Fachthema

Nicht alkoholische Fettlebererkankung

Grad der Leberfibrose korreliert mit der Höhe des kardiovaskulären Risikos

Leading Opinions, 20.12.2018

Autor:
Dr. med. univ. David Niederseer, PhD, BSc
Universitätsspital Zürich, Universitäres Herzzentrum Zürich,
Klinik für Kardiologie, Zürich
und Krankenhaus Oberndorf,
Lehrkrankenhaus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität
Salzburg, Abteilung für Innere Medizin, Oberndorf
E-Mail: david.niederseer@usz.ch
Autor:
Adam Bakula
Universitätsspital Zürich, Universitäres Herzzentrum Zürich,
Klinik für Kardiologie, Zürich
Autor:
Prof. Dr. med. Christian Datz
Krankenhaus Oberndorf, Lehrkrankenhaus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg, Abteilung für Innere Medizin, Oberndorf

Hepatologie | Kardiologie & Gefäßmedizin

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weltweit die führende Todesursache.1 Die globale Prävalenz der nicht alkoholischen Fettlebererkrankung, der hepatischen Manifestation des metabolischen Syndroms, wird auf 24% geschätzt.2 Es ist davon auszugehen, dass sie in den kommenden Jahren die virale Hepatitis und die alkoholische Fettlebererkrankung als Hauptindikation für die Lebertransplantation überholen wird.3

Keypoints

  • Unsere Daten weisen darauf hin, dass über den bereits bekannten Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Risikofaktoren und NAFLD hinaus auch ein Zusammenhang zwischen der Krankheitsprogression der NAFLD und dem Ausmass des kardiovaskulären Risikos besteht.
  • Ein multidisziplinärer Ansatz, an dem Hepatologen und Kardiologen beteiligt sind, erscheint vor diesem Hintergrund wichtig, um eine optimale Versorgung dieser Patienten mit einem hohen Risiko für kardiovaskuläre und leberbezogene Endpunkte sicherzustellen.

Unter nicht alkoholischer Fettlebererkrankung (NAFLD) ist ein Spektrum von Leberveränderungen subsumiert, definiert entweder als eine einfache Lebersteatose oder als NASH (nicht alkoholische Steatohepatitis) mit erhöhtem Risiko für eine progredient verlaufende Form, ohne dass ein übermässiger Alkoholkonsum, eine virale Hepatitis, die Einnahme hepatotoxischer Medikamente oder andere chronische Lebererkrankungen, wie autoimmune Hepatitis, Hämochromatose oder Morbus Wilson, vorliegen. Bei Patienten mit NASH kommt es in 41% der Fälle zur Entstehung einer Fibrose. Zur leberspezifischen Morbidität und Mortalität der NAFLD tragen auch Leberzirrhose und hepatozelluläres Karzinom bei.4

Zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer NAFLD zählen ein sitzender Lebensstil, mangelnde körperliche Aktivität, ungesunde Ernährungsgewohnheiten, Adipositas, Insulinresistenz, Diabetes mellitus Typ 2, Dyslipidämie, Hypertriglyzeridämie und arterielle Hypertonie, also typische kardiovaskuläre (CV) Risikofaktoren.4 Die NAFLD wurde zudem mit einer Reihe subklinischer Marker einer Atherosklerose assoziiert. So finden sich in dieser Patientengruppe eine erhöhte Intima-Media- Dicke, eine Beeinträchtigung der flussvermittelten Vasodilatation und der arteriellen Elastizität sowie vermehrte Hinweise auf eine Karotisentzündung in der FDG-PET.5 Dementsprechend ist die NAFLD auch (unabhängig) mit einer erhöhten Prävalenz und einem höheren Schweregrad der koronaren Herzerkrankung bei den betroffenen Patienten assoziiert. Es zeigte sich zudem in mehreren Studien eine von traditionellen Risikofaktoren unabhängig erhöhte Inzidenz von tödlichen und nicht tödlichen CV Ereignissen. Die CV Mortalität überschreitet dabei bei sonografisch diagnostizierter NAFLD die leberspezifische Mortalität.4, 6

Bei bioptisch oder mittels Magnetresonanzelastografie (MRE) dokumentierter NAFLD ist das Ausmass der Leberfibrose ein guter Prädiktor für die leberspezifische und die Gesamtmortalität.7 In unserer Studie wollten wir untersuchen, ob der mit nicht invasiven Methoden geschätzte Grad der Leberfibrose bei NAFLD mit etablierten Scores zum Abschätzen des CV Risikos korreliert.
Wir analysierten eine Population von 2138 asymptomatischen Patienten aus unserem SAKKOPI («Salzburg Kolon Karzinom Präventions-Initiative»)-Register. Das durchschnittliche Alter betrug 59,6±10,2 Jahre, der BMI 27,2±4,6kg/m2 und 50% der Patienten waren männlich. Bei Patienten mit sonografischer Diagnose einer NAFLD, also solchen, die in der Leber Bereiche mit im Vergleich zum renalen Parenchym signifikant erhöhter Echogenität aufwiesen und bei denen eine virale, autoimmune, angeborene Genese (Morbus Wilson, HFE-assoziierte Hämochromatose, Alpha-1-Antitrypsin-Mangel) sowie ein Alkoholkonsum von >30g/d bei Männern resp. >20g/d bei Frauen ausgeschlossen werden konnte, wurden das Ausmass der Leberfibrose sowie mittels Scores das CV Risiko berechnet.
Für die Einschätzung des Grades der Leberfibrose benutzten wir den NAFLD Fibrosis Score (NFS) und den Fibrosis 4 Score (Fib4), die für die Berechnung Risikofaktoren (Alter, BMI, Diabetes und/oder erhöhter Nüchternblutzucker) und Laborparameter (AST, ALT, Thrombozytenzahl, Albumin) verwenden. Das kardiovaskuläre Risiko wurde mittels des Framingham Risk Score (FRS) und des ESC Heart Score (HS) errechnet, die das 10-Jahres-Risiko für CV Ereignisse anhand von Risikofaktoren (Alter, Geschlecht, arterielle Hypertonie, Nikotinabusus, Land) und Laborparametern (Triglyzeride, Total-Cholesterin und HDL-Cholesterin) prognostizieren.
Bei 829 (38,7%) der 2138 Registerpatienten wurde eine NAFLD diagnostiziert. Das geschätzte CV Risiko war bei Patienten mit NAFLD deutlich erhöht. Der FRS betrug 5,5±5,2% bei Patienten ohne NAFLD und 8,8±6,5% bei solchen mit NAFLD (p<0,001), der HS 2,9±3,8% bei Patienten ohne NAFLD und 3,7±4,1% bei solchen ohne NAFLD (p=0,002). Dabei zeigte sich eine signifikante Korrelation zwischen dem Grad der Leberfibrose (gemessen mit NFS und Fib4) und dem kardiovaskulären Risiko (geschätzt mit FRS und HS) (p<0,001, Abb. 1).

Literatur: