Fachthema

HER2-positives Mammakarzinom

Neoadjuvante Behandlung mit Pertuzumab und Trastuzumab: hohe Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit

Leading Opinions, 26.12.2017

Autor:
Dr. med. David Roger Thorn
Facharzt für Medizinische Onkologie FMH
Facharzt für Allgemeine Innere Medizin FMH,
Apotheker
Praxis für ambulante Tumortherapie, Basel
Kernteam-Mitglied
Onkologie des
Brustzentrums Basel
Bethesda Spital
E-Mail: dr.david.thorn@hin.ch

Onkologie | Gynäkologie & Geburtshilfe

Die duale HER2-Blockade mittels kombinierter Anwendung von Pertuzumab (Perjeta®) und Trastuzumab (Herceptin®) plus einer Taxan-haltigen Chemotherapie bildet die Grundlage für eine verbesserte neoadjuvante Behandlung des frühen HER2-positiven Mammakarzinoms.1 Eine im Rahmen der DGHO-Jahrestagung 2017 präsentierte Untersuchung dokumentiert den erfolgreichen Einsatz der dualen HER2-Blockade in der klinischen Praxis.2 Darüber hinaus wurden dabei erstmalig von dementsprechend behandelten Patientinnen in der Schweiz standardisiert die Lebensqualität und die Compliance erfasst. Die diesbezüglichen Ergebnisse fielen ebenfalls durchweg positiv aus.

Keypoints

  • Laut einer retrospektiven Analyse von 22 Patientenfällen konnte mit der Kombination aus Pertuzumab, Trastuzumab und Paclitaxel (nach dosisdichter anthrazyklinbasierter Chemotherapie) als neoadjuvante Behandlung des HER2-positiven Mammakarzinoms eine tpCRRate von 77,2% erzielt werden.2
  • Im klinischen Praxisalltag konnte demnach sogar eine höhere tpCR-Rate erzielt werden als in der Zulassungsstudie NeoSphere (39,3%).1
  • Als zusätzlicher Therapieerfolg sind die von den einbezogenen Patientinnen attestierte vergleichsweise gute Therapieverträglichkeit sowie die hohe Patientenzufriedenheit und Lebensqualität zu bewerten.

Seit Anfang dieses Jahres ist in der Schweiz für die neoadjuvante Behandlung des frühen/lokal fortgeschrittenen, HER2-positiven Mammakarzinoms die kombinierte Anwendung von Pertuzumab, Trastuzumab und Docetaxel zugelassen.3 Die Relevanz dieser dualen HER2-Blockade in der neoadjuvanten Situation verdeutlicht unter anderem das beschleunigte Zulassungsverfahren in den USA, das bereits 2013 zur Zulassung durch die FDA führte.4 Die Grundlage hierfür bildete die internationale, randomisierte, multizentrische Phase-II-Studie NeoSphere, die 417 Patientinnen mit neu diagnostiziertem HER2-positivem, operablem, lokal fortgeschrittenem oder entzündlichem Brustkrebs im Frühstadium einschloss.1 Die Studie belegt die höhere Wirksamkeit einer neoadjuvanten, kombinierten Behandlung mit Pertuzumab und Trastuzumab gegenüber der damaligen Standardbehandlung mit Trastuzumab als dem alleinigen HER2-gerichteten Antikörper (jeweils ergänzt um Docetaxel). So erreichten im entsprechenden Studienarm dank der dualen HER2-Blockade 39,3% der Patientinnen eine pathologische Komplettremission in Brust und Axilla (tpCR) gegenüber einer tpCR-Rate von nur 21,5% durch die Standardbehandlung. Die für die Zulassung durch die Swissmedic erforderliche Erhebung von 5-Jahres-Daten der NeoSphere-Studie bestätigte nochmals die Überlegenheit und Sicherheit der dualen HER2-Blockade als neoadjuvante Behandlungsoption.5 Zudem zeigte sich, dass die Gruppe der Patientinnen, bei denen zuvor eine tpCR erzielt worden war, eine höhere 5-Jahres-PFS-Rate erreichte (85%) als diejenigen ohne tpCR (76%; HR: 0,54). Dieses Ergebnis unterstreicht die Wertigkeit der tpCR als Surrogatparameter für ein längeres progressionsfreies Überleben. Die neoadjuvante duale HER2-Blockade in der Praxis Ergänzend zu den Ergebnissen gross angelegter Studien stellt sich die Frage, wie sich neue Therapieoptionen in der klinischen Praxis umsetzen lassen. Dieser Fragestellung gingen wir am Brustzentrum Basel Bethesda Spital nach. In unsere Untersuchung schlossen wir 22 Patientinnen mit HER2-positivem, frühem Brustkrebs ein.2 Bei der Diagnose betrug das Alter der Patientinnen median 59 Jahre, mehrheitlich (63,6%) entsprach die Erkrankung Stadium II (AJCC). 21 Patientinnen erhielten zunächst vier Zyklen einer dosisdichten anthrazyklinbasierten Chemotherapie. Danach erfolgte bei allen Patientinnen die kombinierte Applikation von Pertuzumab und Trastuzumab (q3w x 4), konkomitierend zu 12 wöchentlichen Gaben von Paclitaxel (entsprechend einem «preferred regimen» der NCCN-Guidelines6). Dem schloss sich die Operation an.
Die retrospektive Analyse der histopathologischen Befunde ergab, dass bei 77,2% der Patientinnen eine tpCR erzielt wurde (Abb. 1). Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass das Konzept der neoadjuvanten dualen HER2-Blockade in der Praxis umsetzbar ist und dabei sogar höhere tpCR-Raten erzielt werden können als in der Literatur beschrieben.

Lebensqualität und Therapieverträglichkeit im Fokus

Die Bewertung neuer Behandlungsoptionen berücksichtigt neben Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit zunehmend auch die Lebensqualität (QoL) der betroffenen Patientinnen und Patienten. Dementsprechend erfragten wir nach Abschluss der neoadjuvanten Therapie mittels eines QoL-Fragebogens bei den einbezogenen Patientinnen deren Bewertung der Behandlung und ihre gesundheits- sowie zukunftsbezogene Einschätzung.2 Die Rückmeldungen zur Therapie – 20 der 22 Patientinnen hatten den jeweiligen Fragebogen retourniert – fielen durchweg positiv aus: 85% der Patientinnen gaben an, mit der Behandlung zufrieden zu sein, und 90% würden die Therapie weiterempfehlen (Abb. 2). 95% hielten die investierte Zeit und die mit der Behandlung einhergehenden Anstrengungen für lohnenswert. Als «cancer survivor» sahen sich 70% der Patientinnen. Auch die Bewertung der persönlichen Zukunft fiel ermutigend aus. So schätzten 95% der Patientinnen diese positiv ein und 70% planten wieder längerfristig. Ein positives Grundgefühl äusserten zudem 80% der Patientinnen. Bezüglich der Therapieverträglichkeit gaben 45% der Patientinnen an, dass die Behandlung sie nicht belastet hätte, genauso hoch fiel andererseits der Anteil derer aus, die diese als Belastung empfunden hatten. Nebenwirkungen wurden von 60% der Patientinnen benannt. Hierbei handelte es sich am häufigsten um Fatigue (6 Patientinnen) sowie Poly-/Neuropathie (5 Patientinnen). Diarrhö (unter der Systemtherapie) und Hautprobleme (Trockenheit) wurden jeweils von drei Patientinnen als Nebenwirkungen genannt.

Fazit

Die gute Therapieverträglichkeit und die ausgeprägte Patientenzufriedenheit sprechen – ergänzend zu den überzeugenden Wirksamkeitsdaten – für den Einsatz der dualen HER2-Blockade (plus Chemotherapie) als neoadjuvante Behandlung des HER2-positiven, frühen Mammakarzinoms in der klinischen Praxis.

Literatur: