Fachthema

Autologe Fetttransplantation in der Brustchirurgie

Lipofilling – von der Rekonstruktion zur Ästhetik

Jatros, 16.05.2019

Autor:
Dr. Thomas Rappl
Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie
E-Mail: thomas.rappl@klinikum-graz.at
Autor:
Priv.-Doz. Dr. Gunda Pristauz-Telsnigg
Universitätsklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Medizinische Universität Graz
Autor:
Dr. Paul Wurzer
Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie
Autor:
Univ.-Prof. Dr. Lars-Peter Kamolz
Klinische Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie

Onkologie | Plastische Chirurgie | Gynäkologie & Geburtshilfe

Die autologe Fetttransplantation (Lipofilling) ist eine vielversprechende Methode in der Brustchirurgie. Obwohl es noch offene Fragen wie die nach der Rate der Resorption gibt, die meist mehrere Eingriffe für das gewünschte Ergebnis zur Folge hat, hat das Lipofilling in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Der folgende Artikel gibt einen Überblick.

Anfänge der Fetttransplantation

1893 wurde die Fetttransplantation erstmals vom Chirurgen Neuber beschrieben. 1895 wurde durch den Chirurgen Czerny die erste Brustrekonstruktion mittels autologer Fetttransplantation durchgeführt, wobei ein Lipom vom Rücken in die Brust transplantiert wurde. In den 1950er- Jahren zeigten Studien, dass das Outcome in Bezug auf die Überlebensrate der Fettzellen nur sehr gering war. Technische Unausgereiftheiten führten zu einer sehr verminderten Überlebensrate der Fetttransplantate.1 Über die Jahrzehnte hat sich die Technik u. a. durch Darstellungen von Illouz2 stark verändert und essenziell verbessert.
1987 wurde von Bircoll3 der erste Fall beschrieben, bei dem eine Liposuktion und ein darauffolgendes Lipofilling mit dünnen Kanülen vollzogen wurden. Dies wurde 1984 an einer Patientin durchgeführt, welche einen Hundebiss an der rechten Hüfte hatte und gleichzeitig an einer beidseitigen Mammahypoplasie litt. Mit dem gewonnenen Fett wurden beide Areale erfolgreich behandelt. Abgesehen von den ersichtlichen Vorteilen dieser Technik waren Fettgewebsnekrosen, Zysten und Kalzifikationen, die von den Radiologen nicht eindeutig identifiziert werden konnten, die augenscheinlichsten Nachteile dieser vielversprechenden Technik in diesen Zeiten. Außerdem brachte die nicht einschätzbare Resorptionsrate massive Nachteile mit sich.
Aufgrund von Vernarbungen und Kalzifizierungen, welche ein Tumorgeschehen verschleiern oder imitieren, bzw. Adipozyten, die ein Tumorwachstum anregen könnten, wurde 1987 von der American Society of Plastic and Reconstructive Surgeons (ASPRS) die Fetttransplantation in der Brustchirurgie bis 2009 verboten.

Neues Konzept der Fetttransplantation

In der Zwischenperiode wurde von Coleman4, 5 ein Konzept entwickelt („concept of structural fat grafting“), bei dem Fett in kleinen Mengen mit kleinen Kanülen abgesaugt und in ebenso kleinen Mengen in einem dreidimensionalen Netzwerk in die Brust eingebracht wird. Diese Technik gewährleistet ein Maximum an Kontakt der transplantierten Fettzellen mit dem umgebenden Gewebe, was eine gute Durchblutung und Ernährung der transplantierten Fettzellen garantiert.
Basierend auf den daraus entstandenen Erfolgen hat das Lipofilling in der Brustchirurgie in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt. Viele Publikationen und intensive Forschung unterstreichen die positiven Effekte dieser Therapieform.
Der Fokus der Forschung richtet sich dabei auf die Stammzellforschung („adipose tissue derived stem cells“, ADSC). Diese am meisten erforschten Zellen spielen eine Schlüsselrolle in der plastischen Chirurgie.

Offene Fragen

Dennoch sind noch viele Fragen bezüglich der Verbesserung der Take-Rate des transplantierten Fetts offen, da nach wie vor mit einer Resorptionsrate von ca. 25– 35 % zu rechnen ist, was mehrere Eingriffe erforderlich macht, um ein perfektes Ergebnis zu erzielen. Bezogen auf die Sicherheit zeigten viele neuere Publikationen ein positives Bild dieser nun immer ausgereifter werdenden Technologie. Eine erhöhte Rezidivrate konnte dabei nicht bestätigt werden, dies unterstreicht die onkologische Unbedenklichkeit.6
Basierend auf diesen Erkenntnissen gewinnt die Fetttransplantation sowohl in der rekonstruktiven als auch in der ästhetischen Chirurgie immer mehr an Bedeutung. Bisher wurde die Brustrekonstruktion mit autologen Geweben (mit freien oder gestielten Lappen) in ca. 25 % und die Rekonstruktion mit Implantaten in 75 % der Fälle durchgeführt.

Lipofilling – Methode

Vor etwa zwei Jahren haben wir begonnen, in speziellen Fällen die Brustrekonstruktion mit Lipofilling alleine durchzuführen. Weiters wurden postoperative Asymmetrien und Konturunregelmäßigkeiten gezielt mittels Lipofilling behandelt. Die Ergebnisse zeigen ein perfektes Outcome in Ästhetik und Haptik. Der Vorteil besteht darin, dass diese Operation ambulant durchführbar ist. Der größte Nachteil liegt (basierend auf der Resorptionsrate) in der unvorhersehbaren Anzahl an Eingriffen (ca. 8), um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen.
Zur Fettgewinnung wurde das Fett nach der Infiltration von Tumeszenzlösung mittels 3 mm-Kanülen abgesaugt, filtriert, gewaschen und mit ebenso großen Einmalkanülen in einer Multilayer-3D-Technik infiltriert. Dabei ist darauf zu achten, dass die zu infiltrierende Region proportional mit der Fettinfiltrationsmenge übereinstimmt, um die Resorptionsrate möglichst gering zu halten und die Take-Rate zu erhöhen. D. h., je dünner das zu behandelnde Gewebe ist, desto geringer ist die zu infiltrierende Fettmenge. Das transplantierte Fett ist sehr fragil und braucht ein Milieu, in dem es aufgenommen werden kann. Von exzessivem Sport und Diät nach der Behandlung ist abzuraten, um die Take-Rate nicht negativ zu beeinflussen. Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung und absolute Nikotinkarenz sind sinnvoll. Äußerer Druck auf die behandelten Stellen sollte vermieden werden. Die Beurteilbarkeit der Take-Rate ist annähernd nach der 6. Woche möglich. Wir empfehlen, eine Fetttransplantation nach 8–12 Wochen ggf. zu wiederholen – so oft, bis das gewünschte Volumen erreicht ist.

Lipofilling – Resultate

In den meisten Fällen konnte ein sehr gutes bis exzellentes Ergebnis erzielt werden. Auch wenn in einigen Fällen das gewünschte Volumen nicht erreicht wurde, so konnte meist eine deutliche Qualitätsverbesserung der bestrahlten und vernarbten Haut erzielt werden, was eine darauffolgende Implantatrekonstruktion erst möglich machte. In zwei Fällen musste eine Infektion antibiotisch behandelt werden.

Fazit

Die autologe Fetttransplantation stellt sowohl in der rekonstruktiven als auch in der ästhetischen Brustchirurgie eine wertvolle Ergänzung mit einer Vielzahl an Möglichkeiten dar. Der Ausgleich von Asymmetrien, die Verbesserung der Brustkontur und die gänzliche Wiederherstellung sind durch ein Lipofilling auf sichere und schonende Weise möglich. In der ästhetischen Brustchirurgie gewährleistet diese Methode ebenso viele Möglichkeiten. Einerseits kann dadurch auf Implantate gänzlich verzichtet werden, andererseits eine Mammaaugmentation durch die Kombination beider Techniken („composite breast augmentation“) im Sinne des natürlichen Aussehens perfektioniert werden.
Der wichtigste Schlusssatz ist jedoch der zur onkologischen Unbedenklichkeit7 des Lipofillings. Bis zur vollständigen Perfektionierung dieser Technik sind jedoch noch viele Studien in Hinblick auf Fettentnahme und Verarbeitung notwendig, um eine perfekte und nachvollziehbare Take- Rate zu gewährleisten.

Literatur: