Fachthema

Chronische myeloische Leukämie (CML)

EURO-SKI-Studie identifiziert Voraussetzungen für TKI-Absetzung

Jatros, 01.02.2018

Bericht:
Dr. Ine Schmale
Onkologie | Hämatologie

Unter der Therapie mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKI) haben Patienten mit chronischer myeloischer Leukämie (CML) eine ähnliche Prognose wie gesunde Menschen. Seit einiger Zeit wird nun daran geforscht, ob nicht die TKI bei Erreichen einer gewissen Tiefe der Remission abgesetzt werden können. Bei mehr als 2500 Patienten wurde die Imatinib-Therapie innerhalb von Studien abgesetzt. Bei etwa 85–90% der Patienten, die dabei einen Rückfall erlitten, kam es zu einem molekularen Rezidiv innerhalb von 6 Monaten, welches bei 90–95% der Patienten durch erneuten Start der Therapie wieder in eine Remission verwandelt werden konnte.

Für eine anhaltende therapiefreie Remission wurden verschiedene prognostische Indikatoren diskutiert, wie Alter, Geschlecht, prognostischer Score bei Diagnose, TKITyp, Tiefe des Ansprechens, suboptimales Ansprechen oder Resistenzen, IFN-Vortherapie, TKI-Therapiedauer und Dauer des tiefen molekularen Ansprechens. Innerhalb der EURO-SKI-Studie untersuchte Susanne Saussele, Mannheim/Deutschland, den Stellenwert der Therapiedauer und der Dauer des MR4-Ansprechens für den Erfolg beim Therapieabbruch (ASH 2017, Abstr. #313). Die Daten von 755 Patienten konnten bezüglich des primären Endpunkts, des molekularen Rückfalls (Verlust der guten molekularen Remission, MMR) zu irgendeinem Zeitpunkt, ausgewertet werden. Die Daten von 448 Patienten wurden dabei für die Entwicklung eines prognostischen Modells und die von 198 Patienten zur Validierung dieses Modells eingesetzt. Von den 755 Patienten zeigten nach 6 Monaten 61% ein molekularrezidivfreies Überleben (MRFS), diese Rate fiel linear auf 47% nach 36 Monaten ab. Es wurden verschiedene Cut-off- Punkte für die Dauer der Therapie und die Dauer des MR4-Ansprechens verglichen und eine Therapiedauer von 5,8 Jahren sowie ein 3,1 Jahre andauerndes MR4-Ansprechen als optimale Cut-off-Punkte bestimmt (Abb. 1).



Da die Therapiedauer und die Dauer des MR4-Ansprechens zu eng miteinander verwoben sind, um den Einfluss der Einzelfaktoren zu separieren, wurde als neue Variable die Therapiedauer vor Erreichen des MR4-Ansprechens untersucht.

Eine Verlängerung dieser Therapiezeit vor MR4-Erreichen zeigte nur einen Anstieg der Wahrscheinlichkeit für ein MRFS von jährlich 0,86%. Mit jedem Jahr der MR4-Dauer wurde hingegen die Wahrscheinlichkeit für einen Rückfall um 3% verringert. Somit sei die Dauer des MR4-Ansprechens wahrscheinlich der wichtigere Faktor für ein erfolgreiches Absetzen der TKI-Therapie, so das Resümee der Auswertung.