Fachthema

ESC/EAS-Guidelines

Lipidzielwerte gesenkt

Jatros, 19.09.2019

Bericht:
Reno Barth
Quelle:
ESC-Kongress 2019, 31. August bis 4. September 2019, Paris

Diabetologie & Endokrinologie | Kardiologie & Gefäßmedizin

Die neue Leitlinie der European Society of Cardiology (ESC) und der European Atherosclerosis Society (EAS) zum Management der Dyslipidämie führt für Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko einen LDL-Cholesterin-Zielwert von 55 mg/dl ein. Basis dafür sind in den letzten Jahren publizierte Studien, die das Prinzip „the lower the better“ untermauern.

Wir haben gelernt, dass eine LDL-CSenkung das kardiovaskuläre Risiko unabhängig vom Ausgangswert reduziert. Das bedeutet, dass eine LDL-C-Senkung bei Patienten mit sehr hohem Risiko auch dann effektiv ist, wenn diese bereits einen niedrigen LDL-C-Spiegel haben“, kommentiert Prof. Dr. Colin Baigent, Vorsitzender der Guidelines Task Force. Des Weiteren wird nach wie vor eine Reduktion des LDL-CSpiegels um mindestens 50 % gegenüber dem Ausgangswert empfohlen, wenn der LDL-C-Zielwert nicht erreicht ist. Auch bei Patienten, die bereits nahe an ihrem Zielwert sind, soll die Therapie entsprechend intensiviert werden. Darüber hinaus sei bislang in Studien kein LDL-C-Spiegel identifiziert worden, der so niedrig gewesen sei, dass er zu unerwünschten Effekten geführt hätte. Als Mittel zur LDL-C-Senkung empfiehlt die Guideline Lebensstilmodifikation, Statine, Ezetimib und PCSK9-Inhibitoren. Statine sind in den meisten Fällen die Medikamente der Wahl. Die Task Force betont, dass Statinunverträglichkeit wohl vorkommt, in der Praxis jedoch selten ist.
Auch die Empfehlungen im Hinblick auf die Risikostratifizierung wurden angepasst. Um in die Hochrisikokategorie zu fallen, ist es nun nicht mehr erforderlich, ein kardiovaskuläres Ereignis durchgemacht zu haben. Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung, familiäre Hypercholesterinämie, Diabetes mit Endorganschaden und schwere chronische Nierenerkrankung definieren bereits einen „High risk“-Status und damit einen LDL-C-Zielwert von weniger als 55 mg/dl plus eine LDL-C-Reduktion um mindestens 50 %. Der „Very high risk“-Status mit einer LDL-C-Empfehlung unter 55 mg/dl wird beispielsweise definiert durch dokumentierte KHK (also durch ein durchgemachtes Ereignis, Symptome oder entsprechende Befunde in der Bildgebung) oder einen Diabetes mellitus mit Endorganschaden und mindestens drei weiteren schweren Risikofaktoren.
Die Leitlinie weist auch auf die Bedeutung von Lipoprotein (a) hin, das ebenfalls deutlich mit atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung assoziiert ist. Da der Lp(a)-Spiegel fast zur Gänze genetisch determiniert ist, wird empfohlen, ihn zumindest einmal im Leben, vorzugsweise im Alter um die 40 Jahre, zu messen, um Personen mit hohem Risiko frühzeitig, vor dem Eintreten eines kardiovaskulären Ereignisses, identifizieren zu können. Leider lässt sich Lp(a) mit Statintherapie nicht beeinflussen, während mit PCSK9-Inhibitoren eine Reduktion um 30 bis 40 % gezeigt werden konnte.
Bei Patienten mit erhöhten Triglyzeridwerten trotz Statintherapie wird zusätzlich Fischöl empfohlen. In der Primärprävention besteht jedoch ausdrücklich keine Empfehlung für Fischöl, da keine Daten vorliegen, die einen Benefit zeigen könnten.

Die neue Leitlinie wurde im „European Heart Journal“1 und auf der ESC-Website2 publiziert.

Literatur: