Fachthema

Immunthrombozytopenie (ITP)

Langfristige Wirkung und Sicherheit der Romiplostim-Therapie bei Kindern

Jatros Digital, 28.11.2017
Hämatologie | Onkologie

In einer offenen Extensionsstudie wurden Kinder mit ITP über einen Zeitraum von 7 Jahren mit dem Thrombopoetin-Rezeptor-Agonisten Romiplostim behandelt. Die meisten Kinder zeigten ein Plättchenansprechen über mehr als 75% der Studienzeit und mehr als die Hälfte über mehr als 90% der Studienzeit. Fast ein Viertel der Kinder mit langfristig andauernder ITP konnte die ITP-Medikation für mehr als 6 Monate absetzen.

In der aktuell beim ASH-Kongress 2017 vorgestellten offenen Extensionsstudie wurden die Sicherheit und Effektivität der Langzeitanwendung von Romiplostim bei Kindern mit persistierender bzw. chronischer Immunthrombozytopenie (ITP) untersucht. Primärer Endpunkt der Studie war das Auftreten von Nebenwirkungen, inklusive Blutungen. An sekundären Endpunkten wurden das langfristige Plättchenansprechen und der reduzierte Gebrauch von weiteren ITP-Medikationen untersucht.
Eingeschlossen waren Patienten aus den USA, Kanada, Spanien und Australien, die bereits an einer ITP-Studie mit Romiplostim teilgenommen hatten und zu Studienbeginn jünger als 18 Jahre alt waren. Sie erhielten wöchentlich eine subkutane Romiplostim-Applikation in der letzten Dosierung der Studie oder, wenn sie in der vorangegangenen Studie im Placeboarm behandelt worden waren oder die letzte Applikation mehr als 24 Wochen zurücklag, mit einer Dosis von 1µg/kg. Die Dosis wurde entsprechend der Zielvorgabe einer Thrombozytenzahl von 50–200x 109/l zwischen 1–10µg/kg Romiplostim variiert. Die mediane Thrombozytenzahl zu Studienbeginn betrug 14x 109/l. Ein Plättchenansprechen wurde mit einer Thrombozytenzahl ≥50x 109/l festgelegt. Eine Remission war definiert als Thrombozytenzahl ≥50x 109/l für ≥24 Wochen ohne Gabe weiterer ITP-Medikationen.
Insgesamt wurden 66 Patienten in die Extensionsstudie eingeschlossen, von denen 37 Patienten Romiplostim bis zum Studienende erhielten. 62% der Patienten hatten bereits ≥3 ITP-Therapielinien erhalten. Nur 2 Patienten brachen die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen ab. Die häufigsten Gründe für den Studienabbruch waren der Entzug der Einwilligung durch den Patienten (n=10), die Benötigung einer alternativen Therapie (n=5) und fehlende Compliance (n=4). Drei Patienten verließen die Studie per Protokoll, zwei aufgrund einer Remission und einer aufgrund einer Thrombozytenzahl <30x 109/l trotz 10-wöchiger Applikation von 10µg/kg.
Die gesamte Medikamentenexposition in der Studie betrug 182 Patientenjahre. Es wurde im Median eine wöchentliche Romiplostim-Durchschnittsdosierung von 4,8µg/kg appliziert. Bezüglich des primären Endpunkts traten an häufigsten Nebenwirkungen aller Grade Kopfschmerzen (59%), Blutergüsse (51%), Epistaxis (49%) und Infektionen der oberen Atemwege (49%) auf. Klinisch relevante Nebenwirkungen wurden bei insgesamt 29% der Patienten beobachtet, darunter Thrombozytopenien (6%), Pyrexie (5%), Epistaxis (3%), Kopfschmerzen (3%) und Erbrechen (3%).
Die Untersuchung der Effektivität zeigte eine mediane Thrombozytenzahl von >50x 109/l in der zweiten Woche und >100x 109/l in den Wochen 24 bis 260. 72% der Patienten zeigten ein Plättchenansprechen ≥75% der Studienzeit und 58% ein Ansprechen ≥90% der Zeit. Bei 23% der Patienten wurde eine Remission mit einer Plättchenzahl ≥100x 109/l für eine mediane Zeit von 46 Wochen (Spanne: 25–109 Wochen) beobachtet. Bei Beginn der Remission waren die Patienten im Median seit 4 Jahren an ITP erkrankt und hatten Romiplostim für median 3 Jahre erhalten. In einer multivariaten Analyse zeigten sich das Alter bei der ersten Applikation (p=0,0012) und eine Thrombozytenzahl >200x 109/l in den ersten vier Wochen (p=0,0035) als prädiktiv für das Erreichen einer Remission.

Quelle: Tarantino MD et al.: Final data from a long-term open-label extension study of subcutaneous romiplostim in children with immune thrombocytopenia (ITP). ASH 2017, Abstr. #14

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