Fachthema

Typ-2-Diabetes

Wie werden kardiovaskuläre Outcome-Studien die Praxis verändern?

Jatros, 09.11.2017

Autor:
Univ.-Prof. Dr. Thomas C. Wascher
1. Medizinische Abteilung, Hanusch-Krankenhaus Wien
Past-President der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG)
Leiter der Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit der
Diabetes Initiative Österreich (DIÖ)
E-Mail: thomas.wascher@wgkk.at

Diabetologie & Endokrinologie | Kardiologie & Gefäßmedizin

In den letzten Jahren hat die Diabetologie eine große Zahl an kardiovaskulären Outcome-Studien erlebt, die die Therapie für Menschen mit Typ-2-Diabetes tatsächlich nachhaltig verändern werden.

Historisch gesehen wird jede antihyperglykämische Therapie im Licht der Reduktion des Risikofaktors Glukose gesehen. Jeder zu erwartende Benefit einer solchen Therapie folgt dem Axiom: Das Risiko wird bestimmt durch Ausmaß und Dauer der Exposition gegenüber dem Risikofaktor. Daraus resultiert, dass das Erreichen des HbA1c-Zielwertes primär von Interesse ist.

Ziel der Zulassungsregulatorien der FDA, der amerikanischen Zulassungsbehörde, war nicht, substanzspezifische protektive Effekte darzustellen, sondern ausschließlich den Nachweis der kardiovaskulären Sicherheit der zu untersuchenden Medikamente zu erbringen, um deren Verbleib am Markt weiter zuzulassen. Dieser Nachweis konnte für alle untersuchten Substanzen geführt werden.

Dass nun zwei der in diesen Studien untersuchten Antidiabetika – Empagliflozin und Liraglutid – nicht nur wie auch alle anderen überprüften Pharmaka ihre kardiovaskuläre Sicherheit demonstrieren konnten, sondern auch kardiovaskuläre Überlegenheit und auch eine Reduktion der Mortalität, muss quasi als „Kollateralbenefit“ gesehen werden. Ohne die Forderung der FDA gäbe es diese Evidenz nicht.

In Zukunft muss daher jede Entscheidung für eine antihyperglykämische Behandlung von Menschen mit Typ-2- Diabetes unter zwei Aspekten gesehen werden:

    1. Erreiche ich mit der gewählten Therapie das individuelle HbA1c-Ziel für den Patienten?
    2. Gibt es für den Patienten Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien, die nahelegt, dass durch die Auswahl einer spezifischen Therapie ein kardiovaskulärer Benefit und eine Verlängerung des Überlebens unabhängig von der Wirkung auf den Blutzucker erreicht werden können?

Im Lichte dieser nunmehr zur Verfügung stehenden Evidenz muss daher ab sofort – zumindest für Patienten mit manifesten kardiovaskulären Erkrankungen – nicht überlegt und argumentiert werden, ob und warum eine evidenzbasiert kardioprotektive, das Leben verlängernde Therapie zum Einsatz kommen soll, sondern vielmehr, was für Gründe es geben könnte, sie einem Patienten vorzuenthalten.

 

Lesen sie auch: Wie werden sie die Praxis verändern?