Fachthema

Akute myeloische Leukämie

Erhaltungstherapie mit Decitabin nach intensiver Therapie

Jatros Digital, 10.12.2019

Bericht:
Dr. Ine Schmale
Hämatologie | Onkologie

Die Ergebnisse der prospektiven, randomisierten Phase-II-Studie ECOG-ACRIN E2906 mit 727 Patienten mit akuter myeloischer Leukämie (AML) gaben Hinweise darauf, dass auch fitte Patienten im Alter ≥60 Jahre eine intensive Therapie erhalten sollten.

Das mediane Gesamtüberleben (OS) betrug 13,8 Monate für Patienten, die mit dem Standard 7+3-Regime behandelt wurden, versus 9,99 Monate unter Clofarabin (HR: 1,41; 95% CI: 1,12–1,77). Ein weiteres Studienziel war der Stellenwert einer Decitabin-Erhaltungstherapie (20mg/m2, d1–3, q4w) für einen Zeitraum von 12 Monaten bei Patienten mit Komplettremission nach Konsolidierung, welche gegen Beobachtung verglichen wurde. Die Aufnahme in den Studienteil zur Erhaltungstherapie wurde früh eingestellt, sodass insgesamt nur 120, statt der geplanten 172 Patienten, randomisiert wurden. Die Patienten waren median 69 Jahre alt, mit einem intermediären zytogenetischen Risiko in 74% und ungünstiger Zytogenetik in 13% der Fälle. 20 der 59 Patienten im Decitabin-Arm komplettierten die Studienmedikation, inklusive 5 Patienten, die zuvor kein Decitabin erhalten hatten. Zum Zeitpunkt der Auswertung waren 90 Patienten (47 unter Beobachtung und 43 unter Decitabin) progredient und 82 (46 bzw. 36) Patienten verstorben. Der Unterschied zwischen den beiden Studienarmen war bezüglich des rezidivfreien Überlebens (RFS) laut präspezifizierter Definition nicht verschieden (HR: 0,77; 80% CI: 0,58–1,02; 95% CI: 0,50–1,19), bezüglich des OS konnte aber ein relevanter Unterschied mit einer Verlängerung des Medians von 19,5 auf 25,8 Monate (HR: 0,69; 80% CI: 0,51–0,93; 95% CI: 0,43–1,09) durch die Decitabin-Erhaltungstherapie festgestellt werden.
Ein wichtiges Ergebnis wurde innerhalb der Subgruppe von 96 Patienten gesehen, die bei Diagnose auf FLT3-ITD getestet wurden. Bei 87,5% dieser Patienten wurde eine FLT3-ITD-negative Erkrankung identifiziert. Innerhalb dieser Subpopulation waren sowohl das DFS als auch das OS bei Erhaltungstherapie mit Decitabin verlängert. In der kleinen Subgruppe der FLT3-ITD-positiven Patienten wurde hingegen kein Einfluss der Erhaltungstherapie beobachtet. Insgesamt wurde Decitabin gut vertragen, allerdings traten bei 9% der Patienten febrile Neutropenien Grad 3 und reversible Zytopenien Grad 4 auf.
Fazit: Die Erhaltungstherapie mit Decitabin nach intensiver Therapie hat einen relevanten Einfluss auf das Gesamtüberleben und sollte in einer randomisierten Studie, insbesondere mit Fokus auf die große Gruppe der AML-Patienten mit intermediärem Risiko und FLT3-ITD-negativer Erkrankung, untersucht werden.

Literatur: