Fachthema

ERS 2019

„Lungenfunktion light“ mit dem Smart Shirt

Jatros Digital, 30.09.2019

Bericht:
Reno Barth
Quelle:
European Respiratory Society (ERS) International Congress, 28. September bis 2. Oktober 2019, Madrid

Pneumologie

Messungen der Atemvolumina unter realistischen Alltagsbedingungen sind nicht einfach zu realisieren. Eine niederländische Studie legt nun nahe, dass sich bereits kommerziell verfügbare „Smart Shirts“ unter bestimmten Bedingungen für diesen Zweck einsetzen lassen.1

Untersuchungen der Lungenfunktion finden üblicherweise in einer sehr artifiziellen Situation statt. Informationen über die Lungenfunktion in Alltagssituationen können sowohl für die Forschung als auch für Abklärung und Follow-up individueller Patienten von Interesse sein, sind jedoch schwer realisierbar. Im Rahmen des ERS-Kongresses 2019 wurde nun eine Methode vorgestellt, mit der solche Messungen leichter möglich werden könnten. Ein Smart Shirt liefert in Verbindung mit einer Smartphone-App relevante Daten in Alltagssituationen. Getestet wurde das System bislang mit gesunden Probanden.

Das Team des niederländischen Radboud University Medical Centre setzte dabei eine bereits bekannte Technologie ein. „Smart Shirts werden heute häufig von Sportlern zum Monitoring ihres Trainings verwendet. Wir wollten wissen, ob man damit die Lungenfunktion mit einer klinisch brauchbaren Verlässlichkeit messen kann“, sagte Denise Mannée, Dissertantin an der Radboud University, und betonte den praktischen Wert dieser Technologie: „COPD-Patienten werden zuerst unter Belastung symptomatisch. Zum Beispiel bei der Hausarbeit oder beim Stiegensteigen. Unter solchen Bedingungen sind unsere Möglichkeiten des Monitorings aktuell aber sehr eingeschränkt.“

Für die aktuelle Studie wurde ein bereits am Markt befindliches Smart Shirt verwendet, das bei Bewegungen des Thorax die Dehnung der Fasern registriert und aus diesen Daten das ein- und ausgeatmete Luftvolumen errechnet. Dazu werden Herzfrequenz und Bewegungen registriert. In der nun präsentierten Studie trugen 15 gesunde Probanden das Shirt, während sie normale tägliche Aktivitäten wie Stiegensteigen oder Staubsaugen verrichteten. Zum Vergleich wurden die gleichen Aktivitäten mit einem kompletten kardiopulmonalen Stress-Test-System mit Atemmaske und Rucksack durchgeführt. Die Auswertung der Daten zeigte ein hohes Maß an Übereinstimmung. Im Liegen lag die Abweichung bei lediglich 0,2%. Bei aufwendigeren Aktivitäten stieg die Abweichung auf 3,1%, was einem Luftvolumen von 40ml entspricht. Allerdings erwies sich die Kalibrierung des Shirts als nicht zuverlässig, weshalb es vor jedem Satz von Messungen neu kalibriert werden musste. Das Smart Shirt wurde von den Probanden als angenehm und nicht weiter störend empfunden. In einem nächsten Schritt soll die Studie mit COPD-Patienten wiederholt werden.

Literatur: