Fachthema

Zielgerichtete Behandlung des Endometriumkarzinoms

Jatros, 26.12.2017

Autor:
Univ.-Prof. Dr. Edgar Petru
Univ.-Klinik für Frauenheilkunde
Klinische Abteilung für Gynäkologie
Medizinische Universität Graz
E-Mail: edgar.petru@medunigraz.at

Onkologie | Gynäkologie & Geburtshilfe

Das Endometriumkarzinom ist das häufigste gynäkologische Malignom bei Frauen in Industrieländern. Der folgende Bericht gibt einen Überblick über zielgerichtete Therapieoptionen bei dieser Entität.

Was erreichen wir mit der „Standard-Chemotherapie“?

Das endometrioide Endometriumkarzinom ist nur mäßig chemosensibel. Die Kombination aus Carboplatin und Paclitaxel gilt als chemotherapeutischer Standard (GOG 209). Einzelsubstanzen wie Cisplatin, Carboplatin, Paclitaxel, Doxorubicin, Epirubicin und Ifosfamid erbringen nur Ansprechraten zwischen 12 und 25%. Das mediane Gesamtüberleben liegt lediglich zwischen 7 und 9,5 Monaten. Aus diesem Grund ist es essenziell, neue Therapieoptionen zu identifizieren.

Hormontherapie

Eine Hormontherapie ist dann indiziert, wenn eine Bestrahlung, Operation oder Chemotherapie beim Auftreten von Metastasen nicht infrage kommen. Hier ist insbesondere das Gestagen Medroxyprogesteronacetat in der Dosierung von 250mg/d zu erwähnen. Bei Thromboembolieanamnese sind Gestagene jedoch kontraindiziert. Tamoxifen, Fulvestrant und GnRH-Analoga können ein Ansprechen von um die 10% erwirken. Eine Kombination von Chemotherapie und Hormontherapie steigert das Ansprechen gegenüber einer Chemotherapie allein nicht.

Zielgerichtete Gestagentherapie

Gestagene können bei Progesteronrezeptor- positiven Karzinomen – meist vom Typ I – Ansprechraten von bis zu 40% erzielen. Allerdings exprimieren meist nur hochdifferenzierte Endometriumkarzinome Hormonrezeptoren. Diese wiederum entwickeln nur selten Metastasen.

Zielgerichtete Therapie mit Aromatasehemmern

Unter 82 evaluierbaren Hormontherapie- naiven Patientinnen trat in einer rezenten Phase-II-Studie bei 44% ein klinischer Nutzen ein.1 Eine partielle Remission wurde bei 7% beobachtet. Die mittlere Dauer des klinischen Nutzens betrug 5,6 Monate. Der klinische Nutzen war von einer Verbesserung der Lebensqualität begleitet.

Everolimus, Letrozol und Metformin

Eine Phase-II-Studie an 58 Patientinnen mit fortgeschrittenem Endometriumkarzinom untersuchte die Effektivität der Dreierkombination von Everolimus (10mg), Letrozol (2,5mg) und Metformin (500mg 2x1/Tag).2 Die Patientinnen wiesen eine endometrioide (92%) oder eine gemischt-endometrioide Histologie auf, sie konnten davor bis zu zwei Chemotherapieschemata erhalten haben und mussten eine messbare Krankheit aufweisen. Bei 18 bzw. 41% der Patientinnen handelte es sich um Grad-1- bzw. Grad-2-Tumoren. 67% der Patientinnen hatten aufgrund von Metastasen Chemotherapie erhalten. Die mediane Anzahl an Zyklen belief sich auf 6 (Spannweite 2–18). Der primäre Endpunkt war die Rate an klinischem Nutzen (CR, PR, SD ≥8 Wochen). Klinischer Nutzen trat bei 67% ein. Die Gesamtansprechrate betrug 29%. Grad-3/4-Toxizitäten traten v.a. in Form von Anämie (22%), Hypoglykämie (10%), Thrombopenie (6%), Fatigue (6%) und oraler Mukositis (4%) auf.

Bevacizumab plus Chemotherapie

In der randomisierten Phase-II-Studie MITO END-2 wurden 58 Patientinnen mit fortgeschrittenem (Stadium III–IV; 33%) oder rezidiviertem Endometriumkarzinom (67%)3 und maximal einer vorausgegangenen Chemotherapie entweder mit Carboplatin/Paclitaxel oder mit dieser Kombination plus Bevacizumab (15mg/ kg, alle 3 Wochen) behandelt. 78% der Patientinnen wiesen ein endometrioides Karzinom und 22% eines vom serösen Typ auf. Die Gesamtansprechrate lag bei 72% im Bevacizumab-Arm und bei 54% im Bevacizumab-freien Arm. Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) belief sich im Bevacizumab-Arm auf 13,0 Monate und im Bevacizumab-freien Arm auf 8,7 Monate (p=0,036; HR: 0,57). Das Gesamtüberleben war im Bevacizumab- Arm tendenziell länger (23,5 Monate vs. 18 Monate). Es gab im Vergleich zu den vorliegenden Erfahrungen mit der Toxizität von Bevacizumab (v.a. Hypertension, Proteinurie) keine besonderen Signale. Besondere Obacht hinsichtlich Toxizität sollte bei älteren Patientinnen und Patientinnen mit Komorbiditäten sowie bei allen Patientinnen nach Radiotherapie gegeben werden.

PD-L1- bzw. PD-1-Antikörper- Therapie

Erste Ergebnisse liegen vor. Es wurden vor allem dann Erfolge erzielt, wenn „Mismatch repair“-Defekte vorgelegen waren.

Literatur: