Fachthema

Pneumokokkenimpfung

Leading Opinions, 01.11.2017

Autor:
Dr. med. Sabina Ludin
Chefredaktorin

Allgemeinmedizin | Infektiologie

Pneumokokkenerkrankungen betreffen altersabhängig besonders Kinder in den ersten Lebensjahren sowie Senioren. Die Schutzwirkung der Pneumokokkenimpfung ist vielfach nachgewiesen worden. Im Folgenden werden die aktuellen Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) und der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) zusammengefasst.

Bei Säuglingen und Kleinkindern können als Folge einer Pneumokokkeninfektion schwere invasive Erkrankungen wie Sepsis und/oder Meningitis auftreten, welche eine Letalität von ca. 9% haben bzw. in ca. 28% der Fälle zu neurologischen Dauerschäden führen. Die Pneumokokkenimpfung figuriert deshalb seit Ende 2005 als empfohlene ergänzende Impfung für alle Säuglinge und Kleinkinder im Schweizer Impfplan (Tab. 1).1 Besonders gefährdet für eine invasive Pneumokokkenerkrankung (IPE) ist, unabhängig vom Alter, auch eine kleine, durch chronische Erkrankungen abwehrgeschwächte Risikogruppe (Tab. 2), für welche die Pneumokokkenimpfung ebenfalls empfohlen wird (Tab. 3).1

Ein Impfstoff gegen die wichtigsten der über 90 Serotypen von Pneumokokken kam 1977 auf den Markt (PPV14), der derzeit verfügbare PPV23 1983. Diese Polysaccharidimpfstoffe sind in den ersten beiden Lebensjahren kaum wirksam und generell schlecht boosterbar. Eine entscheidende Verbesserung brachte die Entwicklung eines konjugierten Impfstoffes (PCV) ab dem Jahr 2000: PCV hat eine Wirksamkeit von ~95% und eine hervorragende Boosterwirkung. Der konjugierte Impfstoff (PCV7, seit Ende 2010 PCV13 [Prevenar 13®]) wird in der Schweiz seit 2001 für alle Kinder <5 Jahren mit Risikofaktoren und seit Ende 2005 als ergänzende Impfung für alle Kinder <2 Jahren empfohlen (Tab. 1).1 Aufgrund verschiedener Vorteile von PCV13 gegenüber PPV23, wie z.B. ebenbürtiger oder besserer Immunogenität, Induktion einer Immunantwort und eines immunologischen Gedächtnisses, wird PCV13 seit 2014, trotz der in der Schweiz fehlenden Zulassung für Personen über 5 Jahre, unabhängig vom Alter für alle Personen mit einem erhöhten Risiko für eine IPE empfohlen.1, 2

Die Empfehlung einer generellen Impfung aller über 65-Jährigen mit PPV23 gilt nicht mehr. Einerseits hat diese Empfehlung weder in der Schweiz noch in anderen Ländern zu einem Rückgang der IPE-Fälle in der älteren Bevölkerung geführt, andererseits ist das erhöhte IPE-Risiko in dieser Bevölkerungsgruppe in erster Linie durch die höhere Prävalenz von chronischen Erkrankungen bedingt und weniger durch das Alter per se. Zudem konnte beobachtet werden, dass in Ländern mit einer hohen Durchimpfung der Kleinkinder infolge der Herdenimmunität die Häufigkeit von IPE in der nicht geimpften Bevölkerung abnahm.2, 3 BAG und EKIF empfehlen deshalb seit 2014, auf die generelle Impfung aller über 65-Jährigen mit PPV23 zu verzichten und stattdessen alle Personen mit einem erhöhten Risiko mit PCV13 zu impfen («off-label», aber offiziell empfohlen).2

Literatur: