Fachthema

Symptomatische Behandlung der Multiplen Sklerose

„Nicht medikamentöse Ansätze sind ein wichtiger Baustein“

Jatros, 13.12.2018

Interview-Partner:
Univ.-Prof. Dr. Thomas Berger, MSc
Klinikvorstand
Univ.-Klinik für Neurologie
Medizinische Universität Wien
E-Mail: thomas.berger@meduniwien.ac.at
Interview geführt von:
Mag. Christine Lindengrün

Neurologie

Wir sprachen mit Professor Thomas Berger über neue Erkenntnisse zur erfolgreichen Behandlung schwerwiegender MS-Symptome wie Depression, Fatigue und motorischer Einschränkungen.

Depression und Fatigue sind häufige Symptome, die sich gegenseitig verstärken. Wie kann man diesen Teufelskreis durchbrechen?
T. Berger:
Depression und Fatigue gehen weit über reine Symptome hinaus – sie beeinträchtigen die Lebensqualität der Patienten erheblich. Das hat unter anderem auch sozioökonomische Auswirkungen. Eine Studie, an der auch Österreich mitgewirkt hat, hat die Krankheitskosten für MS-Patienten untersucht. Dabei war ganz klar evident, dass die Ermüdbarkeit sowie psychische und kognitive Störungen aus Patientensicht die Hauptfaktoren für krankheitsbedingte Arbeitslosigkeit sind.
Mit einer umfassenden Behandlung, die nicht unbedingt nur medikamentös sein muss, sondern auch persönlichkeitsbildende Elemente wie Psychotherapie und Mind-Setting-Ansätze enthalten sollte, kann es gelingen, die Lebensqualität von MS-Patienten zu verbessern.

Was muss bei der Behandlung der Depression bei MS-Patienten berücksichtigt werden?
T. Berger:
Es ist wichtig, den Zusammenhang zwischen Ermüdbarkeit und Depression zu erkennen und zu schauen, ob es Einflussgrößen gibt, die man auch nicht medikamentös beseitigen kann. Denn es gibt natürlich Medikamente, die die Symptome verstärken können.
Dann kann man die Kombination von medikamentöser und nicht medikamentöser Therapie angehen. Ich bin prinzipell kein Freund der allzu raschen Verordnung antidepressiver Medikamente. Längerfristig ist nicht nur die medikamentöse Therapie relevant. Es ist auch sehr lohnend, die Persönlichkeitsstruktur des Patienten zu berücksichtigen – ist er eher ängstlich oder ist er eher ein Adrenalinjunkie? – und daran zu arbeiten, weil dies wahrscheinlich längerfristig das bessere Ergebnis erzielen wird.

Auf welche Strategien sprechen motorische Symptome besonders gut an?
T. Berger:
Wichtig ist, motorische Symptome so früh wie möglich zu behandeln. Aber auch hier gilt, sich nicht nur auf die medikamentöse Therapie zu verlassen, sondern ein Paket aus medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien zu schnüren.
Medikamente zur Behandlung der motorischen Beeinträchtigung sind in erster Linie solche, die sich gegen Spastizität richten. Jüngst hierfür zugelassen wurde in der EU Sativex. Zur Verbesserung der Gehfähigkeit von MS-Patienten hat Fampridin in der EU die Zulassung erhalten. Das ist fast schon eine Sensation, denn die letzten Jahrzehnte waren geprägt von Zulassungen für krankheitsmodifizierende Therapien. Symptomatische Therapien wurden stark in den Hintergrund gedrängt.

Das vollständige Interview finden Sie im ECTRIMS Newsroom unter www.universimed.com/ectrims2018.

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