Fachthema

ERS 2019

Neue Guidelines zum Management des schweren Asthma

Jatros Digital, 30.09.2019

Bericht:
Reno Barth
Quelle:
Guideline Session „Severe Asthma Guidelines Update 2019“, European Respiratory Society (ERS) International Congress, 29. September 2019, Madrid

Pneumologie

Die European Respiratory Society (ERS) und die American Thoracic Society (ATS) haben gemeinsam eine neue Leitlinie zum Management des schweren Asthma veröffentlicht.1 Diese stellt ein Update der Guideline aus dem Jahr 2014 dar und beantwortet anstehende Fragen auf Basis aktueller Evidenz.

Zunächst einmal gilt es im Management des schweren Asthma bronchiale abzuklären, ob es sich überhaupt um Asthma handelt. „Das Wort Asthma kommt aus dem Griechischen und bedeutet ,nicht atmen könnenʻ. Und damit kommt eigentlich jedes Zustandsbild, das mit einer Einschränkung der Atmung verbunden ist, für die Differenzialdiagnose in Betracht“, sagt Dr. Juan Carlos Cardet von der University of South Florida, der an der neuen gemeinsamen Leitlinie von ERS und ATS mitgearbeitet hat. Infrage kommen beispielsweise Panikattacken, „vocal cord dysfunction“, COPD, aber auch Herzversagen und zystische Fibrose, wobei bei Kindern andere „Nachahmer“ zu berücksichtigen sind als bei Erwachsenen. Davon unterschieden müssen Komorbiditäten werden, die die Asthmasymptomatik verschlimmern. In diesen Bereich gehören beispielsweise Übergewicht und Rhinosinusitis sowie Nasenpolypen.

Diese grundlegenden Empfehlungen zum Umgang mit schwerem Asthma wurden bereits in der Vorgängerversion der neuen Leitlinie umrissen.2 Diese empfiehlt ein Vorgehen in drei Schritten: Zunächst soll die Asthmadiagnose bestätigt und festgestellt werden, ob es sich um schwer zu behandelndes Asthma handelt. Im zweiten Schritt soll zwischen leichtem und schwerem Asthma und im dritten Schritt zwischen kontrolliertem und unkontrolliertem Asthma unterschieden werden. Für die Bestätigung der Diagnose werden die Reversibilität der Symptome mittels Bronchodilatator sowie die Hyperreagibilität auf Provokation empfohlen. Schweres Asthma wurde definiert als Asthma, das mit hoch dosierten inhalativen Kortikosteroiden plus einem zweiten Kontroller und/oder systemischen Kortikosteroiden behandelt werden muss, um kontrolliert zu bleiben, bzw. das auch mit diesen Therapien nicht kontrolliert werden kann.

Diese Definitionen behalten ihre Gültigkeit. Die Task Force des Jahres 2014 unterstrich, dass schweres Asthma heterogen ist, fand jedoch für eine Phänotypisierung keinen Platz in der Klinik, da hierzu die Evidenz fehlte. Das hat sich geändert. Auf Basis der aktuellen Evidenzlage formulierte die Task Force des Jahres 2019 sechs Fragen und beantwortete diese mit Empfehlungen von unterschiedlicher Stärke. Diese neuen Empfehlungen lauten:

  1. Anti-IL5- und Anti-IL-5RA-Biologika werden bei Erwachsenen für schweres, unkontrolliertes eosinophiles Asthma empfohlen.
  2. Die Indikationsstellung eines Biologikaeinsatzes bei eosinophilem Asthma ist durch eine Eosinophilenzahl ≥150/μl gegeben.
  3. Jugendliche und Erwachsene mit den besten Chancen, auf gegen Eosinophile gerichtete Biologika anzusprechen, können mit einem Eosinophilen-Cut-off ≥260/μl und FeNO ≥19,5ppb identifiziert werden.
  4. Für Jugendliche und Erwachsene, die unter GINA-Step-4- bis -5-Therapien weiterhin an schwerem, unkontrolliertem Asthma leiden, wird inhalatives Tiotropium empfohlen.
  5. Bei Patienten, die unter GINA-Step-5- oder NAEPP-Step-5-Therapien unter schwerem, unkontrolliertem Asthma oder persistierenden Symptomen leiden, wird unabhängig vom Asthmaphänotyp ein Therapieversuch mit Makroliden zur Reduktion der Exazerbationen empfohlen.
  6. Eine gegen IL4/13 gerichtete Biologikatherapie wird empfohlen für Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma oder schwerem Asthma mit Bedarf an systemischen Kortikosteroiden unabhängig von der Eosinophilenzahl.

Die Guideline gibt keine definierten Therapiealgorithmen vor und hält fest, dass die Empfehlungen revidiert werden sollen, wenn neue Evidenz vorhanden ist.

Literatur: