit etwa der Hälfte, das Bronchuskarzinom gefolgt vom Mammakarzinom, malignen Melanom und Nierenzellkarzinom.

Neue systemische Therapieansätze

Beispiel Bronchuskarzinom
In der Studie KEYNOTE-189 konnte durch die Zugabe von Pembrolizumab zur Chemotherapie ein deutlich verlängertes medianes Überleben auch in der Patientengruppe mit Hirnmetastasen (7,5 vs. 19,2 Monate) unabhängig vom PD-L1-Status nachgewiesen werden (Abb. 1). Behandelt wurden Patienten im Stadium IV mit nonsquamous NSCLC und negativem EGFR- sowie ALK-Status.
Das ALK+ NSCLC präsentiert sich in neun von zehn Fällen als primär metastasierte Erkrankung: Rund 20 % der Patienten haben zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Hirnmetastasen. Leben die Patienten nach drei Jahren noch, liegen in 60 % der Fälle Hirnmetastasen vor. In der ALEX-Studie konnte mit Alectinib ein hochsignifikant längeres progressionsfreies Überleben gegenüber dem Standardarm Crizotinib erzielt werden (34,8 vs. 10,9 Monate). Dabei profitierten auch die Patienten mit Hirnmetastasen unabhängig von einer vorangegangenen Bestrahlung (Abb. 2).
Aktuell wurden am ESMO 2019 Daten der ASCEND-7-Studie präsentiert, wobei eine deutliche Wirksamkeit von Ceritinib auch intrakraniell gezeigt werden konnte (Abb. 3).

Beispiel Mammakarzinom
Der Einsatz zielgerichteter Therapeutika gegen HER2 führt zu einem signifikant längeren Überleben nach der Diagnose von Hirnmetastasen bei Mammakarzinompatientinnen (Abb. 4).
In einer Subgruppenanalyse von Patientinnen mit Hirnmetastasen in der EMILIA-Studie zeigte Trastuzumab-Emtansin (TDM1) gegenüber Capecitabin plus Lapatinib ein doppelt so langes Gesamtüberleben der mit Anti-HER2 vorbehandelten Patientinnen (Abb. 5).

Beispiel Melanom
Mit dem Einzug der Immunonkologika konnten erstmals unerwartet lang anhaltende Remissionen bei Melanompatienten erreicht werden.
Aufgrund der Ergebnisse der Studie CA209-170 beurteilten die Autoren die Kombination von Nivolumab und Ipilimumab als überlegenswerte Erstlinientherapie bei metastasierten Melanompatienten mit unbehandelten asymptomatischen Hirnmetastasen. Patienten mit symptomatischen Hirnmetastasen profitierten hingegen nur in geringem Ausmaß (Abb. 6).

 

 

 

 

 

Literatur: