Fachthema

Guideline

ESC-Empfehlungen zum Diabetes-Management

Jatros Digital, 04.09.2019

Bericht:
Reno Barth
Kardiologie & Gefäßmedizin

Mit ihren neuen Guidelines zu Diabetes, Prädiabetes und kardiovaskulärer Erkrankung, die gemeinsam mit der europäischen Diabetes-Gesellschaft EASD erarbeitet wurde, schließt sich die ESC weitgehend den Positionen der im vergangenen Jahr publizierten Empfehlungen der EASD an.

Die neue Leitlinie berücksichtigt insbesondere die Ergebnisse der zahlreichen in den vergangenen Jahren publizierten kardiovaskulären Outcome-Studien mit unterschiedlichen neuen Antidiabetika, insbesondere den GLP-1-Rezeptoragonisten und den SGLT2-Inhibitoren. „Angesichts der neuen Evidenz besagt unsere wichtigste Empfehlung, dass GLP-1-Rezeptoragonisten und SGLT2-Inhibitoren bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und bestehender kardiovaskulärer Erkrankung als First-Line-Medikamente zur Blutzuckersenkung zum Einsatz kommen sollen“, kommentierte der Vorsitzende der Guideline Task Force, Prof. Dr. Francesco Cosentino vom schwedischen Karolinska-Institut. Im neuen Therapiealgorithmus der ESC können und sollen diese Substanzen nun nach Erstdiagnose eines Typ-2-Diabetes bereits vor Metformin eingesetzt werden, wenn ein entsprechendes kardiovaskuläres Risikoprofil gegeben ist. Bei bereits unter Therapie mit Metformin stehenden Patienten soll die Therapie bei Diagnose einer KHK um einen GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT2-Inhibitor erweitert werden. Besonders erwähnt werden die Substanzen Empagliflozin und Liraglutid, da diese in den entsprechenden Outcome-Studien das Mortalitätsrisiko signifikant reduzierten. Metformin bleibt weiterhin Erstlinientherapie für übergewichtige Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne manifeste KHK und mit moderatem kardiovaskulärem Risiko.

Neue Empfehlungen bestehen auch hinsichtlich der Lipidziele. Eine bestehende Herzerkrankung (oder das Vorhandensein mindestens dreier Risikofaktoren) oder ein anderer Endorganschaden zusätzlich zum Diabetes mellitus bringen den Patienten nun in die „Very high risk“-Risikogruppe, für die ein LDL-C-Ziel von weniger als 55 mg/dl gilt. In diese Gruppe fallen unter anderem auch Patienten mit Typ-2-Diabetes, frühem Krankheitsbeginn und mehr als 20 Jahren Krankheitsdauer. Über die Zielerreichung hinaus wird in allen genannten Gruppen eine LDL-Senkung um mindestens 50 % empfohlen. Das LDL-Ziel von weniger als 70 mg/dl gilt nun für alle Patienten mit Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko. Werden diese Ziele mit Statinen und Ezetimib nicht erreicht, so besteht die Empfehlung für den Einsatz von PCSK9-Inhibitoren. Als Sekundäres soll auch Non-HDL-Cholesterin im Auge behalten werden. Hier gelten Zielwerte von unter 85 mg/dl bei sehr hohem und unter 100 mg/dl bei hohem Risiko.

Geändert wurden angesichts der im vergangenen Jahr publizierten Daten der ASCEND-Studie auch die Empfehlungen hinsichtlich Aspirin, das bei Patienten mit moderatem Risiko nicht mehr zur kardiovaskulären Prävention eingesetzt werden soll. Bei hohem und sehr hohem Risiko kann Aspirin (75–100 mg/d) allerdings nach wie vor in Erwägung gezogen werden.

Änderungen gibt es auch in Sachen Lifestyle. Bestand bis vor Kurzem noch eine Empfehlung für moderaten Alkoholkonsum für die kardiovaskuläre Prävention, so kann diese Empfehlung im Licht kürzlich publizierter Studien nicht aufrechterhalten werden. Die neue Leitlinie wurde im „European Heart Journal“ und online publiziert.1, 2

 

 

Literatur: