Thema

WCD 2019

Eine neue Ära für die globale Dermatologie

Leading Opinions, 29.08.2019

Bericht:
Dr. Susanne Kammerer
Medizinjournalistin
Quelle:
24th World Congress of Dermatology (WCD) 2019, 10.–15. Juni, Mailand

Dermatologie

Alle 4 Jahre treffen sich die Dermatologen aus aller Welt am World Congress of Dermatology. Dementsprechend beeindruckend ist der Umfang dieser Veranstaltung. So gab es in diesem Jahr über 150 Sitzungen für mehr als 14 000 Teilnehmer. Wir haben für Sie ein paar Rosinen aus dem «Panettone» gepickt.

Statineinnahme erhöht das Risiko für Ekzemerkrankungen

Statine gehören aufgrund ihrer kardioprotektiven Wirkung zu den häufig verordneten Medikamenten bei Patienten mit Dyslipidämien und Herzerkrankungen.1 Sie blockieren die hepatische Cholesterinsynthese und verstärken zusätzlich die Aufnahme von Cholesterin in die Hepatozyten. Darüber hinaus wurde berichtet, dass Statine über immunmodulierende Effekte auch Einfluss auf Ekzeme oder atopische Dermatitis nehmen können. Wie häufig dies der Fall ist, wurde bisher noch nicht untersucht. In einer Kohortenstudie werteten Dr. med. Kevin Cheung, J. Roy und A. Lucille vom Carver College of Medicine der University of Iowa und Kollegen Daten aus den Akten von Patienten dieser Universitätsklinik aus. Diese retrospektive Analyse verglich Herzpatienten, die vor 2012 ein Statin einnahmen, mit Herzerkrankten, denen nie ein Statin verschrieben worden war. Für beide Gruppen wurde die Häufigkeit von Ekzemen und atopischer Dermatitis über einen Zeitraum von 6 Jahren ermittelt. Dabei fand eine Stratifizierung nach Faktoren wie z. B. Alter, Geschlecht, BMI, Alkoholkonsum und Rauchen statt. Patienten mit Statinmedikation wiesen eine signifikant höhere Ekzeminzidenz von 6,77% im Vergleich zu jenen, die keine Statine einnahmen (1,68%; p<0,001), auf. Daraus ergab sich ein mehr als 4-fach erhöhtes Ekzemrisiko bei den Statinpatienten. Männer waren häufiger betroffen als Frauen. In der Altersgruppe über 60 stieg das relative Risiko für die Entwicklung eines Ekzems sogar auf das 7-Fache an, wenn ein Statin eingenommen wurde. Als Nächstes wollen die Forscher untersuchen, ob es Unterschiede in Abhängigkeit davon gibt, welches Statin verordnet wurde.

IL-17A-Inhibition als neue Therapie bei Hidradenitis suppurativa

In Läsionen bei Hidradenitis suppurativa (HS) konnten in der Vergangenheit erhöhte Interleukin(IL)-17A-Spiegel nachgewiesen werden.2 Deshalb untersuchte Prof. Alexandra B. Kimball von der Harvard Medical School, Boston, zusammen mit Kollegen im Rahmen einer randomisierten, doppelblinden Multicenterstudie die Wirkung des IL-17A-Blockers CJM112 auf HS. Die Studienpopulation bestand aus Erwachsenen mit chronischer HS im Stadium 2 oder 3 der Hurley-Klassifikation, die entweder mit 300 mg CJM112 oder einem Placebo behandelt wurden. Der primäre Endpunkt bestand in einer Reduktion von 2 Punkten im Hidradenitis Suppurativa Physician’s Global Assessment (HS-PGA) Score in Woche 16. Er wurde von 32% der Patienten mit CJM112 erreicht im Vergleich zu 13% bei Behandlung mit Placebo (Abb. 1). Ausserdem kontrollierten die Untersucher den Einfluss der Therapie auf die Anzahl entzündlicher Läsionen sowie Sicherheit und Verträglichkeit von CJM112. Die Summe der Läsionen sank bei Therapie mit CJM112 um 56% versus 30% in der Placebogruppe. Beobachtete Nebenwirkungen traten in den Studiengruppen vergleichbar häufig auf und waren hauptsächlich leichter bis moderater Natur. «Diese Studie ist der erste richtige Beleg dafür, dass eine IL-17A-Blockade für die Behandlung der HS nützlich sein kann», hob Prof. Dr. med. Brian Kirby vom St. Vincent’s University Hospital, Dublin, hervor.3

Atopische Dermatitis – topischer PD4-Inhibitor reduziert proinflammatorische Enzyme

Crisaborol ist ein PD4-Inhibitor, der 2016 von der FDA für die nichtsteroidale Therapie von leichter bis moderater atopischer Dermatitis (AD) zugelassen wurde.4 Dieser Entscheidung lagen die Ergebnisse von zwei Studien der Phase 2 zugrunde, an denen mehr als 1500 Patienten teilnahmen. Dennoch ist die Wirkweise von Crisaborol nicht gänzlich geklärt. Um in dieser Frage Licht ins Dunkel zu bringen, untersuchte eine aktuell auf dem WCD 2019 vorgestellte Phase- 2-Studie den Zusammenhang zwischen klinischer Besserung und Veränderungen von Hyperplasie, Barrierefunktion und Immunbiomarkern in der Haut.
Bei den 40 eingeschlossenen Patienten mit leichter bis moderater AD wurde jeweils ein Teil der Läsionen mit Crisaborol und ein anderer Teil nur mit Vehikel behandelt. Die Therapie erfolgte jeweils über 15 Tage. Im Anschluss wurden Stanzbiopsien entnommen, die genetisch und immunhistochemisch untersucht wurden. Klinisch zeigten die mit Crisaborol therapierten Läsionen zum Ende der Studie im «total sign score» eine grössere Verbesserung als diejenigen, bei denen das Vehikel angewendet wurde. Gleiches galt für den Pruritus, der auf einer nummerischen Bewertungsskala gemessen wurde. Schon nach dem ersten Behandlungstag war der Juckreiz häufig rückläufig. Der transepidermale Wasserverlust war in der Crisaborol-Gruppe nach 8 Tagen signifikant gesunken. Die Untersuchung des bioptischen Materials ergab im Vergleich zum Ausgangsbefund zudem eine Reduktion von inflammatorischen Biomarkern. Dazu gehörten Matrixmetalloproteinase 12, die mit genereller Inflammation assoziiert ist, und Marker der Th2- und Th17/Th22-Achsen, die eine Schlüsselrolle in der AD-Pathogenese spielen. Immunhistochemisch liess sich eine Verringerung von Hyperplasie und Infiltration durch Immunzellen in den Läsionen nachweisen, auf die Crisaborol appliziert wurde. Die Studienautoren sahen eine Veränderung des Transkriptoms in Richtung normaler Haut an den initialen Läsionsstellen. Die molekularen und zellulären Veränderungen korrelierten ebenfalls mit der klinischen Besserung.

Risankizumab zeigt bei Psoriasis hohe Wirksamkeit über 2 Jahre

Im ersten Teil der randomisierten Doppelblindstudie IMMhance erlangten bereits signifikant mehr Patienten unter Risankizumab (n=407) einen der primären Endpunkte Psoriasis Area and Severity Index (PASI) 90 bzw. static Physician’s Global Assessment (sPGA) 0/1, entsprechend einer vollständigen oder fast vollständigen Abheilung der Hautveränderungen in Woche 16 (p<0,001).5 Im zweiten Teil von IMMhance wurden die Patienten, die sPGA 0/1 erreicht hatten, erneut randomisiert und erhielten in Woche 28–104 je nach Gruppe entweder alle 12 Wochen eine kontinuierliche Behandlung mit 150 mg Risankizumab (n=111) oder Placebo (n=225). In dieser Studienphase wurde der primäre Endpunkt als Anteil der Psoriatiker festgelegt, die nach 1 Jahr ein sPGA von 0/1 hatten. Der sekundäre Endpunkt bestand im Erreichen von sPGA 0/1 nach 2 Jahren. Beide Endpunkte wurden von den Patienten mit Risankizumab signifikant häufiger erreicht (p<0,001). Die Zeit bis zu einem Rezidiv (sPGA>3) betrug für die Placebopatienten im Median 295 Tage. Ein entsprechender Wert konnte für die Risankizumab-Gruppe nicht ermittelt werden, da in dieser Gruppe zu wenige Rezidive auftraten (p<0,01). Nach 2 Jahren erlangten 81,1% der Patienten in der Verumgruppe ein sPGA von 0/1. Darunter waren vermehrt Patienten mit PASI 100 oder sPGA 0. Diejenigen der 153 Patienten in der Placebogruppe, die bei einem Rezidiv erneut mit Risankizumab therapiert wurden, erzielten rasch ein erneutes Ansprechen: 83,7% dieser Patienten gelang eine vollständige oder fast vollständige Abheilung der Hautveränderungen. Therapiebedingte Nebenwirkungen waren innerhalb aller Studiengruppen vergleichbar. Während der Langzeittherapie über 2 Jahre kam es zu keinen neuen Nebenwirkungen.

Etanercept-Biosimilar erfolgreich bei Psoriasis und Psoriasisarthritis

Bisher gibt es wenig Daten zum Etanercept- Biosimilar SB4.6 Eine Vorabauswertung der 1-Jahres-Daten einer 3-Jahres- Studie der Universität von Rom konnte hier einen ersten Ausblick geben. Von den geplanten 350 Patienten der Studie konnten zuvor schon 91 eingeschlossen werden. 52 davon wurden bereits über 52 Wochen behandelt. Bei 38 Patienten lag eine Psoriasisarthritis vor, bei 14 eine Plaque-Psoriasis. Unter der Therapie mit SB4 verbesserte sich der PASI deutlich. Die Studienteilnehmer hatten zu Beginn einen mittleren PASI von 6,57, der bis zu Woche 24 1,2 erreichte, nach 1 Jahr sogar PASI 0,8. Ähnlich erfolgreich erwies sich SB4 bei Psoriasisarthritis, deren Krankheitsaktivität mit dem «Disease Activity Score in 28 joints»(DAS28)-CRP-Wert erfasst wurde. Der DAS28-CRP sank von initial 4,15 über 2,43 in Woche 24 auf 2,15 nach 1 Jahr. Das Biosimilar wurde insgesamt gut vertragen.
Obwohl es sich um eine vorläufige Auswertung handelt, schlossen die Autoren, das SB4 bei Psoriasis und Psoriasisarthritis wirksam ist. Zudem könnte die potenzielle Reduktion der Behandlungskosten den Zugang zu einer Biologikatherapie für eine grössere Anzahl von Patienten ermöglichen.

Literatur: