Thema

ERS 2018

Neues zum Asthma bronchiale: Eosinophilie im Fokus

Jatros, 11.10.2018

Bericht:
Reno Barth
Quelle:
ERS 2018, Sessions „Notable Studies in Asthma“, 18. September, und „Asthma in children and adults: long-term aspects“, 16. September 2018, Paris

Pneumologie

Im Rahmen des ERS-Kongresses in Paris wurden auch in diesem Jahr zahlreiche aktuelle Studien vorgestellt, die sich mit den verschiedenen Manifestationen von Asthma beschäftigen. Dies betraf unter anderem neue Daten zu Biologika gegen IL-5 sowie das Konzept der „treatable traits“.

Asthma ist keine einheitliche Erkrankung. Insbesondere durch die Einführung gezielter Therapien gegen bestimmte Komponenten oder Eigenschaften von Asthma ist das Interesse an einer Aufgliederung der Asthmadiagnose gestiegen. Manche Experten sprechen von „treatable traits“ und wollen sogar die Entitäten Asthma und COPD insgesamt durch Charakteristika, die diagnostiziert und behandelt werden können, ersetzen.1 Eine Gruppe aus Neuseeland präsentierte in Paris eine Analyse von Patienten zwischen 17 und 75 Jahren aus dem New Zealand Respiratory Health Survey, die angaben, unter pfeifendem Atmen (Giemen) und Kurzatmigkeit zu leiden.2 „,Treatable traits‘ sind das Ergebnis der Bemühungen, die Phänotypisierung von Asthma und COPD voranzubringen“, sagte Studienautor Prof. Dr. James Fingleton aus Wellington, Neuseeland. „Wir mussten allerdings feststellen, dass es in der Praxis schwierig sein kann, individuelle Patienten den verschiedenen Phänotypen zuzuordnen, da ihre Erkrankung eben nicht genau in die Schemata bzw. in mehr als eine Kategorie passt. Mit ,treatable traits‘ verlassen wir diesen Ansatz und stellen einfach die Frage, welche Charakteristika der Patient aufweist, die behandelt werden sollen und können. Es geht also darum, Charakteristika der Erkrankung zu identifizieren.“ Mittlerweile wurde eine große Zahl solcher Charakteristika vorgeschlagen und die Diskussionen um ihre Bedeutung nehmen bisweilen eher philosophischen Charakter an, wie Fingleton ausführte. Nun gehe es darum, jene „traits“ zu identifizieren, die klinisch brauchbar sind. Dazu müssten die „traits“ zum einen mit klinischen Outcomes assoziiert sein und sich zum anderen auch therapeutisch beeinflussen lassen.

Zur Klärung dieser Fragen wurden die Patienten der Kohorte auf 17 „treatable traits“ abgeklärt und das Ergebnis mit der Exazerbationshistorie abgeglichen. Fingleton: „Wir kannten die Historie unserer Patienten und luden sie zu einer umfassenden Untersuchung ein.“ Dabei wurden sechs „traits“ identifiziert, die mit dem Exazerbationsrisiko assoziiert waren (Abb. 1). Darunter zeigte kardiovaskuläre Erkrankung die stärkste positive Assoziation, nämlich eine Risikoerhöhung um mehr als den Faktor 3, gefolgt von niedrigem FEV1 (<60%), rekurrierenden Infektionen, systemischer Inflammation und Atemwegsobstruktion. Erhöhte Bluteosinophile waren bemerkenswerterweise mit einem um 50% reduzierten Risiko von Exazerbationen assoziiert. Dies sei allerdings nicht so paradox, wie es auf den ersten Blick scheine, wie Studienautor Fingleton erläuterte: „Man sieht daran, dass es eben nicht nur auf den ‚trait‘ ankommt, sondern auch auf die Kohorte, die man untersucht. Unsere Patienten waren leicht symptomatisch. Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma waren in unserer Kohorte nicht dabei.“

Schneller Verlust von Lungenfunktion

Eine schwedische Kohortenstudie zeigte allerdings, dass eosinophile Inflammation generell von Nachteil für Asthmapatienten ist, da die Eosinophilenzahl mit dem jährlichen Verlust an Lungenfunktion korreliert (Abb. 2).3 Die Daten stammen aus einer populationsbasierten Kohorte mit mehr als 2000 Teilnehmern, die in den Jahren 1986–2001 rekrutiert und zwischen 2012 und 2014 zu einem klinischen Follow-up eingeladen wurden, das unter anderem eine Spirometrie inkludierte. Zu diesem Zeitpunkt standen noch 1006 Probanden in ungefähr gleichem Geschlechterverhältnis zur Verfügung. Die Studie zeigte einen mittleren jährlichen FEV1- Abfall von 26ml (0,03pp) bei Patienten mit weniger als 300 Eosinophilen pro µl Blut. Lagen die Eosinophilen jedoch über 400, so nahm das FEV1 um 34ml (0,27pp) pro Jahr ab (p<0,001). In adjustierten Analysen erwiesen sich Eosinophilenzahlen über 300 als assoziiert mit beschleunigtem Verlust an Lungenfunktion. Die Assoziation war unabhängig vom Einsatz inhalativer Steroide.

Neue Daten zu Biologika gegen Interleukin-5

Zahlreiche im Rahmen des ERS 2018 vorgestellte Studien beschäftigten sich mit den verschiedenen Formen schweren Asthmas bzw. den in dieser Indikation eingesetzten Biologika. Dies betrifft z.B. das eosinophile Asthma, das durch eine hohe Zahl eosinophiler Granulozyten im Blut und durch Interleukin(IL)-5 getriebene Inflammation charakterisiert ist. Anti-IL-5-Therapien sind in diesem Fall die Strategie der Wahl. So konnten in klinischen Studien mit dem Anti-IL-5-Biologikum Reslizumab sowohl eine Verbesserung der Lebensqualität als auch eine Reduktion der Exazerbationsrate demonstriert werden. Fraglich ist allerdings, ob und wie weit diese Studien mit ihren sehr rigiden Einschlusskriterien Schlüsse auf den klinischen Alltag zulassen. Nun untersuchte eine österreichische Studie den Einsatz von Reslizumab unter Bedingungen des klinischen Alltags.4 Dies geschah allerdings nicht in Form eines Registers, sondern einer prospektiven Real-Life-Studie mit 25 Patienten, die mit monatlichen i.v. Injektionen von Reslizumab behandelt wurden. Evaluiert wurden die Lungenfunktion, die Serum-Eosinophilen, ausgeatmetes Stickoxid, der steroidsparende Effekt sowie die Asthmakontrolle.
Die Studie zeigte nach vier Monaten Therapie mit Reslizumab eine signifikante Verbesserung der Asthmakontrolle sowie einen reduzierten Bedarf an systemischen Steroiden. Bei einigen Patienten konnten die systemischen Steroide komplett abgesetzt werden. Allerdings konnte keine signifikante Verbesserung der Lungenfunktion festgestellt werden. In dieser Hinsicht wurden allerdings deutliche Schwankungen zwischen den individuellen Patienten beobachtet, zumal bei manchen bereits nach 24 Stunden Verbesserungen des FEV1 festgestellt werden konnten. Es traten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auf. Allerdings beendeten drei Patienten die Therapie mit Reslizumab, weil sie ihnen keine Vorteile brachte. Die Autoren schließen aus diesen Daten, dass der Einsatz von Reslizumab bei Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma sinnvoll ist, sofern diese Patienten mit den besten Standardtherapien nicht adäquat kontrolliert werden können.

Neue Daten gibt es auch für Benralizumab, den jüngsten der zugelassenen Antikörper gegen IL-5 (in diesem Fall gegen den IL-5-Rezeptor). Im Rahmen der Sicherheitsstudie BORA wurden Patienten aus den Phase-III-Studien SIROCCO, CALIMA und ZONDA über ein Jahr beobachtet und hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit der Therapie evaluiert.5 In BORA wurden Patienten, die in den kontrollierten Studien alle 4 oder 8 Wochen Benralizumab erhalten hatten, mit dem Regime aus der klinischen Studie weiterbehandelt. Die Patienten aus den Placebogruppen wurden 1:1 auf Benralizumab Q4W oder Q8W randomisiert. In BORA blieben rund 75% der Patienten unter Benralizumab Q8W frei von Exazerbationen, ohne dass zusätzliche Sicherheitssignale auftraten. Auch die Lungenfunktion blieb unter Benralizumab stabil. Placebopatienten, die auf Benralizumab umgestellt wurden, zeigten eine Zunahme an FEV1.

Literatur: